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Interview mit Halim Badawi
„WIR WOLLTEN KEINE LOBENDE HULDIGUNG SCHAFFEN“

Pachnoda Marginata - Escarabajo de las Flores
© Erika Torres

Zum 250. Geburtstag von Alexander von Humboldt richtet die Stiftung Humboldt Forum gemeinsam mit dem Goethe-Institut ein zweitätiges Fest aus. Am 13. September eröffnet im Rahmen dieser Feierlichkeiten in Berlin die Ausstellung „Die Natur der Dinge: Humboldt, Kommen und Gehen“. Sie zeigt 14 zeitgenössische Künstler*innen im Dialog mit 14 historisch-künstlerischen Positionen. Wir haben mit dem Kurator Halim Badawi gesprochen.

Herr Badawi, in der Ausstellung widmen sich 14 Künstler*innen anlässlich seines 250. Geburtstags der Tradition des Forschers und Wissenschaftlers Alexander von Humboldt in der lateinamerikanischen Kunst. Sie haben Ihre Ausstellung in einer leicht veränderten Form bereits im Mai in Bogotá gezeigt. Wie war die Resonanz?
 
Sie bekam sehr viel Zuspruch. In einem Zeitraum von zwei Monaten haben 40.000 Menschen die Schau besucht. Auch das Medieninteresse war sehr groß.

Der Kurator Halim Badawi Der Kurator Halim Badawi | Foto: Annette Walter

EIN VORLÄUFER UNSERER UMWELTBEWEGUNGEN

Wodurch unterscheidet sich Ihre Ausstellung von der klassischen Humboldt-Rezeption?
 
Zum ersten Mal wurde Humboldts Erbe in einer kritischen Ausstellung untersucht. Wir wollten keine lobende Huldigung schaffen oder eine neue Biografie schreiben.
 
Nun zeigen Sie die Ausstellung erstmals in Berlin. Inwiefern hat die Tradition von Humboldt die lateinamerikanische Kunst bis heute beeinflusst?
 
Humboldt war eine fundamental wichtige Figur in der Ikonografie für Nationen wie Kuba, Mexiko, Venezuela, Kolumbien, Ecuador und Peru. Seine Tagebücher, die er nach seiner Rückkehr nach Europa in Büchern und Magazinen reproduzierte, trugen in großem Maße dazu bei, wie man Lateinamerika betrachtet; eine Sichtweise, die bis heute andauert. In der zeitgenössischen Kunst waren und sind zahlreiche Künstler*innen, speziell aus Kolumbien, daran interessiert, Humboldts intellektuelles und visuelles Erbe kritisch zu hinterfragen. Es ist ein Erbe, das ein Vorläufer unserer Umweltbewegungen war und uns half, uns selbst besser in unserem Territorium wahrzunehmen.

Ein Besucher vor der Installation „Quindío-Paß“ von José Alejandro Rest in Bogotá | Foto: Urniator Studio Ein Besucher vor der Installation „Quindío-Paß“ von José Alejandro Rest in Bogotá | Foto: Urniator Studio

DAS KROKODIL VON HUMBOLDT IST NICHT DAS KROKODIL VON HEGEL 

Können Sie die kritische Sichtweise auf Humboldts Erbe detaillierter erläutern?
 
Die von Humboldt entwickelten Ideen bereiteten zwar einerseits den Einzug der modernen Wissenschaft und der Konstruktion einer neuen Visualität in Lateinamerika vor. Andererseits waren sie aber verantwortlich für eine Invasion auf dem südamerikanischen Kontinent. So wurden Strukturen etabliert, die auf Ausbeutung, Aneignung und Zerstörung natürlicher Ressourcen basieren. Unsere Ausstellung will dieses zwiespältige Erbe zeigen, also die gegensätzlichen Wege, auf denen das Wissen angeeignet wurde. Wir zeigen beispielsweise mehrere Kunstwerke des Kolumbianers José Alejandro Restrepo. Er ist Jahrgang 1959 und von ihm stammt die berühmte Installation „Das Krokodil von Humboldt ist nicht das Krokodil von Hegel” von 1993, die nun zu sehen ist. Es ist ein Klassiker der zeitgenössischen kolumbianischen Kunst. Der Künstler rekurriert dabei auf eine Diskussion, die tatsächlich zwischen Hegel und Humboldt stattgefunden hat und in der es um die Größe von Krokodilen in der Neuen und Alten Welt ging. Restrepo widmet sich dieser Diskussion mit einer Videoinstallation, die beleuchtet, wie verschiedene Fiktionen und Narrative der südamerikanischen Geschichte entstanden sind.
 
Sie zeigen aber auch europäische Künstler*innen wie den Spanier José Luis Bongore, der auf den Spuren von Humboldt wandelte. Was ist seine Intention?
 
Er hat wie Humboldt den Wasserfall Salto del Tequendama nahe Bogotá besucht und in Anlehnung an dieses Naturschauspiel eine monumentale Videoinstallation erschaffen. Bongore zeigt uns die Tragik dieses Ortes: Der Río Bogotá, die benachbarte Landschaft und der Wasserfall sind Opfer einer exzessiven Urbanisierung und zerstörerischen Umweltverschmutzung geworden.

Die Videoinstallation von José Luis Bongore | Foto: Urniator Studio Die Videoinstallation von José Luis Bongore | Foto: Urniator Studio

 

 

 

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