Dossier: Energie für die Zukunft – Alternative Energien

Mobilität und Energieeffizienz – der Traum von grenzenloser Freiheit

Ein Volkswagen Phaeton dient derzeit als Versuchsträger für die Systeme der Verkehrsleistungsassistenz. Copyright: VW Media Services Viele Pendler nutzen die Mitnahmemöglichkeit des Fahrrads in Zügen der DB.; Copyright: DB AG Das beliebteste Fortbewegungsmittel ist das Auto. Aber es verbraucht viel Energie und schadet der Umwelt. Wie kann also der Traum von Mobilität gelebt werden, ohne zum Albtraum zu werden?

Wohlstandswünsche wie Eigenheim im Grünen und Erdbeeren im Winter setzen der Umwelt stark zu. Viele Menschen ziehen aus der Stadt aufs Land, wo es sich beschaulicher leben lässt. Da brauchen sie ein Auto für den Weg zur Arbeit, in die Stadt, in den Supermarkt, wo sie gerne neuseeländische Kiwis und Kaffee aus Guatemala kaufen. Sie fahren am Wochenende in Erlebnisparks und fliegen im Urlaub zum Klettern nach Patagonien. Über 90 Prozent all dieser Verkehrsleistungen verdanken ihre Existenz dem Erdöl – dessen Förderung und Verbrauch die Umwelt bekanntlich stark belasten. Die Suche nach ökologischen Energiequellen und deren effizienter Nutzung hat schon lang begonnen.

Mobilitätsmanagement und Telematik – für ein tragfähiges Verkehrsnetz

Fahrräder am Bahnhof Freiburg; Copyright: DB AG Mobilitätsmanagement und Telematik – das sind die seit gut 20 Jahren beschworenen Zauberformeln, wenn es um Energieeffizienz geht. Dienstleistungen und Maßnahmen, bei denen die reibungslose, sozial- und umweltverträgliche Mobilität von Personen und Gütern im Vordergrund steht, werden unter Mobilitätsmanagement zusammengefasst. Management ist dabei das Schlüsselwort – denn die Maßnahmen beruhen auf dem optimalen Zusammenspiel von Information, Kommunikation und Koordination. Dazu gibt es zahlreiche Projekte, von denen viele staatliche Fördermittel erhalten. Wie die Website vom Auto Club Europa (ACE) Clever-Pendeln.de, ein Informationsportal für betriebliches Mobilitätsmanagement. Der Auto Club rechnet vor, dass 60 Prozent aller Menschen mit dem Auto zur Arbeit fahren und, dass nur jeder 15. Wagen mit zwei Menschen besetzt ist. Clever-Pendeln präsentiert Alternativen und gute Beispiele. Eines davon ist die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit, GTZ, die ihren Mitarbeitern das Fahrrad schmackhaft macht, indem sie ihnen Duschen, gute Fahrradständer und einen Biker-Lunch anbietet. Sie führte das Jobticket ein, sodass jetzt viele mit Bussen und Bahnen zur Arbeit kommen. Der regionale Berufsverkehr wird entlastet, und der Welt bleiben dank dieser Initiative jährlich über 600 Tonnen CO2 erspart.

Auf Clever-Pendeln.de finden sich viele Unternehmen, die auf den ÖPNV, den Öffentlichen-Personen-Nahverkehr, setzen und Firmenausweise zu Fahrkarten machen. Betriebliches Mobilitätsmanagement ist aber mehr als der Weg zur Arbeit – auch die Logistik eines Versandunternehmens kann ökologisch werden. So nutzt der Otto-Versand wenn möglich die Bahn statt Lkw, verlagert Flugfracht auf Schiffe, lässt Dienstwagen mit Erdgasantrieb fahren und verbessert seine Logistik, um Transportwege zu vermeiden. Diese Maßnahmen entsprechen dem langfristigen Ziel des Mobilitätsmanagements: die Veränderung der Verkehrsmittelwahl, weg vom Auto, hin zu Füßen, Fahrrad, Car-Sharing und öffentlichen Verkehr. Und die Telematik könnte helfen, diese attraktiver zu machen und sie besser aufeinander abzustimmen.

Moderne Informationstechnologie – vom Labor auf die Straße

Ein Volkswagen Phaeton dient derzeit als Versuchsträger für die Systeme der Verkehrsleistungsassistenz. Copyright: VW Media Services Seit 1978 bezeichnet Telematik das Zusammenspiel zwischen Telekommunikation und Informatik. Mit Hilfe von Internet, Telefon und Handys werden Informationen aus unterschiedlichen Dateien und Systemen verknüpft und vermittelt. Für den Verkehr bedeutet das, dass Fahrzeuge und Insassen mit Daten versorgt werden. Sie können Informationen empfangen wie auch senden, womit Straßen-, Schienen-, See- und Luftverkehr koordiniert werden. Neueste Informationen über Staus und Verkehrsbehinderungen sind jederzeit verfügbar, ebenso wie Ausweichrouten und Anschlussmöglichkeiten zu anderen Verkehrsmitteln. Soweit die Theorie. In der Realität bleibt das vorerst ein wagemutiger Traum. Denn noch fehlen für dieses telematische Zusammenspiel ausreichende und verwertbare Daten.

Daran arbeiten Projekte, wie das gemeinsame Forschungsprojekt Invent von BMW, Audi, DaimlerChrysler, Opel, Ford, VW, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Bosch, Ericsson, IBM, Siemens und dem TÜV. Sie entwickeln Navigationsgeräte, die ihre Routen nicht nur auf der Basis von aktuellen Verkehrsinformationen berechnen, sondern auch Großveranstaltungen, Umweltdaten wie Nebel, Glatteis aber auch Baustellen und Ampelausfälle einbeziehen. Im Test sind auch Geräte, die in Autos als fahrende Sensoren Straßenzustand und Verkehrsdichte messen und an die Zentrale senden. Diese kann damit Fahrer schneller und sicherer ins Ziel lotsen – was Nerven, Sprit und CO2-Emissionen spart.

Praxiserprobte Verkehrstelematik regelt bereits heute vielerorts Busse und Bahnen. So haben Busspuren oft eigene Signalanlagen oder werden an Ampeln durch eine Vorrangschaltung bevorzugt. Buchen und reservieren kann man sie immer häufiger übers Internet oder sogar über Handy, was den ÖPNV unkompliziert und attraktiv sowie den Verkehr fließender und somit umweltschonend macht.

Für die Zukunft: eine Metaplattform, ein fliegendes Schiff und der postfossile Mobilitätsdiskurs

Flyship; Copyright: Flyship
Flyship
Es gibt viele unterschiedliche Daten, Verarbeitungssysteme und -orte. Das ist wenig effizient, meint das Bundesverkehrsministerium und fördert eine Metaplattform Verkehrsinformation mit rund vier Millionen Euro. Die verschiedenen Quellen sollen systematisch gebündelt und den privatwirtschaftlichen Service-Providern zur Verfügung gestellt werden. Das Geld scheint dem Ministerium gut angelegt, da eigene Studien zum Schluss kommen, dass bei einer besseren Koordinierung der Verkehrsmittel bis zu zehn Prozent mehr Menschen den ÖPNV und sieben Prozent mehr die Bahn nutzen werden. Die Auslastung im Straßengüterverkehr könnte sich um vier, die im Schienengüterverkehr um drei bis vier Prozent verbessern. Auch die Kapazität der Straßen ließe sich um circa zehn Prozent steigern, die der Schiene um bis zu 20, der Luftfahrt um bis zu 30 Prozent.

Es gibt viele faszinierende Ideen und Visionen. So wird in Hamburg ein flugzeugähnliches Schiff gebaut, das mit geringem Energieaufwand übers Wasser gleitet. Vielleicht werden damit Flüsse zu Straßen – ohne Beton und Asphalt. Auch sprachlich steht Neues bevor. So etabliert sich gerade der Begriff „postfossile Mobilität“ – er beruht auf dem Nachdenken über das Versiegen der Erdölquelle und die damit verbundene Herausforderung, mobil zu bleiben. Ob das der richtige Weg ist? Es wäre traumhaft.

Christine Sommer-Guist
ist Journalistin und Autorin mit den Schwerpunkten Umwelt und Soziales.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
April 2007

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