Ökologisch bauen in Deutschland

Es genügt nicht, „Solararchitekt“ auf das Büroschild zu schreiben

Solarsiedlung von oben; Copyright: Solarsiedlung GmbHDas „Sonnenschiff“ in Freiburg weist den Weg zum ökologisch verantwortbaren Bauen. Gebaut hat es der Architekt Rolf Disch, einer der herausragenden Vertreter des umweltschonenden Bauens in Deutschland.

Dass es keine Hexerei ist, wenn Einfamilienhäuser mehr Energie erzeugen als sie verbrauchen, hat der Architekt Rolf Disch in Deutschlands Solarhauptstadt Freiburg im Breisgau schon bewiesen.

Am Schlierberg hat er eine ganze Siedlung dieser „Kraftwerke“ verwirklicht, die freilich wie attraktive moderne Reihenhäuser aussehen, mit gläsernen Fotovoltaikdächern gedeckt und vom Farbgestalter Erich Wiesner in optimistische Farben getaucht. Zum Teil sind die Häuser in Privateigentum, zum Teil sind sie Anlageobjekte des Freiburger Solarfonds, und keiner bereut die Investition angesichts der ständig steigenden Energiepreise.

Ökologischer Städtebau verlangt jedoch auch Nutzungsmischung zur Verkehrsvermeidung, und so entstand als Ergänzung der Siedlung und als Lärmschutzwand gegen die Merzhauser Straße das „Sonnenschiff“, ein lang gestreckter, viergeschossiger Geschäfts- und Bürobau mit Läden, Praxen, Büros und Tagungsräumen. Auf dem Dach stehen acht dreigeschossige Penthäuser, jeweils mit eigenem Dachgarten, mit hoher Wohnqualität und selbstverständlich ebenfalls „Plusenergiehäuser“.

Möglichst viel Sonnenenergie, möglichst geringer Verlust von Wärme

Nichts ist gewöhnlich an diesem Gebäude, nicht die Typologie, nicht die ökologisch zertifizierten, gesundheitlich unbedenklichen Baumaterialien, nicht die Fassaden mit ihren bunten Wandpaneelen, die als schalldämmende Blenden die Lüftungsöffnungen schützen. Und schon gar nicht die Bautechnik, der die günstige Energiebilanz zu verdanken ist. Die großflächige Verglasung sorgt für viel Tageslicht und wenig Kunstlichtbedarf. Dreifachscheiben mit extrem geringem Wärmedurchgang sind selbstverständlich. Geschlossene Fassadenflächen sind mit Blechpaneelen ausgestattet, in denen ein Vakuum den Wärmeverlust trotz geringer Konstruktionsstärke fast auf null bringt: Vakuum als Wärmedämmung, eine neue Technik. Mit allen Tricks wie große Öffnungen nach Süden und kleine nach Norden, Nachtlüftung und Bauteilkühlung im Sommer sowie Wärmerückgewinnung aus der Abluft und den nach Süden orientierten Fotovoltaikdächern wird immer das Prinzip verfolgt: so viel Sonnenenergie wie möglich einfangen, so wenig gewonnene Wärme wie nötig verlieren.

Sonnenschiff frontal, Juli 2005; Copyright: Solarsiedlung GmbH



Und das Ergebnis ist überzeugend. Zwar hat der Gewerbebau keine positive Energiebilanz wie die Wohnhäuser, doch während ein vergleichbarer konventioneller Bau pro Jahr 590 Megawattstunden Primärenergie verbrauchen würde, benötigt das Sonnenschiff 190 MWh, erzeugt aber mittels Fotovoltaik 105 MWh Sonnenstrom, der ins Netz eingespeist wird. Und da die zusätzliche Heizenergie aus einem nahe gelegenen Wärmekraftwerk mit Hackschnitzelheizung stammt, also CO2-neutral arbeitet, mögen sich die Nutzer und Bewohner beruhigt zurücklehnen: An ihnen kann die Umwelt genesen.

Mieter mit ökologischem Bewusstsein

Zumal der Architekt noch weitere Angebote zu machen hat wie bequeme Fahrradstellplätze und Elektrofahrzeuge der Car-Sharing Südbaden, die mit Solarstrom aufgeladen werden und für umweltschonende Mobilität sorgen.

Auch bei den Gewerbemietern ist das entsprechende Bewusstsein vorhanden, denn bei der Biosupermarktkette Alnatura und dem Freiburger Ökoinstitut kann man davon ausgehen, dass sie den Standort bewusst gewählt haben.

Dank der umweltfreundlichen Gesetzgebung und der großzügigen Förderungsprogramme ist die Solarsiedlung längst ein lohnendes Anlageobjekt und mit jedem Cent, den der Ölpreis und die Stromkosten steigen, steigen der Ertrag der Häuser und der Wert der Immobilien.

Umfassendes Betreuungskonzept

Porträt Rolf Disch; Copyright: Solarsiedlung GmbHÖkologisches Bauen ist zum Schutz der Umwelt, energieneutrales Bauen ist zum Klimaschutz unausweichlich und beides wird schon vielfach praktiziert. Doch kaum ein Architekt geht dabei so konsequent, so ganzheitlich und dabei kostenbewusst vor wie Rolf Disch. Es genügt nicht, „Solararchitekt“ auf das Büroschild zu schreiben. Dischs Erfolg beruht auch auf dem von ihm praktizierten zielgerichteten Management, das von der Immobilienfinanzierung und der Bewohnerberatung bis zum Facility Management und zum einschlägigen Förderungs- und Steuerwesen reicht. Auch deshalb sind das Freiburger Sonnenschiff und die Solarsiedlung am Schlierberg richtungweisende Schulbeispiele für die Alltagsarchitektur landauf, landab.
Falk Jaeger
ist Bauhistoriker und Architekturkritiker.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
Januar 2006

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