IFLA: Der Weltverband der Bibliotheken

Seit über 80 Jahren vertritt die International Federation of Library Associations and Institutions (IFLA) mit großem Engagement die Interessen der Bibliotheken und deren Nutzer auf der ganzen Welt. Ein Porträt.Da sich Bibliotheken als Garanten für den freien Zugang zu Information verstehen, kommt ihnen in der sich ausprägenden Informationsgesellschaft eine immer wichtigere Rolle zu. Umso bedeutender wird es allerdings auch, den Forderungen und Bedürfnissen der Bibliotheken Gehör zu verleihen.
Die International Federation of Library Associations and Institutions (IFLA) versteht sich als die Stimme aller Bibliotheken und Informationseinrichtungen auf der Welt. Sie ist ein internationaler Zusammenschluss der Bibliotheksverbände mit ihren vielen Mitgliedern, aber auch für alle Bibliothekstypen und für alle bibliothekarischen Themen. Dabei vertritt sie in erster Linie die Interessen der Bibliotheksnutzer, denn ihr Ziel ist die weltweite Förderung hochqualitativer Bibliotheks- und Informationsdienste.
Funktionstüchtiges Netzwerk
Der Verband wurde 1927 im schottischen Edinburgh gegründet. „In ihren Anfängen war die IFLA ein kleiner, eher elitärer Verein“, meint Hella Klauser, die das Sekretariat des deutschen IFLA-Nationalkomitees in Berlin leitet. „Heute ist sie viel offener. Sie ist ein sehr gut funktionierendes, weltweites Netz geworden.“ Mittlerweile zählt die IFLA fast 1.700 Mitglieder in mehr als 150 Ländern. Zum großen Weltkongress, der einmal im Jahr stattfindet, kommen 4.000 Teilnehmer aus aller Welt. „Das ist eine riesengroße Fortbildungsveranstaltung“, betont Klauser: „mit über 200 Vorträgen und zahllosen Gelegenheiten zum persönlichen Austausch.“
Fruchtbare Kooperationen
Vor allem im letzten Jahrzehnt hatte die IFLA bei ihrer Lobbyarbeit deutliche Erfolge zu verzeichnen. Als Meilensteine gelten die beiden „World Summits on the Information Society“ 2003 und 2005. Bei diesen Gipfeltreffen ging es um die Gestaltung der weltweiten Informationsgesellschaft – und die IFLA sorgt dafür, dass in allen verabredeten Handlungsfeldern die Interessen der Bibliotheken eingebracht und berücksichtigt werden.
Ein ganz wichtiger und enger Partner der IFLA ist die UNESCO. Einige der Manifeste, die von den Gremien der IFLA erarbeitet wurden, sind als UNESCO-Manifeste anerkannt worden. Hierzu gehören das Manifest für Schulbibliotheken, für öffentliche Bibliotheken und für multikulturelle Bibliotheksarbeit. Daneben kooperiert die IFLA etwa mit dem International Council of Museums (ICOM) und dem International Council on Archives (ICA), der Conference of Directors of National Libraries und der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) sowie mit dem International Committee of the Blue Shield (ICBS), das sich für den Erhalt des kulturellen Erbes einsetzt.
Reges deutsches Nationalkomitee
„Im Zentrum steht aber die Zusammenarbeit mit den Bibliotheksverbänden in den jeweiligen Mitgliedsländern“, sagt Hella Klauser. „Der IFLA geht es darum, dieses Netz der nationalen Verbände zu stärken und über sie dann auch jede einzelne Bibliothek und jeden einzelnen Bibliothekar.“
In Deutschland sind alle Fachverbände aus dem Bereich Bibliothek und Information Mitglieder der IFLA. In fast allen 45 aktiven IFLA-Sektionen sitzt ein deutscher Vertreter. „Das ist für uns ganz wichtig“, betont Klauser. „Zum einen haben wir so die Möglichkeit, unsere eigenen nationalen Interessen einzubringen, zum anderen profitieren wir enorm von dem Austausch mit den Kollegen aus aller Welt, der in diesen Sektionen stattfindet.“
Hella Klauser sorgt dann dafür, dass die Informationen aus den Gremien auch an die Kolleginnen und Kollegen in den Bibliotheken weiterfließen – etwa über den monatlich erscheinenden Online-Newsletter International, den der Deutsche Bibliotheksverband herausgibt.
Konkrete Hilfestellungen
Wie sehr dem Verband neben der Lobbyarbeit nach außen daran gelegen ist, die eigenen Mitglieder ganz konkret auch bei der täglichen Arbeit zu unterstützen, zeigt sich an einem neuem Projekt. In ihm erarbeitet die IFLA für ihre Mitgliedsverbände ein umfangreiches Programm mit mehreren Modulen zur Bibliotheksverbandsarbeit, etwa zum Auf- und Ausbau eines Verbandes, zur Statistik, zum Urheberrecht, zur Lobbyarbeit und zum Marketing. Für Klauser ist dies „ein schönes Beispiel dafür, wie jede einzelne Bibliothek von einer Mitgliedschaft profitiert“.
Finanziert wird das Projekt von der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung, die die Aktivitäten der IFLA seit einigen Jahren unterstützt. Auch das wertet man nicht nur im deutschen Nationalkomitee als großen Erfolg: „Es ist für uns eine wichtige Bestätigung, dass diese bedeutende Stiftung erkennt, wie groß die Rolle der Bibliotheken für die Entwicklung der Informationskompetenz weltweit ist.“
arbeitet als freie Publizistin in Bonn.
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März 2010
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