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Die Umweltverbesserer – Studenten und die grüne Universität

Auf basisdemokratischer Ebene diskutieren die Studenten der Grünen Uni darüber, wie ein Leben ohne Erdöl möglich sein könnte; Foto: Thomas FingerAuf basisdemokratischer Ebene diskutieren die Studenten der Grünen Uni darüber, wie ein Leben ohne Erdöl möglich sein könnte; Foto: Thomas FingerJunge kluge Menschen müssen her, um unsere Zukunft zu sichern. An einer Reihe deutscher Universitäten haben sich Studenten zu Initiativen zusammengeschlossen, um Wege zu einem anderen Umgang mit der Umwelt zu finden.

„In wenigen Jahren wird der Erdölpreis stark nach oben schnellen. Was machen wir dann?“ – Thomas Finger ist Mitbegründer der studentischen Hochschulgruppe Grüne Uni. Zu dieser Initiative haben sich Studenten der Technischen Universität Berlin zusammengetan, um über das Ende des Ölzeitalters und seine Auswirkungen nachzudenken. Um jedoch nicht bei der grauen Theorie zu bleiben, organisieren sie eigenständig Projektwerkstätten, in denen sie Umweltschutz aktiv umsetzen.

In der Projektwerkstatt Nachwachsende Rohstoffe bauen die Studenten Fahrräder aus Bambus; Foto: Thomas Finger„Wir können nicht auf die Politik, die Wirtschaft und auch nicht auf die klassische Wissenschaft warten“, sagt Finger. Dazu sei die Zeit zu knapp. Deswegen will die Berliner Studentengruppe demnächst wieder Obstbäume pflanzen. Wie aber können Obstbäume das Erdölproblem lösen? „Im Grunde geht es um die Lokalisierung“, erklärt Finger das Prinzip. „Wenn wir selbst Obst anbauen, brauchen wir es nicht quer durch Europa mit Lastwagen hierher transportieren lassen, die dafür Erdöl verbrauchen.“

In Berlin übt die Grüne Uni das Leben ohne Erdöl

Mit Bambusfahrrädern leben die Studenten das Konzept der Nachhaltigkeit; Foto: Thomas FingerDie Grüne Uni befasst sich besonders mit der Theorie des „Peak Oil“. Diese besagt, dass die Ölfördermenge irgendwann nicht mehr steigerbar ist, während die Nachfrage weiter wächst. Die Folge ist eine drastische Verknappung des Angebots bei extrem steigenden Preisen. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe prognostiziert Peak Oil bereits für das Jahr 2020. Erdöl ist jedoch die Grundressource für alle wirtschaftlichen Aktivitäten: ob für LKW-Transporte, Dünger im Gemüseanbau oder die Herstellung unzähliger Produkte von der Zahnbürste bis zum Autositz. „Wir wollen lernen, uns vom Erdöl unabhängig zu machen“, sagt Finger von der Grünen Uni. Dabei orientierten sie sich stark an der Idee der „Transition Towns“.

Logo der Studenteninitiative Grüne Uni; Foto: Thomas FingerZu den Transition Towns zählen Umwelt- und Nachhaltigkeitsinitiativen in Städten und Gemeinden, die seit 2006 selbstständig die regionale Wirtschaft und Nachhaltigkeit fördern. „Müll zu trennen reicht dazu nicht aus“, erklärt Finger. Stattdessen müsse sich jeder überlegen, was in seiner Nachbarschaft möglich sei, und es dann auch umsetzen. In Berlin legt eine Transition Towns-Initiative beispielsweise Dachgärten an, um das Stadtklima zu verbessern, Nutzpflanzen anzubauen und Erholungsräume zu schaffen. Unterstützung erhalten sie dabei häufig von den Studenten der Grünen Uni.

In Projektwerkstätten bauen die Studenten Bambusfahrräder

Die ökologisch engagierten Studenten der Technischen Universität experimentieren in Berlin öffentlichkeitswirksam mit Solarpfannkuchen; Foto: Thomas FingerDiese Studenten bringen die Ideen des aktiven Umweltschutzes mit in ihre Hochschule: Hier organisieren sie kreative Projektwerkstätten, in denen Studierende aller Fachbereiche beispielsweise funktionstüchtige Fahrräder aus Bambus bauen können und so nachwachsende Rohstoffe nutzen. Damit wollen sie nachhaltiges Handeln in ihren Alltag einbinden. Die Technische Universität Berlin erkennt ökologische Projektwerkstätten mittlerweile als offizielle Lehrveranstaltungen an und hat damit den aktiven Umweltschutz in ihr Lehrprogramm aufgenommen.

Auch an der Universität in Tübingen lassen ökologisch engagierte Studenten Nachhaltigkeit nicht als Floskel sondern nur als tatsächlich gelebtes Konzept gelten und haben daher die Initiative „Greening the University“ gegründet.

„Ein kleines bisschen die Welt verbessern“

Das Pflanzen von Obstbäumen, soll die Lokalisierung vorantreiben; Foto: Thomas FingerSie wollen „ein kleines bisschen die Welt verbessern“ – schreiben die Mitglieder auf ihrer Website. Dafür pflanzen sie nicht nur bunte Blumenwiesen in der Stadt, sie laden auch Umweltexperten wie den ehemaligen Bundesumweltminister und ehemaligen Direktor des UN-Umweltprogramms Klaus Töpfer zum selbst organisierten Symposium ein. Mit dieser Diskussionsveranstaltung zum Thema „Perspektiven für eine nachhaltige Hochschule“ gelang ihnen der große Coup: Die Studenten hatten von ihrer Hochschule gefordert, den eigenen ökologischen Fußabdruck auf ein umweltverträgliches Maß zu reduzieren. Als Ergebnis des Symposiums führte die Universität Tübingen 2009 als erste klassische Universität in Deutschland das Umweltmanagementsystem Eco-Management-and-Audit-Scheme (EMAS) ein.

An dieser europäischen Initiative können sich Unternehmen und Organisationen freiwillig beteiligen. Das Ziel ist jedoch festgelegt: Die Hochschule soll im eigenen Betrieb zukünftig deutlich weniger Energie, Wasser und Papier verbrauchen. EMAS sieht außerdem vor, das Leitbild des nachhaltigen Denkens in Lehre, Forschung und Verwaltung zu verankern. Die Universität Tübingen hat dieses Konzept umgesetzt und bietet Kurse zu Umweltthemen in unterschiedlichen Fachbereichen an. Lehrveranstaltungen wie „Nachhaltigen Konsum im Unterricht vermitteln“ oder „Nachhaltigkeit auf Chinesisch – Herausforderungen und Chancen im interkulturellen Kontext Chinas“ gehören in diesem Wintersemester zum Angebot.

Eva Zimmerhof
ist Online-Redakteurin und arbeitet als freie Journalistin (Schwerpunkte: Wissenschaft, Religion, Soziales) in München.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
Dezember 2010

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