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Auf dem Weg in die digitale Zukunft – das Institut für Internet und Gesellschaft

Rund 20 Prozent der Bevölkerung nutzen das Internet auch privat intensiv.  Foto: kristian sekulic © iStockphotoRund 20 Prozent der Bevölkerung nutzen das Internet auch privat intensiv.  Foto: kristian sekulic © iStockphotoAm 25. Oktober 2011 wurde das Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft gegründet. Zu den Gesellschaftern gehören die Humboldt-Universität zu Berlin, Universität der Künste Berlin und das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung.

Seit im August 1984 in Deutschland die erste E-Mail verschickt wurde, hat das Internet nahezu alle Bereiche des Lebens erobert. Ob in der Wirtschaft oder der Politik, in der Freizeit oder der Wissenschaft – ohne Bits und Bytes läuft so gut wie nichts. Eine Studie der Initiative D21 stellte fest, dass rund 20 Prozent der Deutschen das Internet auch privat intensiv nutzen: etwa zum Texte schreiben, Mails verschicken und als digitales Nachschlagewerk, aber auch, um zu spielen oder soziale Kontakte zu knüpfen und zu pflegen. Allerdings haben 28 Prozent keinen eigenen Internetzugang, können sich also noch nicht für das Internet begeistern.

Dr. Jeanette Hofmann  Foto: © David AusserhoferHier knüpft das Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft an. Es will mit seiner Forschung dazu beitragen, allen Bevölkerungsgruppen die Teilhabe und Mitgestaltung der digital vernetzten Zukunft zu ermöglichen und ein freies, offenes Internet mit all seinen großen Potenzialen weiterzuentwickeln. Zu den Arbeitsschwerpunkten zählen insbesondere die Themen Innovation, Internet Governance and Policy, Medienpolitik sowie Rechtsphilosophie und Verfassungsrecht. Dabei wird großer Wert auf die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, politischen Entscheidungsträgern, Zivilgesellschaft und Privatwirtschaft gelegt.

Nutzerverhalten wird erforscht

Eine der Direktorinnen und Direktoren des Instituts, das als eigenständige Forschungseinrichtung an der Humboldt-Universität angesiedelt ist, ist Dr. Jeanette Hofmann vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB). Die Politikwissenschaftlerin forscht zu den Themen Global Governance (weltweite politische Koordination), Regulierung des Internets, Informationsgesellschaft und Wandel des Urheberrechts.

Logo des Alexander von Humboldt Institutes für Internet und Gesellschaft  Foto: © PR„Regulierung setzen die Meisten mit staatlichem Handeln gleich, für mich ist der Staat aber nur einer der relevanten Akteure“, erklärt sie. „Ich interessiere mich auch dafür, wie beispielsweise Internetserviceprovider mit Verträgen das Verhalten ihrer Nutzer regulieren. Im Bereich mobiles Internet haben diese nicht mehr die Freiheiten, die sie mit dem stationären Internet hatten. Die Nutzer selbst spielen jedoch eine wichtige Rolle in der Weiterentwicklung des Internets, eine regulatorische Kraft in dem Sinne, dass sie zum Beispiel Normen anerkennen oder nicht, wie etwa urheberrechtliche Regelungen. In der jetzigen Form werden diese vielfach unterlaufen. Oder nehmen wir soziale Netzwerke wie Facebook. Die Nutzer benutzen Facebook, um gegen Regeln zu intervenieren, die ihnen von Facebook aufgedrückt werden.“ Für Dr. Hofmann ist die Gestaltungsmacht, die die Nutzer im Internet haben, ein neues, spannendes Forschungsfeld.

Wie öffentlich ist das Internet?

Mit dem Internet beschäftigt sie sich schon seit gut 16 Jahren. „Mich hat persönlich schon immer interessiert, wie sich das Internet weiterentwickelt, welche Kräfte dabei wirken. So befasse ich mich auch mit dem Bereich Public Domain, also Inhalte und Software, die zur kostenlosen Nutzung und öffentlichen Verbreitung freigegeben sind und für die keine Urheberrechte beansprucht werden. Die aktuelle Debatte darüber vermittelt allerdings ein völlig verkehrtes Verständnis von Imitieren und Kopieren. Beides ist ja an sich nicht schlecht und durchaus zur Weiterentwicklung in der Wirtschaft oder auch in der Gesellschaft wichtig, weil es Innovationen befördert.“

Unabhängigkeit und Transparenz

Nutzer haben im Bereich mobiles Internet weniger Freiheiten.  Foto: Simone Becchetti © iStockphotoZurzeit muss Dr. Hofmann ihre Forschungsarbeit häufig unterbrechen, um Interviews zu geben. Eine der häufig gestellten Fragen ist die nach dem Engagement von Google, das die Finanzierung für die nächsten drei Jahre übernimmt. Wie ist da die Unabhängigkeit des Instituts gewährleistet? „Selbstverständlich lassen wir uns nicht einkaufen“, stellt Dr. Hofmann fest. „Deshalb haben wir eine institutionelle Trennung vorgenommen und zwei Gesellschaften gegründet – eine Fördergesellschaft dient zur Finanzierung unserer Arbeit, das Institut als Forschungsgesellschaft bestimmt Inhalte und Ziele. Außerdem begleitet ein wissenschaftlicher Beirat unsere Arbeit kritisch.“ Lydia Horn, Gründerin und Geschäftsführerin der mobile melting gmbh, hat mit Google keine Probleme. Sie schätzt die Verbindung „als wertvoll für die Berliner Startup-Szene“, hofft aber auch, „dass Google sich auf das europäisch-humanistische Wertesystem und Rechtsverständnis einlässt.“

Dazu gehört auch Transparenz. „Wir machen unsere Forschungsergebnisse öffentlich, im Internet, auf Veranstaltungen, in verschiedenen Gremien und natürlich auch in den Medien“, betont Dr. Hofmann und fügt hinzu: „Schließlich haben wir hier eine sehr wache und aktive Internetöffentlichkeit, die mit großem Interesse darauf achtet, was wir tun.“

Regina Friedrich
ist freie Journalistin in Berlin.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Internet-Redaktion
Februar 2012

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