Der Kühlschrank ist für alle da

Foto: Michelle Tribe, CC BY 2.0Foto: Michelle Tribe, CC BY 2.0
Foto: Michelle Tribe, CC BY 2.0

Tonnen von Lebensmitteln landen jährlich im Müll. Viele von ihnen haben das Mindesthaltbarkeitsdatum noch nicht einmal überschritten und wären noch genießbar gewesen. Um etwas dagegen zu unternehmen, hat eine Gruppe Studenten an der TU Darmstadt den „Fairteiler“, einen Kühlschrank für gerettete Lebensmittel, aufgestellt. Mehrmals pro Woche füllen sie ihn auf und jeder kann sich bedienen.

Der Fairteiler ist fast jeden Tag gut gefüllt: Käse, Wurst, Joghurt, Obst, Gemüse, Brot und Backwaren sind darin zu finden. All das wäre im Müll gelandet, hätte nicht eine Gruppe engagierter Studenten eingegriffen, die Lebensmittel gerettet und in den Kühlschrank im Gemeinschaftsraum der AStA (Allgemeiner Studierenden-Ausschuss) gepackt.

Rund zwanzig Studenten haben sich in Darmstadt zu einer Regionalgruppe des foodsharing e.V. zusammengeschlossen. „Das Problem der Lebensmittelverschwendung ist allgemein bekannt. Niemand unternimmt etwas, die Menschen resignieren. Sie haben das Gefühl, als Einzelperson nichts ändern zu können. Wir sind anderer Meinung“, erzählt Jilly Latumena, Mitglied der Regionalgruppe Darmstadt. Nachdem sie sich in Fulda und Mainz umgehört und Tipps eingeholt haben, wurden auch in Darmstadt offene Lebensmittelkühlschränke aufgestellt.

Montag, Mittwoch, Freitag

Jilly Latumena ist eine sogenannte Foodsaverin, neudeutsch für Essensretterin. Nach einer Lehre zur Steinmetzin studiert sie jetzt an der TU Darmstadt auf Lehramt und kümmert sich um das Befüllen. Jilly holt seit dem Projektbeginn im Februar von unterschiedlichen Vertragspartnern Waren ab, die sonst im Müll gelandet wären. Der Fairteiler will jedoch nicht mit der Tafel, einer gemeinnützigen Hilfsorganisation, die Lebensmittel an Bedürftige abgibt, konkurrieren. Aus diesem Grund sind die aussortierten Lebensmittel in Darmstadt dienstags und donnerstags für die Tafel reserviert, an den übrigen Tagen bekommen die Essensretter Waren für den Fairteiler.

Derzeit finden Lebensmittel aus rund 15 Supermärkten und Bäckereien den Weg in die drei Kühlschränke. Einer davon steht im Unigebäude der TU. Ein vierter offener Kühlschrank ist geplant, Details dazu gibt es allerdings noch keine.

Interview mit Jilly Latumena, Mitglied der Darmstädter Regionalgruppe des foodsharing e.V.

Gibt es Kühlschrankregeln?

Der Kühlschrank ist für alle da, jeder kann sich bedienen, aber auch Lebensmittel hineingeben. Leicht verderbliche Lebensmittel wie Frischfleisch, Fisch oder Selbstgemachtes dürfen aber nicht in den Kühlschrank, weil wir nur eine Lagerstätte sind. Da gibt es klare Vorschriften. Wer etwa eine Portion vom Mittagessen zu viel übrig hat, kann das auf unserer Facebook-Seite Foodsharing Darmstadt posten und privat anbieten.

Alles andere, das verpackt und noch genießbar ist, darf in den Kühlschrank: Käse, Joghurts, andere Milchprodukte, Gemüse, Wurst, Brot und Backwaren.

Kontrolliert ihr regelmäßig, ob diese Regeln eingehalten werden?

Wir haben eine offizielle Kontrollliste erstellt. Zweimal pro Woche überprüfen wir die Sauberkeit und die Lebensmittel, die im Kühlschrank sind. Einmal pro Woche wird alles geputzt. Wir wollen wegen der Hygiene keine Probleme mit Kontrollämtern bekommen.

Wie wird das Projekt angenommen?

Es läuft sehr gut, wir haben im Monat durchschnittlich 300 bis 350 Personen, die sich Lebensmittel abholen. Ein Drittel davon bringt auch selbst Essenspenden. Mehrheitlich bedienen sich daran Studierende. Der Kühlschrank steht in der Uni, weil es ein öffentlich zugänglicher Raum ist, aber das heißt nicht, dass er nur für Studenten ist. Der Kühlschrank ist für alle da und sollte auch von allen genutzt werden. Manchmal finden wir jedoch Lebensmittel, die dort nicht hineingehören. Aber im Großen und Ganzen haben wir keine Probleme damit.

Magdalena Schluckhuber
isst gerne und viel und immer mit Begeisterung, bevorzugt qualitativ hochwertige und regionale Lebensmittel, solange sie nicht in Form von Sushi, Meeresfrüchten, Froschschenkeln oder Schnecken serviert werden.

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Juli 2014

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