Anne Trautwein – die Forscherin unter den neuen deutschen Designerinnen

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Anne Trautwein kreiert aus Industriepapier und Furnierholz avantgardistische Looks mit tollen Trageeigenschaften. Aus Halle in Sachsen-Anhalt kommt eine wollige, vorwiegend weiße Modekollektion, bei der sich die Trägerin weder vor Flecken noch vor Verfilzen fürchten muss. Die Kleider, Oberteile und Röcke der jungen Designerin Anne Trautwein überzeugen nämlich nicht nur optisch, sondern auch materialtechnisch. Sie hat ein sogenanntes „technisches Papier“ so bearbeitet und zu feinen Fäden verstrickt, dass sie daraus wiederum Kleidung machen kann. Die Vorteile dieses Werkstoffs aus Polyethylenfaser sind vielfältig – er ist bei bis zu 90 Grad waschbar, verfilzt nicht, ist komplett anti-allergen, trägt sich leicht und ist vollkommen und mehrfach recycelbar. Aufregende „grüne Mode“Das hat ihr einen Auftritt bei der Mercedes-Benz-Fashion-Week in Berlin eingebracht, wo sie ihre neue Kollektion Aamulla zeigen konnte, die in Zusammenarbeit mit der finnischen Designerin Katja Palomaa entstanden ist. Für ihren Auftritt im Rahmen der Ethical-Fashion-Show und im Green-Showroom bekam sie viel Lob in der Presse und in den Modeblogs. Ihr Label Luxaa wurde als Beispiel dafür genannt, wie aufregend „grüne“ Mode aussehen kann. Und dafür, was alles möglich ist, wenn ein Designer sich auf die Suche nach Alternativen zu Baumwolle und Leder macht.Ungewöhnliche MaterialienDass Anne Trautwein dafür die richtige Modedesignerin ist, zeichnete sich schon zu Beginn ihres Studiums an der Burg Giebichenstein in Halle an der Saale ab. |
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Das reine Entwerfen eines Kleidungsstücks interessiert die Modedesign-Studentin schon im ersten Semester nicht besonders: „Viel spannender finde ich es, wenn ungewöhnliche Materialien ins Spiel kommen. Ich hab schon im Studium unter anderem mit Bezügen für Autositze experimentiert.“ Auch vom Festhalten an Schnitt und Form hält sie nicht so viel: „Ich finde Produktdesign sehr interessant, und hab mich immer eher als Gestalterin denn als eine reine Modeentwerferin gesehen. Daher habe ich im ganzen Studium viel interdisziplinär gearbeitet.“
Verstricktes PapierFür ihre Diplomarbeit versuchte sie dann die verschiedenen Stiltypen der Menschen anhand eines Materials zu definieren. Während dieser Arbeit bemerkte sie nicht nur, wie einschränkend die Eigenschaften der meisten gängigen Materialien sind, sondern auch, wie diese beim Betrachter feste Assoziationen auslösen: „Seide ist immer edel und kühl, Wolle warm, Hanf natürlich. Das war mir zu festgelegt, ich suchte ein neues Material.“ Und sie brauchte eines, das viel mitmacht und dabei optisch neutral ist – entsprechend schwierig wurde die Suche. |
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Schließlich landete die gebürtige Erfurterin bei dem technischen Papier „Tyvek“, einem Faser-Vlies aus Polyethylen, das reinweiß und vollkommen glatt überall dort Verwendung findet, wo es besonders auf Hygiene und Sauberkeit ankommt – also in OP-Sälen, Labors oder eben in der Architektur als atmungsaktive Membran. Das Papier gibt es schon seit den 1960er-Jahren, aber verstrickt hat es noch niemand.
Projekt HolzWie das geht, hat Anne Trautwein dann in vielen Stunden des Probierens herausgefunden. Am Ende fand sie einen Weg, aus dem Papier wollartige Knäuel zu extrahieren, die sich dann relativ problemlos verstricken lassen – zu Kleidern, Capes und Röcken. Sie hat Anfragen aus der verarbeitenden und medizintechnischen Industrie, was diesen Werkstoff angeht. Immerhin sind die Eigenschaften schwer zu toppen: hygienischer als Baumwolle, waschbarer als Leinen und weicher als Wolle. Ein Patent ist angemeldet und in einem mittelgroßen Betrieb in Sachsen-Anhalt wird der Stoff jetzt maschinell hergestellt. Anne Trautwein entwickelt in ihrem Studio aber weiter die Prototypen und sucht dort bereits nach neuen, ungewöhnlichen Materialien. Holz ist der Werkstoff, den sie sich als Nächstes vorgenommen hat. Genauer gesagt geleimtes Furnierholz, das sonst eher im Möbelbau verwendet wird. Sie hat es, zusammen mit dem Produktdesigner Johann Schmidt, so lange aufgebrochen, neu verleimt und wieder gebogen, bis sie daraus Gürtel, Armreifen und Sonnenblenden machen konnten, die hervorragend zu den weißen Tyvek-Kleidern der Aamulla-Kollektion passen. Zu ihren nächsten Plänen sagt Anne Trautwein: „Ich versuche immer weiter ungewöhnliche Materialien zu finden, die sich verarbeiten lassen. Und dafür muss man sich eigentlich nur richtig umschauen.“ – und viel ausprobieren. Davor ist Anne Trautwein sicher nicht bange.Iris Braun |
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