Klima und Kultur – Künste

Vorhang auf für den Klimawandel!

„Nimskys Taube“; © Frankfurter Autoren TheaterKlima als Inszenierung; Foto: Ilkka Halso; © Hebbel am UferDer Klimawandel ist auf deutschen Bühnen angekommen. In Inszenierungen, Lesungen und Performances aller Art wird das Thema in seinen verschiedenen Facetten betrachtet und interpretiert. Doch „richtiges Klimatheater“ gibt es vor allem für Kinder.

Szenarien des Klimawandels waren Mitte Mai unter dem Titel Woher der Wind weht in Berlin zu sehen. Das Bundesumweltministerium veranstaltete gemeinsam mit dem Theater Hebbel am Ufer interdisziplinäre Thementage, die sich dem Klimawandel aus künstlerischer und kulturwissenschaftlicher Perspektive näherten.

Die Kuratorinnen des Projektes Woher der Wind weht, Dr. Carola Dürr und Dr. Karin Harrasser gingen bei der Programmauswahl von einer einfachen Feststellung aus: „Der Klimawandel findet statt. Soweit sind sich alle einig. Aber was heißt das? Wie wirken menschengemachte Ursachen und ökologische Zyklen zusammen?“ Der Bogen in Berlin wurde gespannt von Einsatz moderner Medientechnologien durch den New Yorker Regisseur Caden Manson über speziell für die Thementage von der Kunstgruppe „monochrom“ aus Wien entwickelten Klimakabinen inklusive Sandsturm bis hin zum Klimaretter-Beichtstuhl.

Endzeit in Frankfurt und Brad Pitt in Berlin

„Nimskys Taube“; © Frankfurter Autoren TheaterEine Endzeit-Farce wurde im Sommer dieses Jahres in Frankfurt am Main aufgeführt. Das Stück Nimskys Taube von Peter Kapp zeigt in einer Inszenierung von Sascha Weipert im Frankfurter Autoren Theater, wie es an der Oststeeküste nach der Klimakatastrophe zugehen könnte: Ein Wissenschaftler sitzt gefangen in einem Hochhaus, umgeben von Wasser und vom Festland abgeschnitten. Eine von Professor Nimsky entwickelte künstliche Taube soll Rettung bringen.

Im Berliner Maxim Gorki Theater spielte Brad Pitt eine Rolle. Allerdings als fiktive Gestalt, die einen großen Plan verfolgt: Pitt will einen Film über den Klimawandel drehen. Doch Hollywood-Produzenten und Klima-Experten treiben ihn in dem Stück Cosmic Fear oder Der Tag, an dem Brad Pitt Paranoia bekam in den Wahnsinn. Der dänische Autor Christian Lollike hatte den Text, der die Debatte um den Klimawandel spiegelt, im Auftrag des Maxim Gorki Theaters geschrieben. Darin wird ein Licht auf das Verhältnis Mensch und Natur geworfen, auf das Problem einer übertriebenen Selbstbespiegelung und der Selbstbehinderung.

Klimaneutrale Klimarevue und solarbetriebene Kulturfabrik

Wenn schon das Theater den Klimawandel nicht aufhalten kann, dann sollte es wenigstens nicht auch noch dazu beitragen, mag sich Rainaldf Grebe gedacht haben. Und deshalb sollten die Zuschauer im Leipziger Centraltheater sein Musical Alle reden vom Wetter. Die Klimarevue mit reinem Gewissen genießen können. Und das konnten sie sich mit dem Erwerb eines Zertifikats für 18 Cent kaufen, das „klimaneutrale Veranstaltung“ versprach. Belohnt wurden sie von dem Kölner Komiker, Texter und Regisseur und der „Kapelle der Versöhnung“ mit klimaschlauen Schlagern, Pop- und Rockstücken, die gewiss das Klima nicht retten, aber immerhin nett anzuhören waren.

Wirklich ernst mit dem Klimaschutz meint es das Hamburger Kulturzentrum Kampnagel: Tausend Quadratmeter Solarzellen hat man hier auf dem Dach des Gebäudes installiert. „Wir glauben, dass es nicht reicht, Glühbirnen auszuwechseln und Klimawettbewerbe zu veranstalten“, sagt der künstlerische Leiter Matthias von Hartz, der 2008 das Internationale Sommerfestival unter das Motto Verwirrtes Klima gestellt hatte. Neben Theatermachern und Performancekünstlern, wie Eva Meyer Keller, die mit der Choreografin Sybille Müller ihr Programm Bauen nach Katastrophen uraufführte, war außer dem früheren Bundesumweltminister Klaus Töpfer auch eine Reihe von Wissenschaftlern zu Vorträgen eingeladen.

Klimatheater für Kinder

„Coleoptera – die Klimakünstler“; Foto: Marianne Menke, © Theater-Impulsiv Boris RadivojBesonders aber eignet sich der Klimawandel als Thema für Inszenierungen, die sich speziell an Kinder und Jugendliche richten. Das zeigt etwa der Autor Lorenz Hippe mit seinen beiden Stücken 2050 – ein Tag im November und 2050 – die Welt wird blau, die er aus Interviews mit 30 Berliner Jugendlichen entwickelt hat.

Ältere Jugendliche und Erwachsene spricht das interaktive Stück Coleoptera – die Klimakünstler an. Das im April 2009 gestartete Tourneetheater, das einen „leichteren“ Zugang über Comedy und Satire ermöglichen soll, besteht aus zwei Teilen: einem festgelegten Teil und einem, den die Zuschauer durch direktes Eingreifen auf der Bühne selbst gestalten.

Das Berliner GRIPS Theater hat mit Prima Klima ein Stück für Zuschauer ab zehn Jahren im Programm. Das Ziel der theaterpädagogisch begleiteten Inszenierung ist es, jungen Menschen den Zusammenhang zwischen der eigenen Lebensweise und den Folgen für Ökosysteme auf der ganzen Welt zu veranschaulichen. Das bereits im November 2007 uraufgeführte Stück wurde als offizielles Projekt der Weltdekade 2007/2008 der UNESCO ausgezeichnet.

Für kleinere Kinder macht ab September 2009 das Berliner „Theater an der Parkaue“ unter der Regie von Kay Wuschek mit Theodor Storms Die Regentrude erlebbar, was eine lange Dürrezeit für die Menschen bedeutet.

Und für Kinder ab vier Jahren hat das Duisburger Tourneetheater „Tom Teuer“ das Stück Auf der Suche nach dem Goldenen Frosch ins Programm genommen.

Richard Lamers
ist freier Journalist in Köln.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
September 2009

Haben Sie noch Fragen zu diesem Artikel? Schreiben Sie uns!
online-redaktion@goethe.de

Links zum Thema

Future Perfect

Das Goethe-Institut und die Stiftung Futurzwei sammeln Geschichten für morgen – schon heute, von überall.

EnergieWendeKunst


KünsterInnen machen bei EnergieWendeKunst ihre Ideen zum Klimawandel ästhetisch erfahrbar. Der Katalog erscheint im November 2015.

Global Ideas

GLOBAL IDEAS zeigt Menschen und Projekte, die gegen die globale Klimaerwärmung mobil machen. Reportagen aus allen Teilen der Welt.

Gletschermusik

Wie klingt es, wenn Gletscher schmelzen? Ein Kunstprojekt und ein offener Wettbewerb für Multimediakünstler aus Zentralasien zum Problem der fortschreitenden Gletscherschmelze