Kultur und Entwicklung: Kulturelle Infrastruktur

Labor der Wissensvermittlung: Das Science Film Festival in Südostasien

Wissenschaftsfilmfestival | © Abhichon Rattanabhayon/Goethe-Institut Thailand
Wissenschaftsfilmfestival | © Abhichon Rattanabhayon/Goethe-Institut ThailandWie funktioniert eine Glühbirne? Warum sticht eine Mücke? Wie entstehen Blitze? Das vom Goethe-Institut-Thailand initiierte Wissenschaftsfilmfestival zeigt Filme aus Europa und Asien, die technische und naturwissenschaftliche Zusammenhänge einem breiten, insbesondere jungen Publikum verständlich machen. 2011 fand das Festival in Thailand, Kambodscha, Indonesien, den Philippinen, Malaysia und Vietnam statt. Wie sich Experimente unterhaltsam und zugleich informativ bei der Wissensvermittlung einbauen lassen, dazu tauschten sich Experten aus Südostasien und Deutschland im August 2011 im Vorfeld des Festivals aus.

Die Idee ist genauso genial, wie einfach: Fernsehsender aus aller Welt werden aufgerufen, ihre kind- und jugendgerechten Wissenschaftsfilme einzureichen. Es kommen circa 60 von knapp 150 eingesendeten Filmen in die engere Auswahl. Diese werden dann in den teilnehmenden Ländern an die jeweilige Landesjury weitergegeben, welche die Endauswahl für ihr Land bestimmt. So gibt es in den sechs verschiedenen Ländern ein Science Film Festival mit sechs verschiedenen Ausgaben.

„Die Selbstbestimmung der jeweiligen Länder war uns sehr wichtig. Jedes Land hat seine eigene Kultur und Geschichte“, erklärt Andreas Klempin, regionaler Projektkoordinator. Die Organisatoren vor Ort sind Wissenschaftler und Medienmacher, die mit Herzblut und viel Engagement bei der Sache sind. Es gibt keinen Festivaldirektor, der vorgibt, was gezeigt werden soll. Alle Beteiligten können ihre Ideen einbringen.

Die ausgewählten Filme werden in die jeweilige Landessprache synchronisiert. Eine internationale Jury vergibt insgesamt sechs Preise: Den Preis für visuelle Effekte, den Bildungspreis, den Ökofilmpreis, den Entdeckungspreis, den Bayer Wissenschaftsfilmpreis und den Sonderpreis der Jury.

Aktives Lernen durch Experimente

Wissenschaftsfilmfestival (© Abhichon Rattanabhayon/Goethe-Institut Thailand)Damit die Kinder und Jugendlichen die teils komplexen Inhalte verstehen und behalten, werden nach jedem Film Experimente vorgeführt oder Lernspiele gespielt, die ein Thema des gerade gezeigten Films aufgreifen und veranschaulichen.

Dazu fand im August 2011 ein Workshop statt, bei dem pro Land zwei Vertreter teilnahmen. An ihrer Seite hatten sie einen deutschen Experten, den Wissenschaftsjournalisten Joachim Hecker, bekannt durch seine Bücher und Shows, die auf spielerische und kreative Weise Wissenschaft im Alltag für Kinder erfahrbar machen.

„Ich bin beeindruckt von der spielerischen Herangehensweise der Asiaten. Ich sehe, man kann Dinge auch viel weniger aufwendig und kostengünstiger gestalten, als das in Deutschland der Fall ist“, antwortet Hecker auf die Frage, welche Unterschiede er sehe. Weiter meint er, Deutschland hätte zwar 40 Jahre Vorsprung was „Edutainment" angehe, müsse aber aufpassen – Asien sei am Aufholen.

Die Evolutionsfrage

Wissenschaftsfilmfestival (© Abhichon Rattanabhayon/Goethe-Institut Thailand) Kulturelle, genauer gesagt religiöse Unterschiede kamen bei dem Workshop ebenfalls zutage. Als ein Film zum Thema Evolution gezeigt wurde, stellte ein Vertreter aus Indonesien diese Theorie in Frage. In Ländern wie Indonesien ist es verboten Thesen, die Gott als Schöpfer der Menschen anzweifeln, öffentlich zu verbreiten. Auch das ist eine Herausforderung des Festivals. „Wir müssen lernen mit den kulturellen Unterschieden umzugehen, auch wenn dies wohl oder übel in Konflikt mit der Wissenschaft gerät“, konstatiert Andreas Klempin, der den Workshop moderierte.

Das dreitägige Treffen war eine gute Gelegenheit als Team zusammenzuwachsen, sich auszutauschen, und trotz verschiedener Sprachen und Kulturen von- und übereinander zu lernen.

„Die Sprachbarriere ist eigentlich kein großes Problem. Wissenschaft ist allgegenwärtig, jeder erfährt sie im Alltag. Aber ich habe gelernt, dass in manchen Ländern Wissenschaft nicht absolut ist, da es Dinge wie Religion oder gesellschaftliche Zwänge gibt“, meint Ruby Christobal, Beraterin des Wissenschaftsministeriums der Philippinen.

Auf die Gesellschaft einwirken

Wissenschaftsfilmfestival  (© Abhichon Rattanabhayon/Goethe-Institut Thailand)Die große Leistung des Festivals ist seine tiefgreifende Wirkung. Es erreicht eine große Anzahl an Schülern – die Gesellschaft von morgen. Durch die Partnerschaft mit lokalen Bildungsministerien erreicht das Festival eine ernstzunehmende kulturpolitische Ebene. „Die Schüler werden dazu angeregt, Dinge zu hinterfragen. Diese kritische Neugierde kann sich von der Wissenschaft auch auf Gesellschaft und Politik übertragen. So kann das Science Film Festival auf lange Sicht wichtige Denkanstöße in der Gesellschaft geben“ hofft Andreas Klempin. „Ein großes Ziel der Zukunft ist es unter anderem durch ein überzeugendes Festival einen Zustand in der Medienlandschaft Südostasiens anzuregen, in dem es idealweise zahlreiche qualitative Wissenssendungen im öffentlich-rechtlichen und staatlichen Fernsehen gibt“, erklärt er.

Ein weiterer vielversprechender Schritt in diese Richtung ist ein länderübergreifendes Projekt der Goethe-Institute in Südostasien im Rahmen seiner Initiative „Kultur und Entwicklung“: das erste TV-Wissensmagazin für Kinder in Asien „Igot it!“, das in neun ASEAN-Ländern mit dem Goethe-Institut Institut koproduziert wurde.

Tamina Duscha, 2011
Links zum Thema

Reportagen Bilder Gespräche: Kultur und Entwicklung

Magazin des Goethe-Instituts (Foto: Goethe-Institut)
Das Goethe-Magazin 02/2012 bietet spannende Einblicke in das Programm der Initiative „Kultur und Entwicklung“.

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