Design vom Main – In Frankfurt wächst eine bemerkenswerte Modeszene heran

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Eigentlich ist Frankfurt eine Finanzmetropole. Doch in den letzen Jahren haben sich dort viele talentierte Modedesigner etabliert, von denen sich einige sogar ins Luxussegment wagen. Wer an der Tür der Schweizer Straße 7 klingelt, lernt kurz darauf Lili Maras kennen. Eine junge Frau im eleganten Kleid, mit Wollstrümpfen und flachen Schuhen kombiniert, sodass sie problemlos die Treppe herunterspringen und die Besucher in den Salon ihres Couture-Hauses geleiten kann. |
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Dunkles Parkett, schwere Stofftapete, Kronleuchter – die Räume wirken so traditionsreich, als wäre man mit ein paar Schritten ins Paris um 1920 gelangt. Dabei debütierte Lili Maras, die Modedesign und zudem Jura studiert hat, erst Ende 2006 mir ihrer ersten Kollektion Jagdszenen. Doch die Vorbilder der gebürtigen Frankfurterin sind die berühmten Couturiers der Zwanziger- bis Sechzigerjahre des vorigen Jahrhunderts. Klassisch und feminin, edel und trotzdem alltagstauglich, das war der Look von Audrey Hepburn oder Jackie Kennedy, und so sehen auch die Entwürfe von Lili Maras aus. Sie kreiert zeitlos geschnittene Kleider aus Naturmaterialien, Jacken sowie Abendroben. Hosen bekommt man bei ihr nicht.„Ich fertige auf Figur“, sagt die 36-Jährige. „Da habe ich die Marktlücke gesehen.“ Ihre Kundinnen kommen aus den höheren Etagen der Banken, Versicherungen, Kanzleien und Werbeagenturen und sind mit einem Kleid von Lili Maras tagsüber im Büro ebenso wie abends in der Oper oder beim Geschäftsessen passend und schön gekleidet. Mode für repräsentative Zwecke
„Die Fraktion der modischen Zwangsindividualisten ist hier klein“, erklärt Guido Braun, Initiator von Maincouture, einem Netzwerk für die Modebranche. „Das Rhein-Main-Gebiet ist Wirtschaftsstandort. Die Leute haben Geld und nutzen Mode eher für repräsentative Zwecke, ob im Büro oder auf Abendveranstaltungen.“ Darauf reagieren die Designer mit hochwertigen dezenten Kreationen, mit Business Couture und Abendmode. Braun, Inhaber einer Werbeagentur, beobachtet die Frankfurter Modeszene schon lange. Die Zahl der Designer habe über die letzten zehn Jahre stark zugenommen, sagt er. „Die Entwicklung ist sehr dynamisch, denn wir haben hier einen großen Markt.“Frankfurt ist die Stadt der Banken. In Frankfurt gibt es aber auch eine hohe Dichte an Museen, eine vitale Theaterlandschaft, eine junge Kunstszene. Der Musikstil Techno wurde hier groß. Hier gehört die Apfelweinwirtschaft, in der man im Sommer auf Holzbänken unter freiem Himmel sitzt, ebenso zum Lebensstil wie die professionelle Arbeitseinstellung. So gibt es gleich zwei gut gemachte Internetplattformen, die einen Überblick über die Frankfurter Modeszene bieten, neben Maincouture noch die Webseite der Modemesse Stilblüten. Modemesse Stilblüten
2004 hat Stella Friedrichs die zweimal pro Jahr stattfindende Messe ins Leben gerufen, weil sie fand, dass es in ihrer Stadt sehr viele originelle
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Modemacher gab, aber keinen Ort, wo deren liebevoll hergestellte Stücke ausgestellt wurden. Anfangs waren weniger als zehn Designer dabei. Jetzt sind es 30, und vier Mal so viel würden gern mitmachen. „Die Messe platzt aus allen Nähten und wir suchen eine größere Halle, damit wir wachsen können“, sagt Stella Friedrichs. Im Dezember 2008 hat Stilblüten erstmals einen Designpreis verliehen. Er ging an Coco Lores, ein Modelabel samt Boutique im Frankfurter Nordend. Erst Anfang desselben Jahres hatte Claudia Frick mit zwei weiteren Designerinnen die erste Kollektion entworfen: Krimifashion, eine Hommage an die Filme nach Edgar Wallace und Raymond Chandler. Ihre zweite Kollektion Büro Couture mit Bleistiftröcken und figurbetonten Jacken gewann nicht nur den Stilblüten-Designpreis, sondern war insgesamt so erfolgreich, dass sie als Coco-Lores-Linie weitergeführt wird. Feminin und qualitätsbewusst
Feminin, qualitätsbewusst und inspiriert von den 1920er- bis 1960er-Jahren ist auch die Arbeit von Elena Zenero. „Früher haben die Frauen mehr zu ihrer Weiblichkeit gestanden“, erklärt die Designerin hinter dem Label Goyagoya. „In einem Kleid bewegt und benimmt man sich einfach anders.“ Inspiriert wird sie von starken Persönlichkeiten wie der eigenwilligen Reederei-Erbin Nancy Cunard, die Man Ray in den 1920er-Jahren fotografisch verewigte. Zenero liebt verspielte Details wie Schleifen und Rüschen sowie Bezüge zur Kunst. Entsprechend findet sie ihre Kundinnen vor allem in der Kultur- und Kreativszene. Als Elena Zenero, geboren in Basel, ausgebildet in Italien, 1998 mit Goyagoya in Frankfurt begann, gab es dort kaum Modedesigner. „Das hat sich stark verändert“, sagt sie. Sie verkauft international, hat aber auch zwei schön gestaltete Läden in Frankfurt: Goyagoya in zentraler Lage und Freud im Stadtteil Sachsenhausen. „Als wir Freud 2004 aufgemacht haben, waren wir in der Brückenstraße die Ersten. Jetzt sind an dieser Straße viele Geschäfte“. |
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Zentrum der unabhängigen Labels
Sachsenhausen, der Stadtteil südlich des Mains, entwickelt sich momentan zu einem Zentrum der unabhängigen Labels, auch der Frankfurter.
Gleich um die Ecke von Freud, in der Wallstraße, teilen sich seit kurzem Charlotte am Main und Frank Harling einen Laden. Daneben macht ein Jungdesigner nach dem anderen ein eigenes Geschäft auf. Und ein paar Straßen weiter, auf der Schweizer Straße, wo Lili Maras ihren Salon führt, hat Ende November auch Nina Hollein einen Laden eröffnet.
Die Architektin hatte zuvor von zu Hause aus gearbeitet und ihre Entwürfe in Galerien in Wien und Frankfurt präsentiert: Mode für Damen und Kinder aus Leinen- und Baumwollstoffen aus dem oberösterreichischen Mühlviertel. Diese bäuerlichen Nutzstoffe mit ihren klassischen Rauten-, Karo- oder Blumenmustern interpretiert Nina Hollein neu und macht daraus Kleider, Röcke und Hosen, die praktische Alltagskleidung und exklusive Mode zugleich sind. Das kommt so gut an, dass sie jetzt einen eigenen Laden braucht. „Frankfurt ist zwar im Vergleich zu Wien in der Mode viel konservativer“, sagt sie. „Doch in den sieben Jahren, in denen ich hier wohne, hat sich auf jeden Fall ein größeres Modebewusstsein entwickelt.“ Spezielles Profil
Es gibt viele Jungdesigner mit pfiffigen Ideen, doch das spezielle Profil der Modestadt Frankfurt machen die hochwertigen Labels aus – die Herrenanzüge von Abaci, die exklusiven Kostüme von Albrecht Ollendiek. Und vor allem die Marke René Storck, angesiedelt im oberen Luxusbereich. Storck hat vor zwei Jahren sein Geschäft auf der Goethestraße eröffnet, zwischen Chanel, Jil Sander, Hermès und Prada. Und tatsächlich können seine Cashmeremäntel, eleganten Kostüme und Ledertaschen die Erwartungen erfüllen, die diese exklusive Lage weckt. Klar und souverän sehen seine Entwürfe aus, und aus allen Stücken spricht die hervorragende Materialqualität und Verarbeitung. „Mich inspiriert die klassische Moderne, das Paris der 1920er- und 1930er-Jahre“, sagt René Storck, dem dank seines Könnens sowie eines Finanzinvestors der Sprung vom Geheimtipp zur Luxusmarke gelang. Bei ihm kauft man keine launische Fashion, sondern das Besondere. „Wir schaffen Dinge mit Wert, deren Verfallsdatum weit in der Zukunft liegt“, das ist ihm wichtig. Seit Frühjahr 2009 hat er auch einen Showroom in Paris, denn das kommt nicht nur in Frankfurt gut an. |
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Stefanie Dörre
ist Redakteurin des Berliner Stadtmagazins "tip".
ist Redakteurin des Berliner Stadtmagazins "tip".
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Dezember 2009
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