Buchmessen, Verlage und Institutionen in Deutschland

Leipziger Buchmesse – publikumsorientiert und lesefreudig

Copyright: Leipziger Buchmesse 2008Vom 13. bis 16. März findet die diesjährige Leipziger Buchmesse statt. Das Erlebnis rund um das Buch soll im Mittelpunkt stehen, denn die Leipziger Messe möchte nicht nur Fachbesucher anziehen, sondern ein breites Publikum, insbesondere junge Leser. Über ein Fünftel der letztjährigen Besucher war denn auch jünger als 18.

Insgesamt präsentieren mehr als 2.300 Aussteller aus 36 Ländern ihre Produkte auf einer Fläche von 63.000 Quadratmetern. Die Messe hat mehrere Themenschwerpunkte: "Kinder- und Jugendbuch", "Bildung", "Comics" und – bereits seit acht Jahren - "Hörbuch". "Leipzig ist mit über 120 Fach-Ausstellern und 100 Veranstaltungen die wichtigste und größte Hörbuchveranstaltung in Deutschland", so Buchmesse-Direktor Oliver Zille.

Es gibt die Veranstaltungsreihe Leipzig hört sowie eine Auszeichnung für das erfolgreichste Hörbuch des Jahres, den HörKules. Besondere Aufmerksamkeit in Leipzig erfährt auch die Sparte Hörspiel. Zusammen mit dem Leipziger Hörspielsommer, der als Festival seit 2003 stattfindet, schreibt die Buchmesse seit fünf Jahren einen Nachwuchs-Hörspielpreis aus. Thema ist dieses Jahr Innensicht. Das Siegerhörspiel wird bei einer öffentlichen Preisverleihung während der Buchmesse ausgezeichnet. Alle Stücke des Wettbewerbs nehmen automatisch am Wettbewerb des 6. Leipziger Hörspielsommers 2008 teil. Die Veranstaltung bietet Autorinnen und Autoren die Gelegenheit, ihre Erstlingswerke und bisher nicht veröffentlichten Produktionen einem großen Publikum zu präsentieren. Für viele sind Buchmesse und Hörspielsommer dann das Sprungbrett, um ihr Hörspiel auch bei einem großen Radiosender platzieren zu können. Zusätzlich gibt es unter dem Motto Leipzig hört in Zusammenarbeit mit Radiosendern sowie den ausstellenden Hörbuchverlagen zahlreiche Veranstaltungen rund um Hörspiel und Hörbuch.

Copyright: Leipziger Messe GmbHEin Drittel des Gesamtprogramms ist allein der Zielgruppe Kinder und Jugendliche gewidmet; damit ist das Angebot für junge Leser im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent gewachsen. Rund 300 Veranstaltungen wird es nur zu Comics geben. Dafür gibt es sogar ein eigenes Comic-Portal im Internet, das auch außerhalb der Buchmessen-Zeit stark genutzt wird. Themenschwerpunkte sind Manga, Anime, Fantasy und Rollenspiel.

1.500 Autoren lesen vor

Parallel zur Messe wird bereits seit 17 Jahren Europas größtes Lesefest, Leipzig liest, von Stadt, Messe, dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels, dem Mitteldeutschen Rundfunk und anderen veranstaltet. Dieses Jahr stehen wieder rund 1.900 Veranstaltungen mit 1.500 Autoren auf dem Programm. Hier lesen so renommierte Schriftstellerinnen und Schriftsteller wie Martin Walser, Elke Heidenreich, Thomas Brussig oder Andrea Maria Schenkel. Zu den internationalen Stars zählen unter anderem Ken Follett, Rafael Chirbes (Spanien), Slavenka Drakulic (Kroatien), Roman Simic (Kroatien), László Végel (Ungarn) und Feridun Zaimoglu (Türkei).

In der seit 17 Jahren bestehenden Reihe Jüdische Lebenswelten gibt es in diesem Jahr Lesungen und Gespräche unter anderem mit Arno Surminski, Amelie Fried und Gila Lustiger. Ein weiteres Anliegen der Leipziger Buchmesse ist die Vorstellung von Literatur aus den mittel- und osteuropäischen Ländern. Dieses Jahr steht Kroatien im Mittelpunkt der Präsentation.

Preis der Leipziger Buchmesse

Während der Buchmesse werden gleich mehrere Auszeichnungen vergeben: Der Preis der Leipziger Buchmesse ist mit jeweils 15.000 Euro dotiert und wird in den Kategorien "Belletristik", "Sachbuch und Essayistik" sowie "Übersetzung" für herausragende deutschsprachige Neuerscheinungen verliehen. Nominiert sind unter anderem Clemens Meyer, Sherko Fatah, Jenny Erpenbeck und Jan Philipp Reemtsma. Die öffentliche Verleihung findet am 13. März statt.
Der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung, ebenfalls mit 15.000 Euro dotiert, wird in diesem Jahr an den niederländischen Sachbuchautor Geert Mak vergeben.

Impressionen von der Leipziger Buchmesse 2007. Foto: Tom Schulze, Copyright: Leipziger Messe GmbHImpressionen von der Leipziger Buchmesse 2007. Foto: Uwe Frauendorf, Copyright: Leipziger Messe GmbH

Neu und zum Entdecken: Prosa-Prognosen

Zum dritten Mal stellt die Autorenwerkstatt Prosa des Literarischen Colloquiums Berlin (LCB) ihre Stipendiaten auf der Leipziger Buchmesse der Öffentlichkeit vor: In der Veranstaltung Prosa-Prognosen werden acht junge Autorinnen und Autoren präsentiert, die im letzten Herbst am LCB an ihren Texten feilten. Angeleitet wurden sie dabei von den „Altmeistern“ Katja Lange-Müller und Burkhard Spinnen. Das LCB gilt als eine der besten literarischen Talentschmieden Deutschlands. Zu den Absolventen seiner 1997 gegründeten Autorenwerkstatt zählen mit Judith Hermann oder Thomas Brussig bereits einige Stars der deutschen Gegenwartsliteratur.

"Großer Bruder" Frankfurt

127.500 Besucher, darunter über 30.000 Fachbesucher, kamen letztes Jahr zur Leipziger Buchmesse, um Neuerscheinungen von 2.300 Ausstellern aus 36 Ländern kennen zu lernen. Frankfurt zählte im selben Jahr rund 283.000 Besucher, davon rund 153.000 Fachbesucher, und rund 7.400 Einzelaussteller aus 108 Ländern. Die Messe am Main ist die größte der Welt und gegenüber Leipzig ein stark international geprägter Branchentreff: Rund ein Drittel der Fachbesucher kommt aus dem Ausland. Die Frankfurter Veranstaltung ist nach eigener Aussage auch der weltweit größte Handelsplatz für Rechte und Lizenzen. Die publikumsorientierte Leipziger Messe dagegen bietet mehr Lesungen und Atmosphäre.

Konkurrenz mit Tradition

Impressionen von der Leipziger Buchmesse 2007. Foto: Jens Schlüter,  Copyright: Leipziger Messe GmbHBeide deutschen Buchmessen gibt es bereits seit der Erfindung des Buchdrucks im 15. Jahrhundert. Auswärtige Buchhändler boten damals in Leipzig und Frankfurt ihre Waren an. Ende des 15. Jahrhunderts hatte sich Leipzig als lukrativer Handelsplatz für Gedrucktes etabliert. Werke aus ganz Europa wurden dort feilgeboten. Die Buchmessestadt Europas jedoch war bis ins 17. Jahrhundert Frankfurt, im 18. Jahrhundert dann lag Leipzig vorn. Ein Grund dafür war die strenge Zensur durch die kaiserliche Bücherkommission, die nun in Frankfurt herrschte.

1946 fand in Leipzig die erste Buchmesse nach dem Zweiten Weltkrieg mit 48 Verlagen statt. Frankfurt zog drei Jahre später nach. In den 1950er-Jahren wurde wieder das westdeutsche Frankfurt das Zentrum des deutschen Buchhandels, bereits an der zweiten Messe 1950 beteiligten sich auch 100 ausländische Verlage. Die Leipziger Veranstaltung hatte während des Kalten Krieges vor allem Bedeutung als Ost-West-Treffpunkt.

Leipzig misst sich noch immer an Frankfurt, ist dabei aber äußerst selbstbewusst geworden. So meinte Martin Lüdke, Jurysprecher des Preises der Leipziger Buchmesse: "Die Leipziger Buchmesse ist das geworden, was Frankfurt einmal war – alle kommen, weil alle kommen."

Veranstaltungen des Goethe-Instituts im Rahmen der Leipziger Buchmesse:

Lesung und Gespräch:
Neue Talente der europäischen Literatur
Donnerstag, 13.03.2008, 17.00 - 18.30 Uhr
Mediencampus „Villa Ida“, Poetenweg 28

Im Gespräch:
Literarische Begegnungen in Mittel- und Osteuropa
Freitag, 14.03.2008, 16.00 - 17.00 Uhr
ARTE Glashalle, Empore Stand 11

Diskussion:
Leseorte im Wandel. Bibliotheken in der internationalen Kulturarbeit
Freitag, 14.03.2008, 16.00 -17.00 Uhr
Café Europa, Halle 4, Stand D505

Im Gespräch:
Literatur als Brücke
Samstag, 15.03.2008, 15.00 - 15.30 Uhr
Glashalle, Empore Stand 11

Im Gespräch:
„Yakın Bakış / Einblicke"
Sonntag, 16.03.2008, ab 13.00 Uhr
Glashalle, Empore Stand 11

Ingrid Scheffer
ist freie Journalistin und Diplom-Kulturwissenschaftlerin

Copyright: Goethe-Institut, Online-Redaktion

Haben Sie noch Fragen zu diesem Artikel? Schreiben Sie uns!
online-redaktion@goethe.de
Februar 2008

Links zum Thema