Virginia Woolf

DIE JAHRE

„Die Deutschen“, sagte Eleanor, als die Tür sich schloß. [...] Sie hörten das Rauschen von Reifen auf der Straße. Alles schien sehr schnell vorbeizuhasten. Füße klapperten über den Gehsteig. Eleanor stand auf und zog die Vorhänge leicht beiseite. Das Souterrain lag unterhalb des Gehsteigs, so daß sie nur die Beine und Röcke der Menschen sah, wenn sie am Gitter vorbeikamen. Zwei Männer gingen sehr schnell vorbei; dann kam eine alte Frau, deren Rock von Seite zu Seite schwang, vorbei.
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Mrs. Dalloway

Sie runzelte die Stirn; sie stampfte mit dem Fuß auf. Sie mußte zu Septimus zurückgehen, da es an der Zeit war, daß sie zu Sir William Bradshaw gingen. Sie mußte zurückgehen und es ihm sagen, zu ihm zurückgehen, der da auf seinem grünen Stuhl unter dem Baum saß, mit sich selbst oder mit dem toten Mann Evans sprach, den sie nur ein einziges Mal für einen Augenblick im Laden gesehen hatte. Er hatte ausgesehen wie ein netter, ruhiger Mann; ein guter Freund von Septimus, und er war im Krieg gefallen. Aber so etwas geschieht jedem. Jeder hat Freunde, die im Krieg fielen.
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Drei Guineen

Die Literatur der Fakten und die Literatur der Meinungen, um eine grobe Unterscheidung vorzunehmen, bestehen also nicht aus reinen Fakten oder reinen Meinungen, sondern aus verfälschten Fakten und verfälschten Meinungen, das heißt, Fakten und Meinungen, die „in den Dienst eines niedrigen Zwecks“ gestellt und dadurch minderwertig gemacht wurden, wie das Wörterbuch es ausdrückt.
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Virginia Woolf

© George Charles Beresford [Public domain], via Wikimedia Commons

Obwohl Virginia Woolf (* 25. Januar 1882 in London † 28. März 1941 bei Lewes, East Sussex) in ihrem Londoner Alltag als Schriftstellerin und Verlegerin vom Krieg relativ ungestört blieb, thematisierten viele ihrer späteren Romane seine weitreichenden und oft traumatischen Auswirkungen. Darüber hinaus legte sie 1938 mit ihrem berühmten Antikriegsessay Drei Guineen eine prägnante, geschlechterpolitische Analyse von Kriegsursachen und Kriegspropaganda vor.