Schauplatz Literatur in Deutschland

Alles Gute, Jim Knopf! Der „feinste kleine Kerl“ wird 50

Illustration von Mathias Weber nach Motiven von F.J. Tripp aus Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer von Michael Ende erschienen im Thienemann Verlag; © Thienemann VerlagIllustration von Mathias Weber nach Motiven von F.J. Tripp aus „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ von Michael Ende erschienen im Thienemann Verlag; © Thienemann VerlagDie beiden haben Michael Ende berühmt gemacht und eine Insel mit zwei Bergen in die Kinderzimmer vieler Länder gebracht. Jim Knopf und sein Kumpel Lukas der Lokomotivführer feiern ihren Fünfzigsten.

Originalcover von „Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer“; © Thiememann Verlag„Eine Insel mit zwei Bergen und dem tiefen weiten Meer, mit viel Tunnels und Geleisen und dem Eisenbahnverkehr“ – manch einer wird diese Zeile nicht nur mit dem Kinderbuch Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer verbinden, sondern auch mit Discobesuchen in den Neunzigern, mit Dancefloor-Beats und der ohrwurmgefährlichen Wiederholung von „eine Insel!“.

Das Insel-Lied wurde von der deutschen Dancefloor-Kombo Dolls United gecovert. Lukas der Lokomotivführer eroberte mit seinem Liedchen die Charts.

Jim Knopf in der Augsburger Puppenkiste; © Augsburger Puppenkiste/Elmar Herr2010 werden Lukas und der kleine Junge namens Jim Knopf fünfzig Jahre alt. In ihrem Geburtstagsjahr können sie mit Stolz auf die vergangenen fünf Jahrzehnte zurückblicken.

Ihre Abenteuer haben sich über vier Millionen Mal verkauft und gehören zu den beliebtesten Kinderbüchern im deutschsprachigen Raum. Sie sind in 33 Sprachen übersetzt worden, darunter ins Koreanische, Hebräische, Serbokroatische und ins Schwyzerdütsch.

Erfolg an Fäden

Jim Knopf in der Augsburger Puppenkiste; © Augsburger Puppenkiste/Elmar HerrZum Erfolg tragen die Marionettentheater-Versionen der Augsburger Puppenkiste bei. Bereits 1961 laufen Jim Knopf und seine Freunde an Fäden in schwarz-weiß in der ARD. Ende der Siebziger werden sie in Farbe neu verfilmt. 1999 schließlich läuft die erste von 52 Episoden einer Zeichentrickserie rund um Jim Knopf.

Michael Ende; © Caio GarrubbaAls Michael Ende für sein Jim-Knopf-Manuskript einen Verlag sucht, mag der Autor nicht einmal im Traum mit diesem Erfolg gerechnet haben. Ein Dutzend Verlage lehnen sein Buch ab, bis endlich, am 9. August 1960, im Stuttgarter Thienemann-Verlag Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer erscheint.

Noch im selben Jahr wird Jim Knopf mit dem Deutschen Jugendbuchpreis ausgezeichnet. Zwei Jahre später, 1962, erscheint der Folgeband Jim Knopf und die Wilde 13.

Auf dem Postweg nach Lummerland

Cover von „Jim Knopf findet’s raus – Geschichten über Vulkane, Lokomotiven und Scheinriesen“, erzählt von Beate Dölling nach Motiven aus „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ und „Jim Knopf und die Wilde 13“; © Thienemann VerlagAus der Feder von Michael Ende, der 1929 in Garmisch-Partenkirchen geboren wurde und 1995 verstarb, stammen auch Momo (1972) und Die unendliche Geschichte (1979). Während die kleine Momo auf dem Rücken der Schildkröte Kassiopeia im Reich der Stundenblumen ankommt, erreicht Jim Knopf die Insel Lummerland per Post. Frau Waas, Inhaberin des Lummerländer Kaufladens, findet das kleine Baby in einem Paket. Die Inselbewohner schließen Jim schnell ins Herz.

Doch als er größer wird, wird Lummerland für alle Bewohner zu klein. Weichen soll darum Emma, die Lokomotive, die Schienen, Wasser und Luft gleichermaßen befahren kann. Sie sei schließlich der Bewohner, der am meisten Platz beansprucht, entscheidet König Alfons der Viertel-vor-Zwölfte, der sein Mini-Reich über ein goldenes Telefon regiert. Doch wenn Emma gehen muss, dann geht Lukas der Lokomotivführer mit. Und Jim schließt sich den beiden an, er würde seinen Freund Lukas niemals alleine ziehen lassen.

Der „feinste kleine Kerl, den ich in meinem Leben je gesehen habe“

Jubiläumspostkarte; © Creative CommonsDie Abenteuer, die Jim, Lukas und Emma im Land der kleinen Vulkane, beim Chinesen Ping Pong mit einem Kopf von der Größe eines Tischtennisballs, beim Drachen Frau Mahlzahn und dem Scheinriesen Tur-Tur erleben, werden von den Kindern heute so innig geliebt wie vor 50 Jahren.

Jim Knopf in der Augsburger Puppenkiste; © Augsburger Puppenkiste/Elmar HerrDas liegt sicher nicht nur daran, dass die Abenteuer spannend sind. Michael Ende nimmt die jungen Leser seiner Geschichte stets ernst. Der „feinste kleine Kerl, den ich in meinem Leben je gesehen habe“ (Zitat Lukas) tritt den Kindern niemals mit erhobenem Zeigefinger entgegen.

Und doch vermittelt er, scheinbar nebenbei, eine Geschichte, die weit über Lummerlands Grenzen hinausreicht: die Geschichte von Freundschaft, Respekt und Toleranz. Sie ist heute noch genauso aktuell wie 1960 und wird vermutlich auch immer aktuell bleiben. Jim Knopf kann seinen nächsten 50 Jahren gelassen entgegensehen.

Verena Hütter
arbeitet als freie Autorin und Redakteurin in München.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
November 2010

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