14., 17., 21. und 24. August
16:30 und 18:45 Uhr
„Alte Konflikte. Neue Blicke“
|Deutsche Filmreihe an der Pontificia Universidad Católica de Valparaíso (PUCV)
-
Cineteca PUCV
- Sprache Deutsch mit spanischen Untertiteln
- Preis freier Eintritt
Dank einer langjährigen Zusammenarbeit organisieren die Katholische Universität Valparaíso und das Goethe-Institut in Santiago diese Filmreihe, um die neuen Stimmen im aktuellen deutschen Kino zu entdecken. Wir laden herzlich ein, acht spannende Filme im neurenovierten Filmsaal der Cineteca PUCV zu genießen!
Montag, den 14. August
16:30 Uhr | Der Hauptmann (2020), Robert Schwenke
18:45 Uhr | Walchensee forever (2020), Janna Ji Wonders
Donnerstag, den 17. August
16:30 Uhr | Als Hitler das rosa Kaninchen stahl (2019), Caroline Link
18:45 Uhr | Systemsprenger (2019), Nora Fingscheidt
Montag, den 21. August
16:30 Uhr | Mein Ende. Dein Anfang (2018), Mariko Minaguchi
18:45 Uhr | Nahschuss (2021), Franziska Stünkel
Donnerstag, den 24. August
16:30 Uhr | Curveball- Wir machen die Wahrheit (2020), Johannes Naber
18:45 Uhr | Exil (2020), Visar Morina
DER HAUPTMANN
s/w, deutsch mit sp. UT, 119 Min.
2017, Robert Schwendtke
In den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs findet der junge Gefreite Willi Herold auf der Flucht eine Hauptmannsuniform. Ohne zu überlegen, streift er die ranghohe Verkleidung und die damit verbundene Rolle über. Schnell sammeln sich versprengte Soldaten um ihn – froh, wieder einen Befehlsgeber gefunden zu haben. Aus Angst enttarnt zu werden, steigert sich Herold nach und nach in die Rolle des skrupellosen Hauptmanns und verfällt dem Rausch der Macht. „Der Hauptmann" zeigt auf eindringliche Weise, wie selbst im Chaos der letzten Kriegstage etablierte Befehlsketten und Machtmechanismen funktionieren, und stellt den Zuschauer vor die Frage: Wie würde ich handeln?
Gewinner vom Preis der Jury beim Filmfestival San Sebastián 2017 für beste Kamera, Deutscher Filmpreis 2018 für beste Tongestaltung, Europäischer Filmpreis 2018 für bestes Sounddesign, Bayerischer Filmpreis 2019 für bester Nachwuchsdarsteller.
WALCHENSEE FOREVER
Farbe + s/w, deutsch mit sp. UT, 110 Min.
2020, Janna Ji Wonders
Uraufgeführt auf der Berlinale 2020, hat dieser Film den Compass-Perspektive-Award bekommen und wurde später auch zu dem Europäischen Filmpreis nominiert. Regisseurin Janna Ji Wonders erzählt die Geschichte der Frauen ihrer Familie über ein Jahrhundert. Verbindendes Element und stiller Chronist ist der bayerische Walchensee, an dem die Familie 1920 ein Ausflugscafé eröffnet, das bis heute existiert. Die imposante Gründerin Apa vermacht ihrer Erstgeborenen Norma das Unternehmen, das diese ohne zu klagen bis ins hohe Alter führt. Normas Töchter Anna und Frauke verlassen den See. Sie wollen sich befreien und bereisen als Musikerinnen die Welt. Doch sie kehren zurück und leben in einer Kommune um Rainer Langhans. Frauke, die sich nach der großen Liebe sehnt, kommt auf mysteriöse Weise ums Leben und wird für die Hinterbliebenen zum Irrlicht. Die rastlose Anna zieht in die USA, wo sie ungeplant eine Tochter bekommt. Von den Schatten der Vergangenheit gerufen, kehrt sie mit Tochter Janna zurück an den Walchensee, wo Großmutter Norma für die Enkeltochter zur wichtigen Bezugsperson wird. Als Regisseurin sucht Janna Antworten auf die Fragen wie: Was ist Heimat? Wie sehr prägt mich meine Herkunft? Was zählt am Ende wirklich? Und findet Anhaltspunkte in der Verbundenheit von vier Generationen von Frauen mit unterschiedlichen Lebenskonzepten.
ALS HITLER DAS ROSA KANINCHEN STAHL
Farbe, 119 Min.
2019, Caroline Link
Da ihre Familie jüdisch und der Vater ein Gegner der Nationalsozialisten ist, muss die kleine Anna 1933 gemeinsam mit ihren Eltern aus Deutschland fliehen und ihr geliebtes rosa Stoffkaninchen in Berlin zurücklassen; eine liebevolle, berührende und mitreißende Verfilmung von Judith Kerrs autobiografischem Kinderbuchklassiker. Als die Nationalsozialisten 1933 in Deutschland an die Macht kommen steht für die jüdische Familie Kemper fest: Wir müssen schnellstmöglich aus Berlin weg, denn der Vater ist als Theaterkritiker offen gegen die Nazis aufgetreten. Die kleine Anna Kemper wird vor der Hals über Kopf organisierten Flucht vor eine schwierige Wahl gestellt, sie darf nur ein Kuscheltier mitnehmen und entscheidet sich schließlich dafür, ihr heißgeliebtes rosa Kaninchen der zurückbleibenden Haushälterin Heimpi anzuvertrauen. Aus Berlin geht es zunächst in die Schweiz, dann weiter nach Paris und schließlich nach London, ein unsicheres und unstetes Leben voller Herausforderungen und Entbehrungen, bei dem Anna immer wieder gezwungen ist, sich den veränderten Umständen anzupassen. Basierend auf Judith Kerrs gleichnamigem autobiografischen Kinderbuchklassiker gelingt Regisseurin Caroline Link nicht nur ein einfühlsamer Familienfilm, der Kinder und Erwachsene gleichermaßen anspricht, sondern vor allem, das Thema Verfolgung, Flucht und Exil im Nationalsozialismus altersgerecht aufzubereiten.
SYSTEMSPRENGER
Farbe, deutsch mit sp. UT, 125 Min.
2019, Nora Fingscheidt
Pflegefamilie, Wohngruppe, Sonderschule: Egal, wo Benni hinkommt, sie fliegt sofort wieder raus. Die wilde Neunjährige ist das, was im Jargon des Jugendamts ein „Systemsprenger“ genannt wird. Dabei will Benni nur eines: Liebe, Geborgenheit und wieder bei Mama wohnen! Doch die hat Angst vor ihrer unberechenbaren Tochter. Als es keinen Platz mehr für Benni zu geben scheint und keine Lösung mehr in Sicht ist, versucht der Anti-Gewalttrainer Micha, sie aus der Spirale von Wut und Aggression zu befreien. SYSTEMSPRENGER ist Nora Fingscheidts erster Spielfilm. Das Drehbuch schrieb Fingscheidt dann nach langer Recherche über einen Zeitraum von fünf Jahren. In dieser Zeit lebte oder arbeitete sie in Wohngruppen, in einer Schule für Erziehungshilfe, einer Obhutnahmestelle, einer Kinderpsychiatrie und führte lange Gespräche mit Mitarbeitern von Institutionen oder Ämtern sowie Kinder- und Jugendpsychologen. "Der Film ist das Wunder dieser Berlinale. Er ist keine Sensation, kein Spektakel, kein einfach großartiger Film, nein: ein Wunder. Wie ist ein solcher Film möglich? Ein Gesamtkunstwerk: der Rhythmus, die Bilder, die Farben. Und wie hat die Regisseurin diese körperliche Wucht aus Helena Zengel als Benni geholt? Es ist ein Film, der niemals angemessen von Worten umarmt werden wird. Man muss ihn sehen." (Die Welt)
Seit der Weltpremiere im Wettbewerb der Berlinale gewann der Film viele Preise (Silberner Bär, Alfred-Bauer-Preis) und ging für Deutschland in den Oscar-Rennen. Die Hauptdarstellerin Helena Zengel, die damals nur neun Jahre alt war, erhielt den Darstellerpreis bei dem SANFIC Filmfestival in 2019, und in 2020 war der Film der große Gewinner der Lolas, als Bester Spielfilm, Beste Regie, Bester Schnitt, Beste weibliche Hauptrolle, Beste männliche Hauptrolle, beste weibliche Nebenrolle und beste Tongestaltung. Außerdem bekam der Film den Europäischen Filmpreis für Beste Filmmusik.
MEIN ENDE. DEIN ANFANG
Farbe, 111 Min.
2018-19, Mariko Minoguchi
Als sich Nora und Aron in der U-Bahn begegnen, ist es Liebe auf den ersten Blick. War es nach Noras Ansicht ein Zufall, dass sich die beiden über den Weg gelaufen sind, ist es für Aron Bestimmung. Das Glück der beiden ist dabei nur von kurzer Dauer, denn Aron wird erschossen, als Nora und er in einer Bank in einen Überfall geraten. In ihrer Trauer versucht Nora auf unterschiedliche Arten ihren Schmerz zu betäuben. Schließlich verbringt sie deshalb auch eine Nacht mit einem Fremden. Doch Natan ist schon bald mehr als nur ein One-Night-Stand und gibt Nora neuen Halt. Und je mehr Zeit sie mit ihm verbringt, desto mehr bekommt sie das Gefühl, Natan schon viel länger zu kennen. Doch was verbindet die beiden wirklich?
NAHSCHUSS
Farbe, 116 Min.
2021, Franziska Stünkel
Einen faustischen Pakt mit der DDR-Staatsmacht schließt der junge Forscher Dr. Franz Walter, für eine Professur und private Privilegien willigt er in eine Tätigkeit für den Auslandsnachrichtendienst ein. Viel zu spät begreift er, mit wem und worauf er sich eingelassen hat; mit tödlichen Folgen. Der klaustrophobisch inszenierte und packend gespielte Film beruht lose auf der Geschichte von Dr. Werner Teske, dem letzten Menschen, der in der DDR hingerichtet wurde.
CURVEBALL - WIR MACHEN DIE WAHRHEIT
Farbe, 108 Min.
2020, Johannes Naber
Geradezu elektrisiert ist der deutsche Biowaffenexperte Arndt Wolf, als ein irakischer Asylbewerber behauptet, an der Herstellung der geächteten Massenvernichtungswaffen beteiligt gewesen zu sein. Denn für Wolf gab es nie Zweifel daran, dass Saddam Hussein solche besitzt, auch wenn er bei einer UN-Kontrollmission nichts gefunden hatte. Vom Bundesnachrichtendienst wird Wolf auf den Informanten mit dem Decknamen „Curveball“ angesetzt, um dessen Glaubwürdigkeit zu überprüfen. Doch spätestens mit den Anschlägen vom 11. September 2001 lässt sich die immer unwahrscheinlicher wirkende Geschichte endgültig nicht mehr aufhalten.
Basierend auf einer realen Begebenheit erzählt Curveball mit lakonischem Biss aus dem Geheimdienstmilieu, zwischen Möchtegern-James-Bond-Figuren und grau-brauner Amtsstubenmentalität Made in Germany. Ein langsam eskalierendes Kammerspiel mit Auswirkungen auf die Weltpolitik und zugleich ein satirisches Lehrstück über sich verselbständigende „erwünschte“ Wahrheiten.
EXIL
Farbe, 121 Min.
2020, Visar Morina
Zunächst hängt eine tote Ratte am Gartenzaun. Dann findet das Meeting in einem anderen Raum statt, aber niemand hat Xhafer informiert, den aus dem Kosovo stammenden erfolgreichen Ingenieur mit Reihenhaus, Frau und Kindern, bestens in Deutschland integriert. So scheint es, so sieht er es – aber sehen das auch die anderen so? Zunehmend bekommt Xhafer das Gefühl, bewusst schikaniert und ausgegrenzt zu werden, wirkt immer angespannter, als könne er jeden Moment explodieren. Aber wird Xhafer tatsächlich bewusst gemobbt oder ist er nur hypersensibel? Verhalten sich seine Kollegen abweisend, weil er ein „Ausländer“ ist, oder finden sie ihn nur als Mensch unsympathisch, wie seine Frau ihm einmal entgegenschleudert; denn auch diese Beziehung funktioniert alles andere als reibungslos. Im oft unpersönlichen und beinahe trostlos wirkenden Setting einer mittelständisch erfolgreichen deutschen Existenz erzählt Regisseur Visar Morina ein spannendes Psychodrama um Fragen wie Integration, Zugehörigkeit und Entfremdung, aber auch wie ein Identitätskonstrukt in Paranoia umkippen kann.
Programm
Montag, den 14. August
16:30 Uhr | Der Hauptmann (2020), Robert Schwenke
18:45 Uhr | Walchensee forever (2020), Janna Ji Wonders
Donnerstag, den 17. August
16:30 Uhr | Als Hitler das rosa Kaninchen stahl (2019), Caroline Link
18:45 Uhr | Systemsprenger (2019), Nora Fingscheidt
Montag, den 21. August
16:30 Uhr | Mein Ende. Dein Anfang (2018), Mariko Minaguchi
18:45 Uhr | Nahschuss (2021), Franziska Stünkel
Donnerstag, den 24. August
16:30 Uhr | Curveball- Wir machen die Wahrheit (2020), Johannes Naber
18:45 Uhr | Exil (2020), Visar Morina
Inhaltsangaben
DER HAUPTMANN
s/w, deutsch mit sp. UT, 119 Min.
2017, Robert Schwendtke
In den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs findet der junge Gefreite Willi Herold auf der Flucht eine Hauptmannsuniform. Ohne zu überlegen, streift er die ranghohe Verkleidung und die damit verbundene Rolle über. Schnell sammeln sich versprengte Soldaten um ihn – froh, wieder einen Befehlsgeber gefunden zu haben. Aus Angst enttarnt zu werden, steigert sich Herold nach und nach in die Rolle des skrupellosen Hauptmanns und verfällt dem Rausch der Macht. „Der Hauptmann" zeigt auf eindringliche Weise, wie selbst im Chaos der letzten Kriegstage etablierte Befehlsketten und Machtmechanismen funktionieren, und stellt den Zuschauer vor die Frage: Wie würde ich handeln?
Gewinner vom Preis der Jury beim Filmfestival San Sebastián 2017 für beste Kamera, Deutscher Filmpreis 2018 für beste Tongestaltung, Europäischer Filmpreis 2018 für bestes Sounddesign, Bayerischer Filmpreis 2019 für bester Nachwuchsdarsteller.
WALCHENSEE FOREVER
Farbe + s/w, deutsch mit sp. UT, 110 Min.
2020, Janna Ji Wonders
Uraufgeführt auf der Berlinale 2020, hat dieser Film den Compass-Perspektive-Award bekommen und wurde später auch zu dem Europäischen Filmpreis nominiert. Regisseurin Janna Ji Wonders erzählt die Geschichte der Frauen ihrer Familie über ein Jahrhundert. Verbindendes Element und stiller Chronist ist der bayerische Walchensee, an dem die Familie 1920 ein Ausflugscafé eröffnet, das bis heute existiert. Die imposante Gründerin Apa vermacht ihrer Erstgeborenen Norma das Unternehmen, das diese ohne zu klagen bis ins hohe Alter führt. Normas Töchter Anna und Frauke verlassen den See. Sie wollen sich befreien und bereisen als Musikerinnen die Welt. Doch sie kehren zurück und leben in einer Kommune um Rainer Langhans. Frauke, die sich nach der großen Liebe sehnt, kommt auf mysteriöse Weise ums Leben und wird für die Hinterbliebenen zum Irrlicht. Die rastlose Anna zieht in die USA, wo sie ungeplant eine Tochter bekommt. Von den Schatten der Vergangenheit gerufen, kehrt sie mit Tochter Janna zurück an den Walchensee, wo Großmutter Norma für die Enkeltochter zur wichtigen Bezugsperson wird. Als Regisseurin sucht Janna Antworten auf die Fragen wie: Was ist Heimat? Wie sehr prägt mich meine Herkunft? Was zählt am Ende wirklich? Und findet Anhaltspunkte in der Verbundenheit von vier Generationen von Frauen mit unterschiedlichen Lebenskonzepten.
ALS HITLER DAS ROSA KANINCHEN STAHL
Farbe, 119 Min.
2019, Caroline Link
Da ihre Familie jüdisch und der Vater ein Gegner der Nationalsozialisten ist, muss die kleine Anna 1933 gemeinsam mit ihren Eltern aus Deutschland fliehen und ihr geliebtes rosa Stoffkaninchen in Berlin zurücklassen; eine liebevolle, berührende und mitreißende Verfilmung von Judith Kerrs autobiografischem Kinderbuchklassiker. Als die Nationalsozialisten 1933 in Deutschland an die Macht kommen steht für die jüdische Familie Kemper fest: Wir müssen schnellstmöglich aus Berlin weg, denn der Vater ist als Theaterkritiker offen gegen die Nazis aufgetreten. Die kleine Anna Kemper wird vor der Hals über Kopf organisierten Flucht vor eine schwierige Wahl gestellt, sie darf nur ein Kuscheltier mitnehmen und entscheidet sich schließlich dafür, ihr heißgeliebtes rosa Kaninchen der zurückbleibenden Haushälterin Heimpi anzuvertrauen. Aus Berlin geht es zunächst in die Schweiz, dann weiter nach Paris und schließlich nach London, ein unsicheres und unstetes Leben voller Herausforderungen und Entbehrungen, bei dem Anna immer wieder gezwungen ist, sich den veränderten Umständen anzupassen. Basierend auf Judith Kerrs gleichnamigem autobiografischen Kinderbuchklassiker gelingt Regisseurin Caroline Link nicht nur ein einfühlsamer Familienfilm, der Kinder und Erwachsene gleichermaßen anspricht, sondern vor allem, das Thema Verfolgung, Flucht und Exil im Nationalsozialismus altersgerecht aufzubereiten.
SYSTEMSPRENGER
Farbe, deutsch mit sp. UT, 125 Min.
2019, Nora Fingscheidt
Pflegefamilie, Wohngruppe, Sonderschule: Egal, wo Benni hinkommt, sie fliegt sofort wieder raus. Die wilde Neunjährige ist das, was im Jargon des Jugendamts ein „Systemsprenger“ genannt wird. Dabei will Benni nur eines: Liebe, Geborgenheit und wieder bei Mama wohnen! Doch die hat Angst vor ihrer unberechenbaren Tochter. Als es keinen Platz mehr für Benni zu geben scheint und keine Lösung mehr in Sicht ist, versucht der Anti-Gewalttrainer Micha, sie aus der Spirale von Wut und Aggression zu befreien. SYSTEMSPRENGER ist Nora Fingscheidts erster Spielfilm. Das Drehbuch schrieb Fingscheidt dann nach langer Recherche über einen Zeitraum von fünf Jahren. In dieser Zeit lebte oder arbeitete sie in Wohngruppen, in einer Schule für Erziehungshilfe, einer Obhutnahmestelle, einer Kinderpsychiatrie und führte lange Gespräche mit Mitarbeitern von Institutionen oder Ämtern sowie Kinder- und Jugendpsychologen. "Der Film ist das Wunder dieser Berlinale. Er ist keine Sensation, kein Spektakel, kein einfach großartiger Film, nein: ein Wunder. Wie ist ein solcher Film möglich? Ein Gesamtkunstwerk: der Rhythmus, die Bilder, die Farben. Und wie hat die Regisseurin diese körperliche Wucht aus Helena Zengel als Benni geholt? Es ist ein Film, der niemals angemessen von Worten umarmt werden wird. Man muss ihn sehen." (Die Welt)
Seit der Weltpremiere im Wettbewerb der Berlinale gewann der Film viele Preise (Silberner Bär, Alfred-Bauer-Preis) und ging für Deutschland in den Oscar-Rennen. Die Hauptdarstellerin Helena Zengel, die damals nur neun Jahre alt war, erhielt den Darstellerpreis bei dem SANFIC Filmfestival in 2019, und in 2020 war der Film der große Gewinner der Lolas, als Bester Spielfilm, Beste Regie, Bester Schnitt, Beste weibliche Hauptrolle, Beste männliche Hauptrolle, beste weibliche Nebenrolle und beste Tongestaltung. Außerdem bekam der Film den Europäischen Filmpreis für Beste Filmmusik.
MEIN ENDE. DEIN ANFANG
Farbe, 111 Min.
2018-19, Mariko Minoguchi
Als sich Nora und Aron in der U-Bahn begegnen, ist es Liebe auf den ersten Blick. War es nach Noras Ansicht ein Zufall, dass sich die beiden über den Weg gelaufen sind, ist es für Aron Bestimmung. Das Glück der beiden ist dabei nur von kurzer Dauer, denn Aron wird erschossen, als Nora und er in einer Bank in einen Überfall geraten. In ihrer Trauer versucht Nora auf unterschiedliche Arten ihren Schmerz zu betäuben. Schließlich verbringt sie deshalb auch eine Nacht mit einem Fremden. Doch Natan ist schon bald mehr als nur ein One-Night-Stand und gibt Nora neuen Halt. Und je mehr Zeit sie mit ihm verbringt, desto mehr bekommt sie das Gefühl, Natan schon viel länger zu kennen. Doch was verbindet die beiden wirklich?
NAHSCHUSS
Farbe, 116 Min.
2021, Franziska Stünkel
Einen faustischen Pakt mit der DDR-Staatsmacht schließt der junge Forscher Dr. Franz Walter, für eine Professur und private Privilegien willigt er in eine Tätigkeit für den Auslandsnachrichtendienst ein. Viel zu spät begreift er, mit wem und worauf er sich eingelassen hat; mit tödlichen Folgen. Der klaustrophobisch inszenierte und packend gespielte Film beruht lose auf der Geschichte von Dr. Werner Teske, dem letzten Menschen, der in der DDR hingerichtet wurde.
CURVEBALL - WIR MACHEN DIE WAHRHEIT
Farbe, 108 Min.
2020, Johannes Naber
Geradezu elektrisiert ist der deutsche Biowaffenexperte Arndt Wolf, als ein irakischer Asylbewerber behauptet, an der Herstellung der geächteten Massenvernichtungswaffen beteiligt gewesen zu sein. Denn für Wolf gab es nie Zweifel daran, dass Saddam Hussein solche besitzt, auch wenn er bei einer UN-Kontrollmission nichts gefunden hatte. Vom Bundesnachrichtendienst wird Wolf auf den Informanten mit dem Decknamen „Curveball“ angesetzt, um dessen Glaubwürdigkeit zu überprüfen. Doch spätestens mit den Anschlägen vom 11. September 2001 lässt sich die immer unwahrscheinlicher wirkende Geschichte endgültig nicht mehr aufhalten.
Basierend auf einer realen Begebenheit erzählt Curveball mit lakonischem Biss aus dem Geheimdienstmilieu, zwischen Möchtegern-James-Bond-Figuren und grau-brauner Amtsstubenmentalität Made in Germany. Ein langsam eskalierendes Kammerspiel mit Auswirkungen auf die Weltpolitik und zugleich ein satirisches Lehrstück über sich verselbständigende „erwünschte“ Wahrheiten.
EXIL
Farbe, 121 Min.
2020, Visar Morina
Zunächst hängt eine tote Ratte am Gartenzaun. Dann findet das Meeting in einem anderen Raum statt, aber niemand hat Xhafer informiert, den aus dem Kosovo stammenden erfolgreichen Ingenieur mit Reihenhaus, Frau und Kindern, bestens in Deutschland integriert. So scheint es, so sieht er es – aber sehen das auch die anderen so? Zunehmend bekommt Xhafer das Gefühl, bewusst schikaniert und ausgegrenzt zu werden, wirkt immer angespannter, als könne er jeden Moment explodieren. Aber wird Xhafer tatsächlich bewusst gemobbt oder ist er nur hypersensibel? Verhalten sich seine Kollegen abweisend, weil er ein „Ausländer“ ist, oder finden sie ihn nur als Mensch unsympathisch, wie seine Frau ihm einmal entgegenschleudert; denn auch diese Beziehung funktioniert alles andere als reibungslos. Im oft unpersönlichen und beinahe trostlos wirkenden Setting einer mittelständisch erfolgreichen deutschen Existenz erzählt Regisseur Visar Morina ein spannendes Psychodrama um Fragen wie Integration, Zugehörigkeit und Entfremdung, aber auch wie ein Identitätskonstrukt in Paranoia umkippen kann.
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Ort
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Avda. Brasil 2830
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