Leben

Kölle Alaaf!… oder Helau?

Foto: Maria Gracia Centeno

Das habe ich im Deutschunterricht nie gelernt!

Potřebujete Flashplayer pro zobrazení videa

Für mich ist Karneval die Zeit, in der ich mit Freunden an den Strand fahre. Für Emanuella (26, aus Brasilien) ist Karneval die Zeit, während der alle Sambaschulen ihr Bestes zeigen und Valentina (21, aus Italien) verbindet mit Karneval verkleidete Kinder, die Süßigkeiten verlangen. In vielen Ländern wird Karneval groß und einzigartig gefeiert. Für Ausländer in Deutschland ist diese Zeit deshalb etwas ganz Besonderes.

Neue Wörter, die man nie zuvor gehört hat, werden jede Sekunde gebrüllt - (Kölle Alaaf!... oder Helau? Was soll das heißen?) - Leute singen in den Bussen, grölen in den Zügen, und sie trinken mit einem großen Lächeln im Gesicht. Das ist Karneval, im Süden Deutschlands auch Fasching genannt, eine farbenfrohe Zeit für die Kleinen und Großen.

Foto: Maria Gracia Centeno
Valentina, eine 21-jährige Studentin aus Italien

„Also, das erste, was ich gelernt habe ist: man darf auf keinen Fall das Wort Helau in Köln sagen. Das ist hier total verboten! Das darf man nur in Düsseldorf sagen”, erklärt Valentina ihren Freunden im Zug Richtung Köln. Sie wollen den Karneval erleben und zwar von Anfang an. Schon um 10 Uhr morgens mit der Bahn. Alle Mitreisenden sind originell verkleidet. “Ich wusste schon, dass man ein Kostüm für Karneval braucht. Das hat mir meine Mutter erzählt, denn sie kommt ursprünglich aus Deutschland.” Viele ihrer Freunde allerdings, kennen die wesentlichen Bräuche dieser noch Zeit nicht: dass man sich in Köln mit einem Kölle Alaaf begrüßt und natürlich, dass man sich verkleidet:“ Ich habe meinem Vater erzählt, dass ich mir ein Kostüm besorgt habe und er meinte zu mir: “Bist du dafür nicht schon etwas zu alt?” lacht Valentina.

Foto: Maria Gracia Centeno
„Man darf auf keinen Fall das Wort Helau in Köln sagen!”

Tatsächlich, die Karnevalszeit wird bei Kindern und Erwachsenen in Nordrhein Westfalen groß gefeiert. Aus dieser Region kommen die meisten Traditionen des Karnevals. Der Karnevalsdonnerstag heißt Weiberfastnacht (auf Kölsch, dem Kölner Dialekt: Wieverfastelovend) und ist in Bonn-Beuel entstanden. Der Donnerstag ist der Tag, an dem der Straßenkarneval offiziell eröffnet wird. Alles beginnt um 11 Uhr 11 vormittags. Traditionell werden die Schlüssel des Rathauses vom Oberbürgermeister an die Narren vergeben. Das bedeutet, dass die Stadt bis Aschermittwoch in ihren Händen ist. Jeder versucht so früh wie möglich auf der Straße zu sein. Viele Firmen und Betriebe geben ihren Mitarbeitern sogar frei, damit diese feiern können. Frauen (deshalb Weiberfastnacht) versuchen die Krawatten von bekannten und unbekannten Männern abzuschneiden. Dafür, so ist die Tradition, bekommen sie einen Kuss. Natürlich wird dieses Fest nicht nur in Beuel gefeiert. In Köln, Düsseldorf, Münster, Mainz und vielen anderen Städten Deutschlands werden aus den Straßen öffentliche Treffpunkte für alle Jecken.

Das habe ich noch nie in Deutschland erlebt!

„Die fünfte Jahreszeit Deutschlands”, so wird der Karneval auch genannt. Der Höhepunkt dieser Zeit ist der Rosenmontag. In Köln findet an diesem Tag eine große Parade, der Karnevalszug, statt. Tausende Kinder und Erwachsene schreien: “Kamelle!” Sie wollen Süßigkeiten erhaschen, die von den Umzugswagen unter die Feiernden geworfen werden.

Foto: Maria Gracia Centeno
„Die fünfte Jahreszeit Deutschlands”

Farben, tolle Kostüme und viele fröhliche Gesichter sind auf den Kölner Straßen zu sehen. “Ich muss schon zugeben: ich habe die Deutschen noch nie so glücklich, offen und lustig gesehen! Langsam wünsche ich mir, dass der Karneval noch ein bisschen länger dauert!” meint Valentina als der Karnevalszug zu Ende ist. Vielen geht es wie ihr. Sie wollen weiter feiern und trinken. Manche hingegen haben schon um 13 Uhr genug oder sogar zu viel getrunken. Andere wollen einfach nur noch zurück nach Hause, wo alles wieder ruhig und gemütlich ist.

Maria Gracia Centeno

Copyright: Goethe-Institut Prag
Februar 2012

    Themen auf jádu

    Heute ist Morgen
    Oder ist es umgekehrt?! Und war nicht auch gestern schon mal Morgen? In was für einer Welt wollen wir gerne leben? Und wie lange wollen wir warten, bis sie Wirklichkeit wird? Mehr...

    Im Auge des Betrachters
    … liegt die Schönheit. Da liegt aber auch die Hässlichkeit – und alles dazwischen. Als Betrachter sind wir jedoch nur selten allein. Und als Betrachtete sowieso nicht. Mehr...

    Höher, schneller, weiter
    Gewinnen. Besser werden. Den inneren Schweinehund überwinden. Verlieren. Aufgeben. Scheitern. Warum Sport? In einem gesunden Körper ein gesunder Geist? Klar, wollen wir alle. Ein paar Geschichten vom Sport. Mehr...

    Dazugehören
    Seit gesellschaftliche Akteure jeder Couleur ihre Forderung nach Integration einem Mantra gleich herunterbeten, gerät viel zu oft in Vergessenheit, dass Integration ein individueller Prozess ist, der auch von uns selbst etwas verlangt. Mehr...

    Themenarchiv
    Ältere jádu-Schwerpunkte findest du im Themenarchiv. Mehr...