„Leute machen Kleider“ – das Magazin „Cut“

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Drei junge Münchnerinnen haben den Do-it-yourself-Trend erkannt und ihn in ein Modemagazin umgesetzt. Kreativ, ungewöhnlich und am Puls der Style-Szene. Warum Selbermachen auch etwas mit Luxus zu tun hat, erklärt „Cut“-Chefredakteurin Anja Kellner im Gespräch mit Goethe.de.
„Cut“ ermutigt seine Leser zum Selbermachen. Warum macht das Magazin sogar Menschen mit zwei linken Händen Spaß? |
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Aber es ist eben auch aufwendig gemacht, fast wie ein Buch, und es ist jedes Mal ein herausnehmbares Schnittmuster darin. Handarbeiten ist das neue Yoga, sagen Mediziner. Angeblich senkt speziell Stricken mit seinem gleichmäßigen Klappern der Stricknadeln Bluthochdruck und Stress. Handarbeiten hat tatsächlich mit Entschleunigung zu tun, eine neue Art zu meditieren. Und am Ende hat man dann auch noch etwas Schönes in der Hand und kann sich darüber freuen. Etwas, das man mit eigenen Händen geschaffen hat? Genau. Das erlebt man ja in der Arbeitswelt kaum noch. Die meisten von uns sitzen vor dem Computer, und unsere einzige Bewegung ist die mit dem Zeigefinger: Klick! Ist „Cut“ auch Protest gegen Marken-Monopolisten und Massenware im Sinne der mittlerweile auch in Deutschland weit verbreiteten Radical Crafting-Bewegung? Keineswegs. Im Gegenteil. Wir lieben Konsum. Wir berichten ja auch im Heft über Nachwuchsdesigner, neue Läden und Produkte. Auch Bastelsachen muss man ja schließlich kaufen. Außerdem hat niemand die Zeit, alles selber zu machen. Strickende Aktivistinnen erobern den öffentlichen Raum, umhüllen von Berlin bis Köln Masche für Masche Laternen oder Parkverbotsschilder. Ist „Urban Knitting“ Spaßaktionismus oder politische Aktion? |
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Ich glaube, dass wenig politische Intention dahinter steckt. Urban Knitting hat eher mit Spaß zu tun und damit, Straßen etwas Warmes und Freundliches zu geben. Anders als Graffiti-Kunst will Urban Knitting nicht anecken, sondern Freude machen. Friendly Guerilla, wie diese Aktionsform auch heißt, ist übrigens das Titelthema unseres nächsten Heftes. In „Cut“ lernt man, wie man eine iPod-Hülle näht, aber auch, wie man eine Pop-up-Stadt aus Tonpapier faltet. Wo hört die Anleitung zu Nützlichem auf und beginnt Beliebigkeit? (Lacht.) Ist Spaß beliebig? Dem einen macht dies, dem anderen das Spaß. Die Pop-up-Story war uns insofern wichtig, als wir uns plötzlich von einer Flut von Pop-up-Büchern überrollt sahen. Dann habe ich jemandem zum Geburtstag eine Pop-up-Karte gebastelt und alle fanden sie toll. Ins Heft kommt alles rein, was interessant ist. Da gibt es zunächst mal keine Grenzen. Welche Anleitung wird es in „Cut“ garantiert nie geben? Gute Frage. Den Do-it-yourself-Pelzmantel vermutlich. Den könnten wir dann doch nicht vertreten. Ihr bisher schönster Erfolg? Der Moment, als wir in New York den „The Society of Publication Designers Award 2010“, den wichtigsten internationalen Zeitschriften-Wettbewerb mit über 5.000 Einreichungen aus aller Welt, verliehen bekamen. Wir standen zwischen all den Riesenmagazinen wie der New York Times und plötzlich hieß es: Welcome, Cut Magazine from Germany! Ein unglaubliches Gefühl, auch international wahrgenommen zu werden. Nähen Sie sich eigentlich Ihre Klamotten selbst? Das habe ich früher gemacht, mittlerweile fehlt mir die Zeit. Aber als es neulich in Strömen regnete, habe ich mir die Regenjacke geschnappt, die wir fürs Heft genäht hatten. Sehr schick.
Literatur-Tipp
Simone Werle: Urban Knits, Prestel Verlag, € 14,95 Bäume, Zäune und Laternen tragen farbenfrohen Stricklook – Friendly Guerilla, die neue Street Art, verändert von New York bis Berlin das Straßenbild. Subversiv, kreativ – und mit Stricknadeln und Wolle. Sabine Schaefer-Gaiser |
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