Literaturmedien in Deutschland

EDIT – Papier für neue Texte

Cover EDIT 40

Die Leipziger Literaturzeitschrift EDIT ist beim dreizehnten Jahrgang angelangt. Sie erscheint dreimal jährlich in einer Auflage von 1500 Stück bei einem Umfang von ca. 70 Seiten. Die Zeitschrift hat ihren Sitz im Haus des Buchs in Leipzig, im Mai 2002 erhielt EDIT den Hermann-Hesse-Förderpreis für Literaturzeitschriften.

Träger der Zeitschrift ist der Literaturverein EDIT e.V., finanziert und gefördert wird das Projekt vom sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst und vom Kulturamt der Stadt Leipzig. Mit Michael Zettler gibt es seit der Nummer 11 einen Layouter, der das Heft professionell gestaltet, und Patrick Hutsch ist seit 2001 der Herausgeber. Das ursprüngliche Prinzip des zweijährigen Wechsels der Redaktion wurde aufgegeben. Regional orientiert ist das Projekt nicht, es ist weder auf die Szene Leipzig noch auf Ostdeutschland beschränkt.

Aktuelle Entwicklungen beobachten

Patrick Hutsch will die neuere Entwicklung der deutschen Literatur insgesamt abbilden: "Da EDIT keinerlei regionale Gewichtung hat, die eingesandten und auch abgedruckten Texte aus dem gesamten deutschsprachigen Raum kommen - teils sogar von in alle Welt verstreuten deutschsprachigen Autoren -, ist es wichtig, die Entwicklungen der gesamten deutschsprachigen Literatur zu verfolgen. Der redaktionelle Anspruch ist es, aus der Enge des Redaktionsbüro heraus mit jedem Heft einen Einblick in aktuelle Entwicklungen der deutschsprachigen Literatur zu geben: Prosa, Lyrik, Essay."

Eine kleine Literaturgeschichte

Die aktuelle Doppelnummer 40 enthält die Inhaltsverzeichnisse aller bisher erschienen Hefte und ein Autorengesamtverzeichnis, eine erste Zwischenbilanz, die laut Patrick Hutsch günstig aussieht: "Der Anlass der Sondernummer 40 war es eben auch zu zeigen, was in den vergangenen dreizehn Jahren - immer als ein Ausschnitt verstanden - die deutschsprachige Literatur ausgemacht hat. EDIT hat das Glück, dass durch die hervorragende Arbeit der frühen Redaktionen von Beginn an Autoren mit ihren teilweise ersten Texten vorgestellt werden konnten, die heute zu den wichtigsten und interessantesten der deutschsprachigen Literatur zählen: Jan Peter Bremer und Albert Ostermeier bereits in Heft 1/1993, Katrin Röggla, Julia Frank, Georg Klein, André Kubiczek und andere. EDIT ist somit ein Stück weit auch eine Literaturgeschichte der letzten 13 Jahre." Die Reaktionen der deutschen Feuilletons sind durchweg freundlich-positiv, Verlage und Literaturscouts merken auf und oftmals sind die Beiträger von EDIT keine Unbekannten.

Junge Literatur

EDIT druckt primär Originaltexte junger Autoren und Autorinnen, wobei das "jung" sich nicht unbedingt auf ihr Lebensalter beziehen muss. Thomas Lang etwa ist Jahrgang 1967 und gewann 2005 mit einer Lesung aus seinem Debütroman Am Seil (bei C.H. Beck) den Ingeborg Bachmann Preis. Marcel Beyer, der schon fast ebenso viele Preise erhalten wie Bücher geschrieben hat (u. a. bei Suhrkamp, DuMont, Walther König, Luchterhand) gehört ebenso in die Riege etablierter deutscher Autoren wie Georg Klein (Jahrgang 1953), der schon vor seinem Roman Libidissi 1999 beim Alexander Fest Verlag in EDIT publiziert hatte. Wenn man dann einen Text wie die Kleine Clubkunde für ausgehfeine Daheimgebliebene von Petra Lemkuhl liest, erscheint in dieser Nummer 40 auch ein Lichtstreif am Zukunftshorizont des ästhetischen Sprachgebrauchs.

Kreative Austauschbewegungen

EDIT macht noch mehr Hoffnung. In der Rubrik "Expeditionen" wird ein Experiment der Literaturwerkstatt Berlin publiziert: ein deutsches Gedicht von Eugen Gomringer wird ins Spanische, von dort ins Türkische, dann in Farsi und von dort ins Lettische übersetzt und zwischendurch immer wieder ins Deutsche rückübersetzt. Aus dem ersten Vers in Gomringers Gedicht: "einanderzudrehen und/ aufeinandereinstellen" wird so in der letzten Rückübersetzung aus dem Lettischen: "Man rankt sich umeinander und reibt sich auf, / Weil man vergebens aneinander gebunden ist." Dieser semantische Mehrwert könnte darauf hindeuten, dass es für eine deutsche Literaturzeitschrift publizistisch nicht unangemessen ist, etwas mehr Internationalität zu wagen. EDIT hat in der aktuellen Nummer auch katalanische Gedichte von Eduard Escoffet durch Roger Friedlein und englische Gedichte von Lavinia Greenlaw durch Raphael Urweider übersetzen lassen. Literarischer Mehrwert kommt eben auch von außen.
Martin Zähringer
freier Journalist, Berlin

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September 2006

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