Deutsche Kohle – eine Branche sieht schwarz, die Umwelt rot und die Lobby rosarot
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Bergwerk |
Die Geschichte der deutschen Wirtschaft ist schwarz
Bereits im Mittelalter gruben die Menschen nach Kohle, um Häuser zu heizen und Metall zu schmelzen. Bei Braunkohle war das leicht, da sie in höheren Erdschichten liegt und übertage abgetragen werden kann. Steinkohle liegt tief unter der Erde und wird untertage abgebaut. Diese Mühe machten sich die Menschen vor allem im 19. Jahrhundert, der Ära der Dampflokomotiven und -schiffe. Kohle war ihr Treibstoff und Kohlekoks die Basis der Stahlproduktion. Innerhalb von 200 Jahren änderten sie das Gesicht Europas, verhalfen der industriellen Produktion zum Durchbruch und verdrängten Handwerk und Landwirtschaft als volkswirtschaftliches Fundament.Bis in die 1950er-Jahre hinein war Kohle weltweit der wichtigste Energieträger, heute ist sie hinter Erdöl auf den zweiten Platz gerutscht. Für Deutschlands Stromerzeugung ist sie unverzichtbar, denn diese basierte 2005 laut den Berechnungen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB) zu fast der Hälfte auf Kohle. Dabei ist Deutschlands Energieversorgung zu 61 Prozent von Importen abhängig. Die höchste Importquote besteht mit 97 Prozent bei Mineralöl, und das in Deutschland verbrauchte Erdgas stammt zu vier Fünfteln aus dem Ausland. 61 Prozent der verheizten Steinkohle wird importiert und einzig allein Braunkohle stammt komplett aus der inländischen Produktion.
| 2006: | Braunkohle | Steinkohle |
| Fördermenge | 178 Mio. Tonnen (2005) | 22 Mio. Tonnen |
| Reviere & Zechen | 6 Reviere / 166.094 ha Land* | 8 Zechen |
| Mitarbeiter | 23.299** | Knapp 30.000 |
| Gesamteinnahmen | 6 Mrd. € pro Jahr** | 4,5 Mrd. € |
| Subventionen | 4,5 Mrd. € pro Jahr (indirekt)*** | 2,4 Mrd. € |
| Anteil Energieverbrauch | 11% **** | 13% **** |
| CO2-Belastung | 800 g pro Kilowattstunde Strom | 1000 g pro Kilowattstunde Strom |
| (Quelle: Deutsche Presse Agentur, dpa; * Quelle: DEBRIV 2004; Betriebsflächen im Braunkohlenbergbau; **Quelle: DEBRIV 2005, aktuellste verfügbare Zahl; *** Quelle: Studie des Wuppertaler Instituts für Klima, Umwelt, Energie im Auftrag des Umweltbundesamtes, 2004; **** Quelle: Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen) | ||
Das Aus für die deutsche Steinkohle
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Menschen im Bergbau |
Der deutsche Dauerbrenner Braunkohle
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Kokerei Prosper |
Braunkohle ist aber auch ein Dauerbrenner im Streit zwischen Staat und Umweltschutzverbänden. Das Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt und Energie schätzt die Ausgaben für die Gesundheits- und Umweltschäden, zusammen mit den Freistellungen und Steuerbegünstigungen, staatlichen Hilfen zur Modernisierung von Kraftwerken auf rund 4,5 Milliarden Euro pro Jahr – Kosten, die der Steuerzahler trägt. Die Folgen für die Natur kann niemand beziffern.
„Saubere Kohle gibt es nicht“
... stellt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fest und mahnt, dass für Kraftwerke und Abbaugebiete Tausende von Menschen umziehen müssen, die Natur unwiederbringlich geschädigt wird und dass selbst die modernsten Kraftwerke stündlich 1.800 Tonnen CO2 ausstoßen. Die jährlichen Emissionen der Kohlekraftwerke summieren sich in Deutschland auf fast 350 Millionen Tonnen CO2 und tragen erheblich zur Klimaerwärmung bei. Zwar produzieren moderne Kraftwerke aus einer Tonne Kohle wesentlich mehr Strom als früher, wodurch weniger CO2 entsteht, verhindern können sie das klimaschädliche Gas aber nicht. Das Kohlendioxid abfiltern und entsorgen wäre eine Lösung, die es bereits als Laborexperiment gibt. Setzte man es in die Praxis um, verdoppelten sich jedoch die Erzeugungskosten, berechnet Ralf Köpke, Energieexperte der Wochenzeitung Die Zeit: „Das wären acht statt vier Cent pro Kilowattstunde. Windturbinen, die den Praxistest schon bestanden haben, produzieren demnächst billigeren Strom als Steinkohlekraftwerke der übernächsten Generation.“Dennoch setzt die Bundesregierung auf die Entwicklung der Technik und plant neue Kohlekraftwerke. Und so sehen die Umweltschützer rot, die Steinkohlebranche schwarz und nur die Braunkohle-Industrie setzt frohgemut den frechen Slogan „Wir haben Sonnenenergie, die auch bei Regen funktioniert!" in die Welt und malt sie damit rosarot.
ist Journalistin und Autorin mit den Schwerpunkten Umwelt und Soziales.
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März 2007
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