Über das Projekt

Über das Projekt

Going Public | © Goethe-Institut/Nerijus Jankauskas
Going Public | © Goethe-Institut/Nerijus Jankauskas
Vor dem Hintergrund der politischen Umbrüche in der arabischen Welt und Proteste in westlichen Ländern wird in der Kunstszene die Rolle der Kunst und der Öffentlichkeiten erneut stark diskutiert und reflektiert. Es drängen sich Fragen nach Visualität, Wirksamkeit und Qualität künstlerischer Aktivitäten im öffentlichen Raum auf, aber auch Überlegungen, welches Publikum, welche Öffentlichkeit sie generieren. Das vom Goethe-Institut initiierte Projekt „Going Public. Über die Schwierigkeit einer öffentlichen Aussage“ nahm Bezug auf die jüngsten Debatten und fragte nach Potenzialen einer Public Art und nach Konzepten der Öffentlichkeit.

Neben Deutschland beteiligten sich an dem Projekt Litauen, Belarus und Kaliningrad – eine Region, in der sich politische und gesellschaftliche Ausgangssituationen, gängige Kunstpraxen und Möglichkeiten während der vergangenen zwei Jahrzehnte kaum weiter voneinander entfernt haben könnten.

So stellt sich für Künstler und Aktivistinnen in Belarus tagtäglich die Frage nach einem angemessenen Agieren im öffentlichen Raum, weil jede Aussage unter aktuellen politischen Bedingungen als Beweis einer potenziellen Schuld ausgelegt und hart bestraft werden kann. In Litauen dagegen besteht das Problem einer starken Instrumentalisierung und Indienstnahme der Kunst im öffentlichen Raum durch Politik und Wirtschaft. Davon unberührt bleibt jedoch die Peripherie – sowohl kleinere litauische Städte als auch Kaliningrad als russische Enklave. Außerhalb großer Stadtevents finden hier kaum künstlerische Aktivitäten im öffentlichen Raum statt.

Durch die Unterschiedlichkeit der gesellschaftspolitischen Verhältnisse in der Region gewann der direkte Austausch von Künstlerinnen und Theoretikern im Rahmen des Projekts an Spannung. Den Auftakt bildete ein gemeinsamer Workshop in Vilnius vom 20. bis 24. April 2012. Im Sommer und Herbst 2012 fanden in Klaipeda, Kaliningrad und Minsk künstlerische Interventionen, Recherchen und partizipative Projekte statt. Künstlerische Praxen wie theoretische Ansätze konnten einerseits gewinnbringend übernommen und angepasst, andererseits in anderen Kontexten auf ihre Allgemeingültigkeit überprüft und weiterentwickelt werden.

Diese Erfahrungen wurden auf einer interdisziplinären Konferenz in der Galerie für zeitgenössische Kunst in Leipzig vom 9. bis 11. November 2012 vorgestellt und gewährten somit einen Einblick in weniger bekannte und weniger repräsentierte europäische Wirklichkeiten. Das Projekt wurde insofern nicht als einseitiger Transfer von Deutschland nach Ost- und Mitteleuropa angelegt, sondern barg für alle Teilnehmenden das Potenzial zur Erweiterung ihrer praktischen und theoretischen Ansätze.

Lena Prents
Kuratorische Leitung
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