Retrospektiven

IM WESTEN NICHTS NEUES



Schon kurz nachdem sich der enorme weltweite Erfolg von Erich Maria Remarques Roman abzeichnete, wurden die Verfilmungsrechte nach Amerika verkauft und bei Universal Film eine aufwändige Produktion vorbereitet, die vor allem die Realität in den Schützengräben möglichst effektiv zu inszenieren versucht. Anders als in ähnlich gearteten melodramatischen amerikanischen Antikriegsfilmen der 1920er Jahren (THE BIG PARADE, 1925 / WHAT PRICE GLORY, 1926 / WINGS, 1927 / SEVENTH HEAVEN, 1927) erzählt der Film aus der Perspektive des ehemaligen Kriegsgegners mit deutschen Identifikationsfiguren und war deswegen keineswegs unumstritten. Die Geschichte von drei deutschen Jungen, die von ihren Lehrern und Eltern befördert kriegsbegeistert an die Front ziehen, wird – anders als im Roman – in chronologischer Reihenfolge erzählt. ALL QUIET ON THE WESTERN FRONT war einer der ersten in deutscher Sprache synchronisierten ausländischen Tonfilme, die in Deutschland zu sehen waren, und war trotz Störversuchen der Nationalsozialisten einer der erfolgreichsten Filme der Saison 1931/32. Allerdings war er in dieser Zeit schon nur noch in einer gekürzten Fassung zu sehen, wie in den meisten anderen Ländern auch, wenn er nicht ganz verboten war.

„Erich Maria Remarque sah den Film erstmals im August 1930. Der Repräsentant der Universal in London, James V. Bryson, flog mit einer Kopie nach Deutschland und arrangierte für den Autor und seine Frau eine Privatvorstellung. Nach London zurückgekehrt, berichtete Bryson Reportern am nächsten Tag, dass Remarque während der Vorführung kein Wort gesagt habe, aber ‚mit Tränen in den Augen das Theater verließ’. Laut Bryson habe Remarque ihm zuvor gesagt: ‚Er ist wirklich wundervoll. Mehr kann ich nicht sagen.’“
(John W. Chambers II: All Quiet on the Western Front / Im Westen nichts Neues; in: Thomas F. Schneider (Hg): Das Auge ist ein starker Verführer – Erich Maria Remarque und der Film; Universitätsverlag Rasch, Osnabrück 1998)

Autor: Stefan Drößler
Direktor des Filmmuseums München
www.muenchner-stadtmuseum.de

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Filmdaten

Erstaufführung:
21. April 1930

Regie: Lewis Milestone
Drehbuch: George Abbott, nach dem Roman von Erich Maria Remarque (1928)
Kamera: Arthur Edeson

Darsteller:
Louis Wolheim (Kat), Lew Ayres (Paul), John Wray (Himmelstoß), Arnold Lucy (Kantorek), Ben Alexander (Kemmerich), Scott Kolk (Leer), Walter Rogers (Behn)

Produktion: Universal Pictures
Format: 35mm, Normalformat 1:1,19, Schwarzweiß
Länge: 133 Minuten

DVD: Universal Pictures Deutschland (Synchronisation deutsch, französisch / Untertitel deutsch, französisch, tschechisch, niederländisch, ungarisch, polnisch)

Blu-ray: Universal Pictures Deutschland (Synchronisation deutsch, französisch, spanisch, italienisch, japanisch / Untertitel deutsch, französisch, italienisch, spanisch, japanisch, koreanisch, kantonesisch, mandarin, dänisch, niederländisch, finnisch, isländisch, norwegisch, schwedisch, ungarisch, portugiesisch)