Ein Fest des Lesens – die Leipziger Buchmesse 2012

Vom 15. bis 18. März 2012 war Leipzig die europäische Hauptstadt des Lesens. Über 2.000 Verlage aus 44 Ländern und knapp 2.800 Autoren waren zu Gast, 163.500 Besucher wurden an den vier Messetagen gezählt.
Gleich zur feierlichen Eröffnung der Messe am Abend des 14. März wurde im Gewandhaus der erste von zahlreichen Preisen verliehen. Der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung ging in diesem Jahr an die Historiker Ian Kershaw (Großbritannien) und Timothy Snyder (USA).
Tranzyt. Literatur aus Polen, der Ukraine und Belarus
Im vergangenen Jahr hatte der Historiker, Autor und Übersetzer Martin Pollack diesen Preis erhalten. Damals hätte er sich wohl nicht träumen lassen, dass er 2012 in Leipzig als Kurator erfolgreich einen neuen Programmschwerpunkt etablieren würde. „Tranzyt“ stellte die reiche Literaturszene aus Polen, der Ukraine und Belarus in Leipzig vor. 32 Autoren gewährten in 20 Veranstaltungen einen Einblick in ihr Schaffen; im Café Europa in Halle 4 gab es Poetry Slams, Lesungen und Diskussionsrunden, etwa über die gesellschaftliche Verantwortung von Schriftstellern, Tabuzonen oder auch – unvermeidlich im EM-Jahr – Fußball.
„Ich bin sehr, sehr zufrieden und freudig überrascht über den massenhaften Andrang zu allen Veranstaltungen unseres Programmschwerpunktes“, erklärte Pollack zum Messeabschluss. „Auch alle Autoren sind sehr glücklich mit der Resonanz. Gemeinsam gehen wir sehr optimistisch in die nächste Runde 2013.“ Denn „tranzyt“ ist ein langfristiges Projekt der Leipziger Buchmesse, der Robert Bosch Stiftung und der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit in Kooperation mit der Rinat Ahmetov Stiftung „Rozvytok Ukrajiny“, der Allianz Kulturstiftung, dem Lemberger Verlegerforum und dem Polnischen Institut in Leipzig.
Literatur- und Übersetzerpreise
Donnerstag, der erste Buchmessetag, stand im Zeichen besonderer Würdigungen. In der Glashalle des Messegeländes wurde der mit insgesamt 45.000 Euro dotierte Preis der Leipziger Buchmesse vergeben. Die Preisträger 2012 sind Wolfgang Herrndorf für seinen Roman Sand (Belletristik), Jörg Baberowski für seine Studie Verbrannte Erde. Stalins Herrschaft der Gewalt (Sachbuch/Essayistik) und Christina Viragh (Übersetzung).
Christina Viragh steht mit ihrer Übersetzung von Péter Nádas’ Roman Parallelgeschichten aus dem Ungarischen ins Deutsche auch auf der Shortlist für den Literatur- und Übersetzungspreis „Brücke Berlin“ 2012, die am gleichen Tag bekanntgegeben wurde. Dieser Preis der BHF-BANK Stiftung würdigt ein bedeutendes zeitgenössisches Werk aus den Literaturen Mittel- und Osteuropas und seine herausragende Übersetzung ins Deutsche.
Der Deutsch-Arabische Übersetzerpreis für Belletristik wurde am Messefreitag verliehen. Mit diesem Preis zeichnet das Goethe-Institut herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Übersetzung deutschsprachiger Gegenwartsliteratur ins Arabische aus. Der Preis wurde in der Kategorie „Etablierte Übersetzer“ an den in Syrien geborenen Wahid Nader verliehen, für seine Übersetzung aus dem Roman Du stirbst nicht von Kathrin Schmidt. In der Kategorie „Nachwuchsübersetzer“ wurde die Ägypterin Hebatallah Fathy für ihre Übersetzung aus dem Roman Ein Zimmer im Haus des Krieges von Christoph Peters prämiert.
Bildung im Fokus
Die Leipziger Buchmesse widmete sich auch in diesem Jahr der Leseförderung. Im „Fokus BILDUNG“ wurden rund 150 Veranstaltungen für Lehrer, Erzieher, Eltern und Kinder gebündelt. Unter dem Motto „Lehren, Lernen, Leipzig“ präsentierte das Programm Themen von der Förderung frühkindlicher Bildung, über Leseförderung im Schulalter bis zur Verbesserung der Hörkompetenzen.
Auch dieses Programm wartete mit Premieren auf. So wurde etwa der erste „Leipziger Lesekompass“ der Stiftung Lesen und der Leipziger Buchmesse herausgegeben: 30 ausgewählte Bücher und andere Medien, die sich besonders gut für die Förderung der Lesekompetenz in Schulen und Kindertagesstätten eignen.
„Leipzig liest“ – Europas größtes Lesefest
Doch nicht nur auf dem Messegelände wurde vier Tage lang das Lesen gefeiert. „Leipzig liest“ lud zum 21. Mal zu Europas größtem Lesefest ein: mit rund 2.600 Veranstaltungen an 350 verschiedenen, mehr oder weniger ungewöhnlichen Orten im ganzen Stadtgebiet. So war etwa der Zoo Leipzig unter den Gastgebern. Hier fanden gleich sieben Lesungen statt: Geschichten über das Leben im Dschungel in der Tropenhalle Gondwanaland, ein Trip nach Afrika in der Kiwara-Lodge und einen Hiddenseeabend im Aquarium.
Allein zur Langen Leipziger Lesenacht, die vom Deutschen Literaturinstitut Leipzig veranstaltet wurde, kamen mehr als 1.200 Besucher. „Die 1.000er-Marke hatten wir schon kurz nach 22 Uhr geknackt“, berichtet Claudius Nießen, der Geschäftsführer des Instituts. „Ich habe wunderbare Rückmeldungen bekommen, sowohl von Besuchern wie auch von Lesenden und den Verlagsleuten. Mit einem Satz: Ich bin mehr als glücklich.“
arbeitet als freie Publizistin in Bonn.
Copyright: Goethe-Institut e. V., Internet-Redaktion
März 2012
Haben Sie noch Fragen zu diesem Artikel? Schreiben Sie uns!
internet-redaktion@goethe.de
Links zum Thema
- Deutsch-arabischer Übersetzerpreis (goethe.de)


- Leipziger Buchmesse


- Leipziger Buchmesse - Programmschwerpunkt „Tranzyt. Literatur aus Polen, der Ukraine und Belarus“

- Literatur- und Übersetzungspreis „Brücke Berlin“

- Leipziger Buchmesse - Leipziger Lesekompass

- Leipziger Buchmesse - Leipzig liest

- Deutsches Literaturinstitut Leipzig
















