Die Sonne über Deutschland – der nachhaltige Boom der Solarindustrie

Mit der Jahrtausendwende begannen sonnige Zeiten für die deutsche Solarindustrie. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) trat 2000 in Kraft, förderte die Solarstrom-Technologie und verbilligte die Anlagen so weit, dass die jährlichen Wachstumsraten der Branche seit 1999 zwischen 30 und 40 Prozent liegen. Die Zukunft scheint auch international hell und klar – Deutschland hat sich 2005 mit der Installation von Solarstromanlagen an die Spitze des globalen Solarmarktes gesetzt.
Aus Wissenschaft und Forschung wird Strom
Bereits vor vielen Tausend Jahren nutzten die Menschen im alten Ägypten oder auch in Mittel- und Südamerika die Sonne. Sie integrierten sie in ihre Architektur, ließen sie Räume ausleuchten und wärmen. Die Sonnenenergie war entdeckt. Die Erzeugung von Strom aus Sonnenlicht, die Fotovoltaik, ist eine Erfindung des 20. Jahrhunderts, die vor allem in den USA in der Raumfahrtforschung weiterentwickelt wurde. Heute zählt sie zu den Hochtechnologien, die deutsche Unternehmen sehr erfolgreich exportieren. Zusammen mit Japan gibt es hierzulande die erfolgreichsten Solarstrom-Anlagen-Hersteller.Wissenschaftler des Fraunhofer Instituts Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg forschen an organischen Solarzellen und entwickeln unterschiedlichste Prototypen und Demonstrationsanlagen zur Sonnenenergienutzung. Das Institut ist mit seinem Umsatz von 30 Millionen Euro und rund 400 Mitarbeitern das größte Solarforschungsinstitut Europas. Das ehrgeizige Ziel formuliert Joachim Luther, Leiter des ISE: „Bis 2050 können rund 30 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs durch Solarenergie gedeckt werden.“ Darin sieht Carsten Körnig, Geschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft, eine große Chance: „Deutschland wird zum Solar Valley und ist erfolgreich dabei, seine Technologieführerschaft in wachsende Markterfolge umzusetzen. Die Herzstücke einer Solaranlage kommen zunehmend aus deutscher Produktion.“
Aus Strom wird eine kapitale Quelle
Große Unternehmen wie die Schott Solar GmbH, die mit einem Umsatz von 215 Millionen Euro (2004) Deutschlands größter Hersteller von Solarzellen ist, oder die Shell Solar Deutschland GmbH, die 1999 eine der größten Solarfabriken der Welt in Betrieb nahm, sind sehr optimistisch und streben nach der Spitzenposition auf dem internationalen Solarstrommarkt. Und so sonnt sich eine ganze Branche im Erfolg. Nach eigenen Angaben verzeichnen sie ein enormes Wachstum, erwirtschafteten 2005 einen Umsatz von rund 3,7 Milliarden Euro, wollen diesen 2006 auf vier Milliarden steigern und beschäftigen rund 50.000 Menschen.Von dieser Entwicklung hören Umweltschützer gerne und unterstützen das nicht ganz selbstlose Engagement der mittlerweile 150 Firmen zur Herstellung von Solartechnik zur Wärme- und Stromproduktion. Sie fordern aber mehr. Um das Klima dauerhaft erfolgreich, eben nachhaltig, zu schützen, müssten laut ihren Berechnungen die gegenwärtigen CO2-Emissionen um 80 Prozent reduziert werden.
Aus sonnenklaren Zahlen und Fakten zur Photovoltaik
Seit dem Jahr 1999 hat sich die installierte Solarkollektorfläche mehr als verdoppelt. Dieser Boom ist auf das 100.000-Dächer-Solarstrom-Programm zurückzuführen, das 1999 bis 2004 den Bau von Anlagen mit zinsvergünstigten Krediten förderte. Dank der gesetzlichen Neuregelung vom 1. Januar 2004 zur Einspeisevergütung für Sonnenstrom wird auch für die Zukunft mit einem ähnlichen, zweistelligen Wachstum gerechnet. Immerhin waren im Jahr 2005 etwa 7,2 Millionen Quadratmeter Solarkollektoren installiert. Damit ist Deutschland mit Abstand der größte Markt für solarthermische Anlagen in Europa. Aufgrund dieser Marktentwicklung konnten auch die Kosten für die Solarkollektoranlagen in den vergangenen 12 Jahren halbiert werden.Bei all den Erfolgen ist aber nicht zu vergessen, dass die Fotovoltaik mit einer installierten Leistung von rund 500 Millionen Kilowatt einen geringen Beitrag von 0,1 Prozent zur deutschen Strombereitstellung beiträgt. Energieexperten sind sich aber einig, dass sie unter allen erneuerbaren Energien mit die größten Ausbaupotenziale besitzt. So plant Deutschlands Regierung und sein Umweltministerium bis 2050 den Fotovoltaik-Anteil am Stromverbrauch auf rund sechs Prozent zu erhöhen. Weltweit wird ein Anteil der Photovoltaik von rund 23 Prozent prognostiziert. Die momentan teure Förderung von Solarstrom ist für den Klimaschutz und damit für alle Menschen unter der Sonne sehr wichtig.
ist Journalistin und Buchautorin mit dem Schwerpunkt Umwelt & Soziales.
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Juli 2006
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