Ein weites Netz für viel Service – Münchner Stadtbibliothek

Die Münchner Stadtbibliothek, das größte kommunale Bibliothekssystem in Deutschland, zählt mehr als 18.600 Besucherinnen und Besucher pro Tag – und wird damit intensiver genutzt als irgendeine andere kulturelle Einrichtung in der bayerischen Metropole. Zehn Oberstufenschülerinnen und -schüler verbringen den Donnerstagnachmittag bei Tee und Plätzchen und Recherchenaufgaben in der Zentralbibliothek im Münchner Stadtteil Haidhausen. Ein paar Stockwerke tiefer folgen eine Reihe von Kindern gebannt einer Geschichte, die Studenten effektvoll darbieten. Eine Etage höher hören sich zwei Rentnerinnen historische Schallplatten an. Und nebenan – in den anderen Gebäudeteilen – wird musiziert, gesungen, gelernt und diskutiert.
Projekte mit den Nachbarn
Die Zentrale der Münchner Stadtbibliothek ist Teil des Kultur- und Bildungszentrums Am Gasteig und befindet sich damit in unmittelbarer Nähe zur Münchner Philharmonie, zur Städtischen Sing- und Musikschule, zum Richard-Strauss-Konservatorium und zur Volkshochschule. Diese Nachbarschaft nutzt die Stadtbibliothek weidlich – etwa mit einer Reihe von gemeinsamen Projekten. Eins davon sind die „Klingenden Bücher“. Die Veranstaltung wird von der Kinder- und Jugendbibliothek zusammen mit dem Richard-Strauss-Konservatorium durchgeführt. Studierende der Gesangs- und Improvisationskurse des Konservatoriums tragen regelmäßig in der Bibliothek Geschichten vor.
Seit einigen Semestern lädt die Stadtbibliothek zusammen mit der Volkshochschule zum „aperitif“ ein. In den Räumen der Bibliothek und unter Nutzung ihrer Medien finden Kurse zu den unterschiedlichsten Themen von Bewerbung bis zur Stilberatung statt, die als Appetitanreger für das Programmangebot der Volkshochschule dienen.
Bibliotheken in nächster Nähe
36 Prozent der Münchner nutzen das Angebot des Münchner Bibliothekssystems, zu dem neben der Zentralbibliothek Am Gasteig 24 Stadtteilbibliotheken, fünf Bücherbusse sowie sieben Krankenhausbibliotheken und der Mobile Bücherhausdienst gehören, außerdem die Juristische Bibliothek und die Monacensia mit Literaturarchiv und Bibliothek. „Wir haben einen sehr hohen Versorgungsgrad“, erklärt Hanne Riehm, die stellvertretende Leiterin der Zentralbibliothek, „und unsere Kunden wissen es sehr zu schätzen, eine Bibliothek ganz in ihrer Nähe zu haben.“ Auch wer nicht in unmittelbarer Nähe einer Zweigstelle wohnt, steht nicht im Regen, weil sich die Münchner Stadtbibliothek im Sommer 2007 dem Projekt „Virtuelle Bibliothek“ angeschlossen hat. Seither können die Bibliotheksnutzer bequem übers Internet und mit wenigen Mausklicken rund 8.000 elektronische Medien per Download ausleihen.
Hoher Grad der Automatisierung
In den nicht-virtuellen Bibliothekräumen stehen den Nutzern knapp 3,2 Mio. Bücher, Zeitschriften, CDs, DVDs, Noten, Spiele etc. zur Verfügung – allein 1,3 Mio. sind es in der Zentrale. Pro Öffnungstag werden mehr als 47.000 Medien entliehen, pro Jahr 4,4 Mio. Besuche verzeichnet.Dabei profitieren die Nutzer von den komfortablen Öffnungszeiten, die selbst bei herrschenden Einsparungszwängen ausgeweitet werden konnten. Dass die Zentralbibliothek mittlerweile auch samstags für einige Stunden geöffnet hat, verdanken die Münchner der Anfang 2006 begonnenen Umstellung auf ein Selbstverbuchungssystem.
In den meisten der 25 Bibliotheken läuft die Ausleihe und Rückgabe von Medien schon jetzt mit Hilfe der RFID-Technik voll automatisch, die restlichen Bibliotheken werden bis 2009 umgestellt. „Die Selbstverbuchung mit RFID gibt es zwar schon in anderen Bibliotheken. Das Besondere an unserem Mammutprojekt ist, dass wir auch bei allen Zweigstellen auf die neue Technik umrüsten und dabei sowohl die Ausleihe als auch die Rückgabe nahezu vollständig über die Terminals abwickeln“, sagt Hanne Riehm. „Nur so ist es möglich, freiwerdende Stellen für die Refinanzierung zu nutzen oder das Personal anderweitig einzusetzen.“
Zusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen
Die Zusammenarbeit mit anderen städtischen Einrichtungen endet natürlich nicht auf dem Gasteig. Die Stadtbibliothek kooperiert im Bereich Leseförderung eng mit dem Verein Lesewelt München e.V. sowie mit den Kindergärten und Schulen. Sie stellt Medienpakete zusammen, erarbeitet Auswahlverzeichnisse, macht mit altersgerechten Klassen-Rallyes Kinder und Jugendliche mit dem Angebot der Bibliothek vertraut und bietet Trainings zur Medienkompetenz für Schüler an. „Maßlos überbucht ist unser Angebot ‚Fit für die Facharbeit’.“ Hanne Riehm erklärt den Kurs zur Informationskompetenz, der gezielt auf die Bedürfnisse von Schülerinnen und Schülern der 11. und 12. Klasse zugeschnitten ist, so: „Bei der Anmeldung zum Workshop geben die Schüler ihr Facharbeitthema an und beschreiben, welche Recherchearbeiten sie bereits mit welchen Ergebnissen erledigt haben.“
Die Bibliothekskräfte bereiten sich dann gezielt vor und laden die Schüler für einen Nachmittag in die Bibliothek ein, um ihnen Recherchemöglichkeiten aufzuzeigen und Suchstrategien zu vermitteln. „Dabei setzen wir auf die individuelle Betreuung: auf drei Schüler kommt eine Bibliothekskraft. Das Ende der Veranstaltung ist übrigens offen; einige bleiben, bis die Bibliothek schließt.“ Und sie hören sich danach vielleicht noch eins der kostenlosen Ladenschlusskonzerte des Richard-Strauss-Konservatoriums Am Gasteig an.
Dagmar Giersberg
arbeitet als freie Publizistin in Bonn
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Februar 2008












