Programm

Rückeroberung des Öffentlichen. Kultur im Spannungsfeld von öffentlichem und digitalem Raum.

22.+23.04.2013, Akademie der Künste, Berlin

Ausgangspunkt für unsere Überlegungen sind die verschiedenartigen Jugend- und Bürgerrevolten der vergangenen beiden Jahre. Von Kairo, London, Madrid, Moskau und New York bis über Tel Aviv und Tunis waren es vorwiegend junge, gut ausgebildete Menschen, die auf die Straße gingen.

Die zu beobachtende Rückeroberung des öffentlichen Raums bei diesen vielfach auch als "Social-Media-Revolutionen" betitelten Protesten wirft die Frage auf, welchem veränderten Rollen- und Funktionsverständnis der öffentliche Raum unterworfen ist und wie physisch oder digital er jeweils definiert wird.

Zeigen das Erstarken des medialen und die Entstehung des digitalen Raums nicht, dass der öffentliche Raum von Anfang an eine Metapher war, die eigentlich ein abstraktes Beziehungsgeflecht zwischen Kommunizierenden bezeichnet? Und unter welchen Bedingungen erhält welcher Aspekt von Kommunikation besonders viel Aufmerksamkeit?

22. April

Feierliche Eröffnung der Konferenz

19.00 Uhr


Es sprechen:

Klaus Staeck
Präsident der Akademie der Künste

Klaus-Dieter Lehmann
Präsident des Goethe-Instituts

Monika Grütters, MdB
Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Medien im Deutschen Bundestag

Den Eröffnungsvortrag "Full Circle" hält Bahia Shehab
Kunsthistorikerin, Designerin und Künstlerin, Kairo

Foyer 18.00 und 22.00 Uhr
Der amerikanische Video-Künstler Blake Shaw präsentiert seine Arbeit "Videopainting" mit der er durch die Collage sich überlagernder Porträts neue virtuelle Begegnungsorte erschafft.



23. April

Panel (a): Vernetzung und Hoffnung

10.00–11.00 Uhr

Die Nutzung von neuen Medientechnologien für den herrschaftsfreien Diskurs in Netzdialogen birgt große Hoffnungen auf politische und kulturelle Partizipation. Dies gilt insbesondere für jene, die auf Grund von ökonomischen, politischen und kulturellen Gegebenheiten bislang kaum Chancen hatten, in öffentlichen Foren zu agieren oder wahrgenommen zu werden.

Warum begeben sich media savvies bei der Besetzung zentraler öffentlicher Plätze in Gefahr, wenn die Zukunft sozialer Bewegungen doch in digitalen Sphären zu liegen scheint? Wie greifen raumzeitliches Handeln und elektronische Kommunikation in den jüngsten Protestbewegungen ineinander? Welche Formen künstlerischen Handelns haben sich dabei ergeben? Schaffen sich Protestbewegungen ihre eigenen Kulturen?

Bahia Shehab
Künstlerin, Designerin, Kunsthistorikerin und außerordentliche Professorin an der American University of Cairo

Wolfgang Kraushaar
Politikwissenschaftler am Hamburger Institut für Sozialforschung

Florian Kessler
Freier Journalist und Autor, Berlin

Lena Prents
Kunsthistorikerin und Kuratorin, Berlin und Vilnius

Moderation: Johannes Odenthal
Programmbeauftragter der Akademie der Künste


Panel (b): Kommunikationsstrukturen und Macht

11.30–12.30 Uhr

Kommunikationsverhältnisse prägen Gesellschaften stärker als Besitz- oder Raumverhältnisse. Ihre Kontrolle und Regulierung ist Machtausübung und -sicherung.

Wie gehen autoritäre Regime, aber auch demokratische Gesellschaften mit den Potentialen und Risiken digital-basierter Medien um? Wie gehen Machthaber mit den beiden Arten von "Raum" um? Welche Gegenreaktionen provoziert das? Welche künstlerischen Reaktionen ruft dieses hervor und welche kulturellen Folgen hat es?

Sherief Gaber
Aktivist, Mitglied des ägyptischen Non-Profit-Medienkollektivs Mosireen, Kairo

Francisco Polo
Direktor der Petitionsplattform change.org in Spanien, Madrid

Christoph Bieber
Politikwissenschaftler und Blogger, Professor für Ethik in Politikmanagement und Gesellschaft an der Universität Duisburg-Essen

Dieter Mersch
Medien- und Sprachphilosoph, Professor für Medientheorie und Medienwissenschaften an der Universität Potsdam

Moderation: Stephan Wackwitz
Leiter des Goethe-Instituts Georgien


Panel (c): Metaphorik des Raums

14.00–15.00 Uhr

Der "öffentliche Raum" ist nicht nur eine physisch lokalisierbare Größe. Ebenso wie das Internet dient er auch als Metapher für Beziehungsgeflechte – für Ausschluss und Zugehörigkeiten. Führen verschiedenartige kulturelle Gegebenheiten und Konzepte vom öffentlichen Raum zu je spezifischen Vorstellungen und Umgangsweisen mit öffentlichen Räumen, mit der neuen digitalen Lebenswelt?

Und wie beteiligen sich Künstler an diesen Räumen? Welche Bedeutung haben beide Arten von Raum für sie?

Wolfgang Sützl
Medientheoretiker, Philosoph und Übersetzer, Wissenschaftler und Dozent an der Universität Innsbruck

Rudolf Maresch
Autor, Publizist und Kritiker

Rabih Mroué
Schauspieler, Dramatiker und bildender Künstler, Beirut und Berlin

Mike van Graan
Dramatiker und Kulturaktivist, Kapstadt

Moderation: Berthold Franke
Leiter des Goethe-Instituts Belgien


Panel (d): Auftrag und kulturelle Praxis

15.30–16.30 Uhr

Das Phänomen bleibt nicht ohne Auswirkungen auf das politische Selbstverständnis von international arbeitenden Kulturinstitutionen. Wie können solche Prozesse in der kulturellen Praxis idealerweise begleitet werden? Welche Rolle spielen die Kulturinstitutionen und wie können sie auf ein sich veränderndes Konzept von "öffentlichem Raum" adäquat reagieren? Wie können und sollen wir uns an diesen Räumen beteiligen?

Johannes Ebert
Generalsekretär des Goethe-Instituts

Bernd M. Scherer
Intendant des Hauses der Kulturen der Welt

Sigrid Gareis
Generalsekretärin der Akademie der Künste der Welt

Moderation: Thilo Kößler
Deutschlandfunk, Leiter der Abteilung "Hintergrund"




Rabih Mroué: Pixelated RevolutionPixelated Revolution - Eine nicht-akademische Lesung mit Rabih Mroué

17.00–18.00 Uhr
Black Box, Akademie der Künste
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Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch.

    Fikrun wa fann: Medien

    Fikrun wa fann, die Kultur-Zeitschrift des Goethe-Instituts. Texte der Ausgabe zum Thema Geschlechterrollen.

    Humboldt: Protest 2.0 „Time for Revollusion“

    Kulturzeitschrift für den Dialog mit Lateinamerika und der Iberischen Halbinsel – auch als E-Paper.

    100 Stimmen

    Hundert Video-Interviews über den Wandel in der arabischen Welt

    Going Public – Über die Schwierigkeit einer öffentlichen Aussage

    Kunst im öffentlichen Raum in Litauen, Belarus, Kaliningrad und Deutschland

    Dossier: Zivilgesellschaft

    Aktion des Projekts “Zwanzig-Forint-Operette”/ A „Húszforintos opera“ projekt akciója. Copyright: Fekete Hajnal
    Was ist charakteristisch für die traditionsreiche deutsche und die erstarkende ungarische Zivilgesellschaft? Ein Überblick.