Joseph Roth

Radetzkymarsch 1

Seit Jahren war er Reichsratsabgeordneter, regelmäßig wiedergewählt von seinem Bezirk, alle Gegenkandidaten schlagend mit Geld, Gewalt und Überrumpelung, Günstling der Regierung und Verächter der parlamentarischen Körperschaft, der er angehörte. Er hatte nie eine Rede gehalten und nie einen Zwischenruf getan.
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Radetzkymarsch 2

...: niemand vernahm den rapiden Galopp der Ordonnanz, die jetzt auf den Vorplatz heransprengte, mit plötzlichem Ruck anhielt und in ihrer dienstlichen Adjustierung, mit blinkendem Helm, umgeschnalltem Karabiner am Rücken und Patronentaschen am Gurt, umflackert von weißen Blitzen und von violetten Wolken umdüstert, einem theatralischen Kriegsboten nicht unähnlich war. Der Dragoner stieg ab und erkundigte sich nach dem Obersten Festetics.
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Radetzkymarsch 3

Am dritten Tag kam der Befehl zum Rückzug, und das Bataillon formierte sich zum Abmarsch. Die Offiziere wie die Mannschaften waren enttäuscht. Es verbreitete sich das Gerücht, daß zwei Meilen östlich ein ganzes Dragonerregiment aufgerieben worden sei. Kosaken sollten bereits im eigenen Lande eingebrochen sein. Man marschierte schweigsam und mißmutig nach Westen.
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Joseph Roth


Joseph Roth (*2. September 1894 in Brody, Ostgalizien †27. Mai 1939 in Paris) meldete sich 1916, nachdem er anfänglich pazifistisch eingestellt und für kriegsuntauglich erklärt worden war, freiwillig zum Feldjägerbataillon und diente von 1917 bis 1918 in der Presseabteilung in Galizien. Der Krieg und der Zusammenbruch der Doppelmonarchie, sein „stärkstes Erlebnis“, wie er später schrieb, inspirierten ihn zu seinem Hauptwerk, dem Radetzkymarsch (1932).