Musik

Traumberuf Dirigentin

In der Kunst spielt es eine immer geringere Rolle, ob ein Mann oder eine Frau am Werk ist. Filmemacherin oder Filmemacher, Pianistin oder Pianist, Bildhauerin oder Bildhauer, Schriftstellerin oder Schriftsteller? Wen kümmert das schon? Im Vordergrund steht die Qualität der Arbeit. Doch wenn eine Frau am Dirigentenpult steht, sorgt das noch immer für großes Aufsehen.

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Autoren: Cuini Amelio Ortiz & Hector Navarrete
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Im Beitrag sprechen drei Dirigentinnen über ihre Arbeit. Simone Young, seit August 2005 Generalmusikdirektorin und Opernintendantin der Hamburgischen Staatsoper und Generalmusikdirektorin des Philharmonischen Staatsorchesters in Hamburg, Catherine Rückwardt, Generalmusikdirektorin am Staatstheater Mainz, und Shi-Yeon Sung, Studentin für Dirigieren an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin.

Der Beruf des Dirigenten gilt als eine der letzten Männer-Domänen neben der Formel 1. „Es gibt kein anschaulicheres Bild für Macht als die Tätigkeit des Dirigenten“, sagte der Dichter Elias Canetti. Eine Frau am Pult ist nach wie vor ein ungewohnter Anblick.

Weltweit gibt es mehr als 500 Dirigentinnen – nur nicht in leitenden Positionen. Im Bereich der Chor- und Kirchenmusik profilieren sie sich eher unauffällig. Im Jahre 2002 gab es in Deutschland 76 Opernhäuser mit regelmäßigem Spielbetrieb. Von den 76 Generalmusikdirektoren waren zwei weiblich: Catherine Rückwardt, seit 2001 Generalmusikdirektorin am Mainzer Staatstheater, und Karen Kamensek, seit 2002 in gleicher Position am Opernhaus Freiburg tätig. Dazu kommen 34 eigenständige Symphonieorchester, von denen eines von einer Frau geleitet wird: Romely Pfund, seit 1998 Generalmusikdirektorin der Bergischen Symphoniker Solingen/Remscheid. In den vergangenen 25 Jahren wurden in Deutschland nur sieben Chefpositionen an eine Frau vergeben.

Simone Youngs Karriere als Dirigentin ist einzigartig. Die Australierin ist heute Generalmusikdirektorin und Opernintendantin der Hamburgischen Staatsoper und Generalmusikdirektorin des Philharmonischen Staatsorchesters in Hamburg. Sie war künstlerische Direktorin der Oper in Sydney und wurde mit dem Ehrendoktorat der Universitäten in Sydney und Melbourne sowie mit dem Orden „Member of the Order of Australia“ ausgezeichnet, in Frankreich mit dem Orden „Chevalier des Arts et Lettres“. Am 22. März 2005 erhielt sie in Weimar die Goethe-Medaille des Goethe-Instituts.

Catherine Rückwardt ist Generalmusikdirektorin am Staatstheater Mainz. Sie war als erste Frau 1. Kapellmeisterin an einem großen deutschen Opernhaus, der Oper Frankfurt. 1999 wurde ihr der ZONTA-Kunstpreis verliehen.

Shi-Yeon Sung aus Korea studiert an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin. Sie kam Mitte der 1990er-Jahre nach Deutschland, um sich ihren Traum, Dirigentin zu werden, zu erfüllen. Ihr wird von ihren Dozenten ein außergewöhnliches Talent bescheinigt, sodass sie eine besondere Förderung erhält. Das DIRIGENTENFORUM ist das Förderprogramm des Deutschen Musikrates für junge Dirigent(inn)en. Ziel der Förderung ist die Unterstützung überdurchschnittlich begabter Nachwuchsdirigent(inn)en bei ihrer Vorbereitung auf die spätere Übernahme verantwortungsvoller Positionen im deutschen und internationalen Musikleben. Dafür besuchen die Stipendiat(inn)en regelmäßig Meisterkurse unter der Leitung namhafter Dirigentenpersönlichkeiten in Zusammenarbeit mit renommierten Orchestern. Zusätzlich vermittelt das DIRIGENTENFORUM seine Stipendiat(inn)en für Assistenzen und Konzerte. Heute liegt der Anteil geförderter Frauen bei etwa 25 Prozent. Tendenz: steigend. Trotz allem werden die wenigen international bekannten Dirigentinnen wie Simone Young, Marin Alsop oder Julia Jones nach wie vor als Ausnahmeerscheinungen wahrgenommen. „In diesem Metier ist die Macht des Mannes noch ungebrochen“, sagt Elke Mascha Blankenburg, Dirigentin und Autorin des Buches „Dirigentinnen im 20. Jahrhundert“.

Im 19. Jahrhundert wurde der Mythos des vergötterten Maestros, der sich sein Orchester unterwirft, begründet. Absolute Herrscher am Pult wie Arturo Toscanini, Wilhelm Furtwängler oder Herbert von Karajan sind bis heute die Leitbilder. Doch wird sich auch in dieser Domäne die Wahrnehmung verändern und sich letztendlich die Qualität der Arbeit durchsetzen.

Goethe-Institut e. V. 2006
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