Kunstvermittlung

Von Afrika lernen

Zwischen Europa und Afrika eine nicht paternalistische Beziehung zu gestalten – dieses Anliegen der Kunstvermittlung verfolgte der Regisseur und Performancekünstler in seiner Oper Via Intolleranza II und dem von ihm initiierten Operndorf-Projekt in Burkina Faso.

Ich will mal endlich Geld geben, ohne dass ich was dafür bekomme. Ich will von Afrika was lernen, ich will nichts mehr diktieren, ich kann denen auch gar nichts mehr diktieren. Vergessen wir das.

95 % aller Bilder aus Afrika sind nur von Weißnasen gemacht, 95 % aller Bilder meiner Kindheit sind von weißen Leuten gemacht worden, alle Kommentare in allen Zeitungen, von weißen Leuten, nichts von Schwarzen, fast gar nichts. Und diese Bilder sind in meinem Kopf, das ist mein Afrika. Denn ich liebe das doch eigentlich, was ich mir da erträumt habe. Aber es ist nicht das wirkliche Afrika, also nichts wie weg da. Wir haben da nichts verloren. Und deshalb hören wir jetzt mal auf mit der Förderung, von der wir uns was versprechen. Wir lassen das mal sein, wir schicken das Geld da runter, und zwar in dem Sinne, dass wir sagen, macht damit, was ihr wollt. Produziert eure eigenen Bilder. Und wir können uns das vielleicht angucken, damit auch alle beruhigt sind und sagen können, ach, da hab ich auch ein bisschen mitgemacht. Ich konnte nichts tun, aber jetzt sehe ich, ich habe auch ein bisschen mitgemacht. Das Wichtigste ist, nicht nur ich liebe das, was ich mir erträumt habe.


In seinem letzten Theaterstück, Via Intolleranza II, das am 15.5.2010 in Brüssel uraufgeführt wurde, entlarvte Christoph Schlingensief Afrika als "ein humanistisches Steckenpferd, um von unserer eigenen Intoleranz abzulenken und unser ethnozentristisches Denken zu legitimieren" – wie es auf seiner Homepage heißt. Schlingensief, der sich so radikal wie kaum ein anderer und bis zu seinem Tod ergreifend theatralisch ausdrückte, deutete damals an, es sei besser, sich herauszuhalten. Denn: Durch die Erkenntnis der Überflüssigkeit der eigenen Interventionen könne möglicherweise eine realistische Begegnung mit Afrika entstehen. Er fragte nach dem Ziel einer Zusammenarbeit, die ohne jegliche Hilfsideologie und Sentimentalität auskommen muss.

Via Intolleranza II - eine Produktion der Festspielhaus Afrika GmbH in Koproduktion mit Kampnagel Hamburg, dem Kunstenfestivaldesarts Brüssel, der Bayerischen Staatsoper München und in Kooperation mit dem Burgtheater Wien und den Wiener Festwochen - wurde präsentiert von zwölf Schauspielern, Tänzern und Musikern aus Burkina Faso und Europa und dem Fönix-Orchester unter der Leitung von Arno Waschk.

Mehr Information:
http://www.schlingensief.com/projekt.php?id=o003
Christoph Schlingensief (1960–2010)
war Film-, Theater- und Opernregisseur, Autor, Aktionskünstler und Initiator des Projekts eines Operndorfes in Burkina Faso.

Copyright: www.operndorf-afrika.com

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