Filmpaket Klima.Kultur.Wandel

Informationen zum Filmpaket

Franny Armstrong: The Age of Stupid; Die Alpen ohne Schnee © Spanner FilmsDas Phänomen Klimawandel ist zunächst einmal eines: komplex. Räumlich, zeitlich und sozial überschreitet der Klimawandel die Schranken bestehender Institutionen, Strukturen und Denkhorizonte – ein Paradebeispiel der Entgrenzung. Wie konnte es dazu kommen? Und womit müssen wir zukünftig rechnen?

Der britische Film The Age of Stupid von Franny Armstrong wirft einen schonungslosen Blick auf die Entwicklung der Menschheit vor dem Hintergrund der globalen Katastrophe. Dramaturgisch geschickt verbindet er eine fiktionale Erzählebene mit dokumentarischen Elementen, indem er aus der Perspektive des Jahres 2050 heraus mit Hilfe von „Rückblenden“ den Weg der ökologischen Katastrophe nachzeichnet. Über allem steht die Frage: Warum haben wir den Untergang nicht verhindert, solange wir die Möglichkeit dazu hatten? Dabei gelingt es dem Film nicht nur, die objektiven Zusammenhänge des Klimawandels zu benennen, sondern auch die inneren Widersprüche und kulturellen Barrieren offenzulegen, die das Handeln so schwer machen.

The Age of Stupid: Trailers: Global Trailer w/German Subtitles from Age of Stupid on Vimeo.

Neben den Zahlen und Fakten muss die Suche nach den Ursachen des Klimawandels auch eine tiefere, sozialpsychologische Ebene in den Blick nehmen. Der deutsche Stummfilm Algol – Tragödie der Macht wirft ein Schlaglicht auf die Kultur der Ausbeutung, welche die Moderne mit all ihrer Fortschrittsgläubigkeit bis heute prägt. Der Film erzählt die Geschichte eines einfachen Grubenarbeiters, der von einem Bewohner des Planeten Algol das Geheimnis einer ewigen Energiequelle in die Hand bekommt. Beängstigend weitsichtig beschreibt der Film wie diese Technik nicht zum Nutzen aller, sondern zur Machtausübung Einzelner missbraucht wird. Damit legt er die vorherrschenden Motivations- und Denkmuster der Industrialisierung offen und benennt letztlich auch eine der Grundursachen des Klimawandels. Am Ende sind die wenigen Profiteure der Algol-Technik trotz ihrer ungeahnten Reichtümer nicht einmal in der Lage, individuelles Glück zu erlangen – die eigentliche Tragödie des Films.

Die sozialen Folgen

Die globale Temperaturerhöhung und der Anstieg des Meeresspiegels lassen sich wissenschaftlich prognostizieren. Doch was sind die sozialen Folgen des Klimawandels? Was geschieht mit den Menschen, die direkt oder indirekt – auch heute schon – betroffen sind?

Der österreichische Dokumentarfilm Über Wasser folgt den Spuren der wichtigsten Ressource für das menschliche (Über-)Leben. In drei intensiv beobachtenden Episoden zeigt er Menschen, die mit so unterschiedlichen Phänomenen wie Trockenheit, Überschwemmung und Trinkwasserverschmutzung konfrontiert sind. Neben den individuellen Schicksalen offenbart der Film vor allem eines: Die dramatischsten Folgen des Klimawandels zeigen sich in den Regionen, die am wenigsten zum Problem beigetragen haben. Insofern wirft er implizit auch die Frage nach globaler Gerechtigkeit auf.

Die britisch-französische Koproduktion Before the Flood: Tuvalu erzählt vom pazifischen Eiland Tuvalu, das aufgrund des Klimawandels in wenigen Jahrzehnten im Meer versinken wird. Einst drittärmstes Land der Welt, hat Tuvalu in den 90er Jahren seine Internetdomain „.tv“ verkauft und damit seinen etwa 10.000 Einwohnern eine enorme Wohlstandssteigerung beschert. Mit dem Geld zieht in Tuvalu nun der „American Way of Life“ mitsamt seiner Ressourcenverschwendung ein. In einem ironisierend-melancholischen Ton beschreibt der Film die Wirkmächtigkeit des modernen westlichen Lebensmodells. Und zeigt gleichzeitig wie schwierig es ist, auf kurzfristigen Konsum zugunsten langfristiger Lebensqualität zu verzichten. Selbst wenn die negativen Auswirkungen buchstäblich vor der eigenen Tür liegen.

Was tun?

Der Klimawandel ist eine Herausforderung globalen Ausmaßes, auf die wir sowohl als Individuen als auch als Gesellschaften Antworten finden müssen. Was aber ist zu tun? Wie können wir neben der Entwicklung neuer Technologien auch Werte, Bewusstsein und Lebensmodelle verändern? Mit anderen Worten: Wie können wir uns kulturell weiterentwickeln?

Der Dokumentarfilmer John Webster lässt uns in seinem Film Recipes for Disaster teilhaben am Selbstversuch eines CO2-armen Lebensstils. Über den Zeitraum eines Jahres versuchen er und seine Familie, den eigenen ökologischen „Fußabdruck“ auf ein global akzeptables Maß zu reduzieren. Auf welche Widrigkeiten und Widerstände er dabei im Alltag stößt, aber auch welche neuen Freiheiten er entdeckt, erzählt er auf humorvolle und authentische Weise. Der Film zeigt dabei nicht nur die offensichtliche Diskrepanz zwischen dem real existierenden und einem zukunftsfähigen Lebensstil, sondern auch den Gewinn an Lebensqualität, der in der Veränderung schlummert. Vom Haben zum Sein.

Eine Alternative zum Konsumismus der Moderne präsentiert auch Andi Stiglmayr in Menschen – Träume – Taten. In einer selbstverwalteten Öko-Siedlung im Osten Deutschlands versuchen Menschen ihre Utopie vom eigenverantwortlichen und umweltgerechten Leben in die Tat umzusetzen. Sie sind dabei neben organisatorischen und finanziellen insbesondere auch mit sozialen Schwierigkeiten konfrontiert. Denn die Balance zwischen individuellen Bedürfnissen und den Notwendigkeiten des Gruppenlebens muss oftmals hart erarbeitet werden. Trotzdem können sich die allermeisten Bewohner der Siedlung keine andere Lebensform mehr vorstellen. Sie schöpfen ein beneidenswertes Maß an Kraft aus der Verwirklichung ihres Traumes.

Mit sechs Lang- und sieben Kurzfilmen spannt die Filmreihe Klima.Kultur.Wandel einen Bogen von den Ursachen zu den Lösungsmöglichkeiten, vom Individuum zur Gesellschaft, vom Lokalen zum Globalen. Deutlich wird, dass die weltweiten Probleme ein „Weiter-so“ nicht zulassen. Doch die Filme zeigen auch: Der Wandel bietet ungeahnte Chancen und Räume. Wenn viele individuelle Handlungen durch ihre Überzeugungskraft kulturelle Relevanz bekommen. Und wenn ein Werte- und Bewusstseinsrahmen entsteht, der nachhaltiges Handeln normativ unterstützt.

Klima.Kultur.Wandel

13 Filme (6 Langfilme und 7 Kurzfilme).

Produktionsländer: Deutschland, Finnland, Österreich, Luxemburg, Großbritannien, Frankreich, DDR

Genres: Dokumentarfilm, Spielfilm, Kurzfilm, Animationsfilm

Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Chinesisch, Portugiesisch, Arabisch, Russisch, Ukrainisch, Indonesisch.

Das Filmpaket wird im Rahmen der Kulturarbeit der Goethe-Institute weltweit eingesetzt. Die Filme liegen auf DVD in den Filmarchiven der Goethe-Institute vor und können dort ausgeliehen und bestellt werden.

Ergänzend zur Filmreihe wurde eine Empfehlungsliste zum Themenbereich „Klimawandel“ zusammengestellt, die weitere sehenswerte Filmproduktionen enthält. In dieser Empfehlungsliste sind über 40 Filme aus allen Teilen der Welt (u. a. Brasilien, Mexiko, USA, Indien, Russland) zu finden.

Michael Greif
leitet das Büro von ECOMOVE International in Hamburg und ist dort unter anderem zuständig für Medien- und Kommunikationsprojekte (mit Auslandsschwerpunkt), die Kuratierung von Filmreihen sowie Medienberatung im Nachhaltigkeitsbereich.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
Dezember 2009

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