Tubuk

Tubuk. Nicht jedes Buch

Copyright: TubukCopyright: TubukTubuk ist die erste deutschsprachige Online-Buchhandlung, die ausschließlich Bücher ausgewählter unabhängiger Verlagen anbietet. Es geht nicht nur ums Kaufen. Die Plattform will auch Orientierungshilfe und Austauschforum sein.

Am Anfang war der Frust. "Es ist für die kleinen Verlage extrem schwierig, im Buchhandel präsent zu sein", sagt Andreas Freitag, "und die Leute kaufen vor allem, was in den Buchhandlungen auf den Tischen angeboten wird." Seit 2004 publiziert der Berliner in seinem kleinen Verlag Schwarzerfreitag Sachbücher mit den Schwerpunkten USA und Polaroid-Fotografie und musste selber die Erfahrung machen, wie schwer es ist, in die Regale der Buchläden vorzudringen, insbesondere in die der großen Ketten. "Und im Onlinebereich, für viele Kleine in anderen Geschäftszweigen die Rettung, ist im Buchhandel die Konzentration sogar noch weiter fortgeschritten", sagt er.

Möglichst speziell und hochklassig

Doch Freitag, der aus Leidenschaft Verleger ist, aber im Brotberuf in der Geschäftsleitung einer großen Werbeagentur arbeitet, hat sich davon nicht entmutigen lassen und selbst Abhilfe geschaffen. Im März 2008 startete er mit Tubuk die erste Online-Buchhandlung, die ausschließlich Bücher unabhängige Verlage übers Internet verkauft. "Tubuk. Nicht jedes Buch." lautet der volle Name der Plattform. Und er ist programmatisch zu verstehen.

Im Gegensatz zu großen Online-Buchhandlungen wie amazon oder buch.de ist es bei Tubuk nicht das Ziel, ein möglichst breites Angebot zu schaffen, sondern ein möglichst spezielles und hochklassiges. Die Independent-Verlage, die mitmachen dürfen, werden sorgfältig vom Tubuk-Team ausgewählt. Das sind neben Andreas Freitag, 37, vier junge Frauen im Alter zwischen 26 und 31 Jahren, die von der Technik bis zum Buchversand den Laden schmeißen. Und dieses Team bestimmt darüber, wer dabei ist.

Wirtschaftliche und geistige Unabhängigkeit

Copyright: Tubuk"Unsere Kriterien für die Aufnahme bei Tubuk sind vor allem die wirtschaftliche und geistige Unabhängigkeit der Verlage. Sie publizieren aus Begeisterung für ihre Bücher, nicht weil sie reich werden wollen", erklärt Andreas Freitag. Bei Tubuk gibt es keine Selbstverlage. Bedruckte Seiten aneinanderheften zu können, das reicht als Eignung nicht aus. Nur wer die Buchpublikation mit dem nötigen Ernst und Wissen angeht und in Inhalt, Gestaltung und Herstellung gehobenen Qualitätsansprüchen genügt, wird in den Tubuk-Kreis aufgenommen. Zu Konditionen, die denen des stationären Buchhandels entsprechen.

Über 30 Verlage mit rund 600 Titeln, Tendenz steigend, sind mittlerweile dabei, darunter viele junge, die regelmäßig in den Feuilletons gelobt werden wie blumenbar, Kookbooks, Bildschöne Bücher. Doch man muss kein Jungverleger sein, um Aufnahme zu finden. Die 1975 gegründete Edition Nautilus gehört ebenfalls dazu. Einige der Verlage haben schon hundert Bücher oder Bestseller im Programm. Andere, wie weissbooks, kommen auf gerade mal fünf Titel. Tubuk umfasst die Sparten Belletristik, Sachbuch, Kinderbuch und Kunstbuch – und das passt zusammen, denn alle Verlage sprechen eine intelligente, junge und engagierte Zielgruppe an und wahren den Bezug zur Populärkultur.

Interviews, Leseproben und Community-Funktion

"Als ich das erste Mal von Tubuk gehört habe, war ich skeptisch", gibt Verleger Jörg Sundermeier vom Verbrecher Verlag zu. "Doch dass die Verlage nach Qualitätskriterien ausgewählt sind, hat mich überzeugt." Er findet, sein Verlag stehe bei Tubuk im richtigen Umfeld, wobei der Verbrecher Verlag mit seinem umfangreichen Programm schon zu den Großen unter den Kleinen gehört. Sundermeier ist von Anfang an dabei und die Bestellungen, sagt er, nähmen jetzt auffällig zu. Und da bei Tubuk sämtliche Titel eines Verlages aufgeführt werden, werde auch viel von der Backlist geordert.

Tubuk führt die Gesamtprogramme der ausgewählten Verlage, verkauft die Bücher übers Internet und schickt sie zu. Doch damit endet das Angebot nicht. Alle Verlage, Autoren und Bücher werden mit Kurzbeschreibung vorgestellt, außerdem sind Leseproben angeboten, jede Woche wird ein Verlag im Interview hervorgehoben. Und, ganz wichtig, es gibt eine Community-Funktion.

Wer sich in der Tubuk-Gemeinschaft registrieren lässt und sein Bild hochlädt, dem werden bei Buchbestellungen nicht nur die Portokosten erlassen, er oder sie kann vor allem auch Rezensionen schreiben. "Fürchterlicher Kitsch", urteilt der 24-jährige Klaus aus Berlin über Räuberhände von Finn-Ole Heinrich. "Ganz klar ein supergutes Buch!", meint dagegen die 33-jährige Maya aus Hannover. Und wenn man unter dem Profil weiter schaut, welche Titel diesen beiden Lesern sonst noch gefallen, merkt man schnell, ob man deren Lektürevorlieben teilt.

Erleichterung für kleine Verlage

Räuberhände führt die Empfehlungsliste von Tubuk an, fast alle Kommentare sind positiv. Der Autor, Finn-Ole Heinrich, kennt die Meinungen zu seinem Roman, denn auch er ist Community-Mitglied – und kann von seinen Lesern angeschrieben werden. Obwohl der 26-Jährige die Möglichkeiten des Internets ebenfalls mit einer eigenen Website nutzt, findet er es wichtig, bei Tubuk zu sein. Er wurde von den Machern des mairisch Verlags entdeckt und möchte auch dort bleiben, obwohl es aufgrund seines Erfolgs bereits Angebote von größeren Häusern gab. Finn-Ole Heinrich hofft, dass Tubuk sich gut entwickelt. "Ich finde die Idee großartig. Die neue Vertriebsstruktur könnte die Zukunft der kleinen Verlage sehr erleichtern".

Auch Jörg Sundermeier glaubt an den Erfolg von Tubuk. "Ich denke, das Konzept wird funktionieren", sagt er. Er sieht in der Internetplattform keine Konkurrenz zum engagierten Buchladen, sondern einen Vertriebsweg unter vielen. "Tubuk ist für mich ein Teil des Buchhandels, so wie die kleine Buchhandlung um die Ecke oder amazon. Wir müssen als Verbrecher Verlag überall präsent sein." Der Profi hat sich von Tubuk übrigens auch eine Empfehlung geben lassen: Finn-Ole Heinrichs Räuberhände steht ganz oben auf Sundermeiers Leseliste. Die vielen begeisterten Kritiken haben ihn neugierig gemacht.

Stefanie Dörre
ist Redakteurin beim Berliner Stadtmagazin "tip"

Copyright: Goethe-Institut e.V., Online-Redaktion

Haben Sie noch Fragen zu diesem Artikel? Schreiben Sie uns!
online-redaktion@goethe.de
Juli 2008

Links zum Thema

Begegnungen

Deutsche Autor(inn)en sehen die Welt.

Dossier: Vermittlung deutschsprachiger Literatur ins Ausland

Wer sind die Institutionen und Personen, die weltweit deutschsprachige Literatur ins Ausland vermitteln?


Onlineplattform für Bücher von unabhängigen Verlagen