Institutionen

Wettbewerbe und Auszeichnungen

Bei genauerer Betrachtung steigt beim Preis die Achtung, lautet ein Sprichwort von Wilhelm Busch (1832–1908), dem „Vater“ des Comics. In der Comicszene sind Wettbewerbe und Auszeichnungen selten hoch dotiert. Die öffentliche Wahrnehmung der Preisträger ist groß – und wirkt oft lange nach.

Der große Preis von Erlangen

Max und Moritz-Preis © Comicsalon Erlangen

Max-und-Moritz-Preis wird von der Stadt Erlangen im Rahmen des alle zwei Jahre stattfindenden Internationalen Comic-Salons verliehen. Er gilt als die wichtigste Auszeichnung für grafische Literatur im deutschsprachigen Raum. Der Preis, dessen Name sich auf eine Geschichte von Wilhelm Busch bezieht, wird seit 1984 verliehen und von Bulls Press in Frankfurt am Main gestiftet. Für die Auszeichnung werden zwanzig Titel nominiert. Eine Fachjury aus Journalisten, Comicexperten und Verlegern wählt die Preisträger aus. Ausgezeichnet werden der beste deutschsprachige Comic (dotiert mit 5.000 Euro), der beste Comic-Strip, der beste Comic-Künstler, der beste Kindercomic und der beste internationale Comic. Es gibt einen Spezialpreis für das herausragende Lebenswerk eines Künstlers und eine Auszeichnung für das beste studentische Comic-Projekt (dotiert mit 1.000 Euro). Außerdem wird ein Publikumspreis vergeben.

Alternative Szene

ICOM PreisDer Independent Comic Preis wird seit 1994 alle zwei Jahre vom Interessenverband Comic e. V. (ICOM) vergeben. Mit der Auszeichnung sollen aktuelle Publikationen und Werke von Künstlern gewürdigt werden, die sich jenseits der etablierten Verlage bewegen. Die Zeichner müssen ihre Werke selbst einreichen. In der Jury sitzen Comiczeichner, Verleger und Vertreter des Interessenverbandes. Die Auszeichnung ist mit insgesamt 2.000 Euro dotiert. Prämiert werden der beste Independent Comic, der beste Kurzcomic, ein herausragendes Szenario und ein herausragendes Artwork, wobei auch Webcomics diese Auszeichnungen bekommen können. Außerdem gibt es zwei Sonderpreise der Jury – für eine Publikation oder eine besondere Leistung.

Münchner Akzente

Den Münchner Comicpreis Peng! gibt es seit 2005. Die undotierte Auszeichnung wird in insgesamt neun Kategorien verliehen. Neben den besten deutschen, europäischen, amerikanischen und Online-Comics werden auch Mangas und Fachliteratur, Comic-Publikationen und die beste Comicverfilmung gewürdigt. Die Auswahl der Preisträger erfolgt durch eine Fachjury mit Unterstützung der Online-Plattformen comicguide.net und comicforum.de. Die Mangapreisträger werden über die Online-Mitglieder von animexx.de ermittelt.

Publikumspreis der Buchmesse

Der bundesweit bekannteste Publikumspreis ist der Sondermann. Die nach einer Comicfigur von Bernd Pfarr benannte undotierte Auszeichnung wird im Rahmen der Frankfurter Buchmesse verliehen, Partner sind die Frankfurter Rundschau, das Fachportal Comicforum und Spiegel Online. Grundlage für die Nominierung bilden die Verkaufszahlen; dann stimmt das Publikum im Internet über die vier Kategorien Comic, Manga, Cartoon und Web-Comic ab. Die Sonderpreise Newcomer 2010 und Bernd-Pfarr-Sondermann für Komische Kunst werden von einer Jury vergeben. Künstler, die mindestens drei Mal den Sondermann gewonnen haben, werden außerdem in die Sondermann Hall of Fame aufgenommen und bekommen lebenslang freien Eintritt zur Frankfurter Buchmesse.

Förderung junger Talente

Der Deutsche Cartoonpreis wurde 2006 von der Frankfurter Buchmesse und dem Carlsen-Verlag ins Leben gerufen, um den Nachwuchs zu fördern. Einmal im Jahr können sich neue Talente, die bislang noch kein Cartoonbuch publiziert haben, mit einem „Ein-Bild-Comic“ zu einem vorgegebenen Thema bewerben. Aus den rund 300 Einsendungen werden zwanzig Cartoons ausgewählt, dann trifft eine sechsköpfige Jury die Auswahl: Für den ersten Preis gibt es 1.000 Euro, der zweite Preis ist mit 500 Euro dotiert, der dritte Preis mit 250 Euro. Alle nominierten Werke werden im Comic-Zentrum der Frankfurter Buchmesse ausgestellt.

Geflügelte Bleistifte für spitze Federn

Insgesamt 10.000 Euro sind beim Deutschen Karikaturenpreis zu vergeben. Der Preis wurde im Jahr 2000 von der Sächsischen Zeitung ins Leben gerufen, um dem Genre der Karikatur mehr Geltung zu verschaffen. Für die Auszeichnung müssen die Künstler ein Werk zu einem vorgegebenen Thema einreichen. Darüber, wer den „Geflügelten Bleistift“ in Gold (5.000 Euro), Silber (3.000 Euro) und Bronze (2.000 Euro) erhält, entscheidet eine neunköpfige Jury mit Kennern der deutschsprachigen Kultur- und Medienlandschaft sowie den Vorjahres-Preisträgern. Die besten Einsendungen werden im Dresdner Haus der Presse präsentiert, außerdem erscheint ein Katalog mit ausgewählten Arbeiten und Künstlerporträts.

Auszeichnung für das Lebenswerk

An Zeichner, Illustratoren und Cartoonisten wendet sich der e.o.plauen-Preis. Die Auszeichnung will die Erinnerung an den Vater und Sohn-Zeichner E.O. Plauen (eigentlich Erich Ohser) wachhalten, der 1905 geboren wurde und sich 1944 nach der Verhaftung durch die Gestapo das Leben nahm. Der Kunstpreis in Höhe von 5.000 Euro wird an einen lebenden Künstler für dessen Gesamtwerk verliehen. Der Förderpreis in Höhe von 2.000 geht an einen jungen Künstler (unter 35). Die Preise werden jeweils getrennt voneinander im Abstand von drei Jahren vergeben. Mit der Preisverleihung ist eine Ausstellung mit Werken des Preisträgers verbunden.

Förderung für Graphic Novels und Comics

Der Gramic Award will Graphic Novels und Comics zu gesellschaftspolitischen Themen fördern. Der Wettbewerb unterscheidet drei Kategorien und wendet sich an Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Das Preisgeld beträgt 5.000 Euro. Mit der Preisverleihung ist eine Wanderausstellung durch ganz Deutschland verbunden. Der Preis wurde 2013 vom Evangelischen Presseverband in Bayern ausgeschrieben und wird alle zwei Jahre während des Comicfestivals München verliehen.

Rieke C. Harmsen
ist Kunsthistorikerin und Redakteurin des Evangelischen Pressedienstes (epd) in München.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Internet-Redaktion
Januar 2013

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