Über Arab Shorts

Alles dreht sich um „kuratierte Programme“. Insgesamt 19 Kuratorinnen und Kuratoren treffen Auswahlen und präsentieren diese einmal im Jahr. So entstehen Sinnlinien und Deutungsmöglichkeiten. Die filmischen Arbeiten werden nicht bloß gezeigt, sondern mit einem Kontext versehen. Unter dem Dach von „Arab Shorts“ findet sich ein breites Spektrum, das vom narrativen Kurzfilm bis zu „Videokunst“ reicht.
Was ist zu sehen? Ungeschminktes, wie das sozialkritische Kaleidoskop aus einem Telefon-Shop oder jener klaustrophobische Fahrstuhl-Kurzfilm, wo weibliche Lebenswelten mit krasser Gefängnismetaphorik gezeichnet werden. Zu sehen sind, auf der anderen Seite des Spektrums, enigmatische Wüstenflugbilder einer „Ästhetik des Verschwindens“ oder „zerbrochene Filme“, die Kriegschaos in dissonant-verwürfelten Fragmenten auf die Leinwand werfen und sarkastisch from Beirut with love grüßen. Dazwischen gibt es immer wieder Trouvaillen: Eine wunderbare Reminiszenz an Eisensteins „Panzerkreuzer Potjomkin“, nachgestellt in Tunis; ein ironisches Selbstporträt namens Arafat & I; ein Film gemacht aus amerikanischen Zeitungsfotos über den Irak; eine einfühlsame Studie über das Erwachsenwerden und den Weg, Step by Step – „Schritt für Schritt“ –, in eine harsche, zersplitterte Gesellschaft.
Die Film-Arbeiten in „Arab Shorts“ eröffnen ungewohnte und ungewöhnliche Bildwelten. Es gibt verständliche „Botschaften“ und „verrätselnde“ Maskierungen. Im Code der Kunst wird hier, so die Süddeutsche Zeitung, eine „arabische Welt (dargestellt), wie sie wirklich ist: menschlich und divers“. Während das Fernsehen bewegende Bilder von Freiheitskampf und erschütternder Gewalt in unseren Alltag transportiert, ist dies viel und wenig zugleich. Denn eines ist im Kulturaustausch mit der arabischen Welt ganz sicher: Wir wissen zu wenig voneinander.
Künstlerischer Leiter der „Arab Shorts“ ist der Kurator und Filmemacher Marcel Schwierin. Er ist Mitbegründer der Werkleitz Biennale und der Internetdatenbank für Experimentalfilm & Videokunst cinovid.org.
Tipp: In der Reihe „Vor dem Sturm“ zeigt das Arsenal in Berlin vom 17.-22.Juni unabhängiges Kino aus den arabischen Ländern, ungewohnte und ungewöhnliche Einblicke in die Zeit vor dem „arabischen Frühling“. sind die Highlights des Projekts zu sehen.









