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Porträt
Stefanie Thiedig

Stefanie Thiedig
Stefanie Thiedig | Foto: Peter Gilbert

Stefanie Thiedig, 1980 in Bad Oldesloe in Norddeutschland geboren, studierte Sinologie und Germanistik in Hamburg, wohnt in Peking und erarbeitet als freiberufliche Kulturvermittlerin mit Text, Foto und Film Kunst- und Kulturprojekte. Seit September 2012 löst sie nun Maja Linnemann als neue Chefredakteurin im Deutsch-Chinesischen Kulturnetz ab und freut sich darauf, die Plattform ihren Interessen am multimedialen Auftritt folgend umzugestalten. Wir wollen sie hier in unserer Rubrik der „10 Fragen“ vorstellen, um Ihnen als Leserinnen und Lesern einen kleinen Einblick zu vermitteln, was Sie in nächster Zeit erwarten wird.

1) Womit haben Sie sich in der letzten Zeit beschäftigt? 

In der letzten Woche habe ich mich in die Strukturen des Kulturnetzes eingearbeitet. Einmal wöchentlich werden hier jeweils ein Beitrag des aktuellen Fokusthemas sowie einer im Magazin, das sich mit den einzelnen künstlerischen Disziplinen befasst, eingespeist. Dazu kommen abwechselnd entweder Berichte aus Berlin bzw. den drei First-Tier-Städten Chinas in der Kolumne oder ein Porträt mit 10 Fragen. Ich wurde unter anderem angeheuert, weil ich meine Projekte mittlerweile multimedial angehe – von der geschriebenen Sprache kommend, schien mir dieses Medium zur Kommunikation in China nicht mehr ausreichend, weshalb ich im letzten Jahr auf Foto und Film umschwenkte. Unser aktueller Fokus auf dieser Plattform beschäftigt sich mit einem meiner Lieblingsthemen: der Nachhaltigkeit – wofür ich auf Julia Odensteins und meinen Film Forstwärts von 2011 verweisen kann. Daraufhin wollen wir uns mit Kulturdiplomatie auseinandersetzen und ich bin hier schon sehr gespannt auf die unterschiedlichen deutsch-chinesischen Auffassungen. Anschließend soll als Weihnachtsspezial – thematisch leichter, visuell anregend – das Thema Kitsch auseinandergenommen werden. Im besten Fall stelle ich es mir als eine Art Wettbewerb vor: Wer hat den kitschigsten Kitsch – Deutschland oder China? Die Nachhaltigkeit ist so gut wie erstellt, aber wir freuen uns für die folgenden Fokusthemen immer auch auf Anregungen von Ihrer, des Lesers Seite. Darüber hinaus bin ich gerade dabei, mich auf das Panel Culture Collide China vorzubereiten, das am Freitag, den 14.9.2012, im Kölner Stadtgarten stattfinden wird – diese Gelegenheit wollen wir vom Kulturnetz nutzen, um unser erstes Multimedia-Piece zu erstellen. 

2) Wann und wie kamen Sie zum ersten Mal in Berührung mit China? 

2000 war ich direkt nach dem Abitur für ein Jahr zum Sprachenlernen in Peking. Dies geschah mehr durch Zufall, da ich mich auf der Suche nach einer mich langfristig fesselnden Materie befand. Ich hatte Glück, China wies mich nicht ab und ich stieß auf eine spannende Welt, die es für mich zu entdecken galt und immer noch gilt. In diesem ersten Jahr konnte ich viel reisen und viel vom Land sehen. Das war der Beginn. Dann habe ich in Hamburg Sinologie und Germanistik studiert und bin nach meinem Abschluss Anfang 2007 direkt wieder nach Peking gekommen – ich sage übrigens lieber Beijing statt Peking, auch Guangzhou statt Kanton, was ich als zeitgemäßer empfinde, fürchte aber, damit an den institutionellen Richtlinien von anno dazumal zu scheitern, doch das ist ein anderes Thema. Nach einigen Einblicken in die Arbeitswelt, habe ich Anfang 2009 unter dem Namen Kulturgut begonnen, freiberuflich Kunst- und Kulturprojekte zwischen Deutschland und China zu generieren. Das scheint der Aufmerksamkeit des Goethe-Instituts Peking nicht entgangen zu sein und nun sitze ich an einer nicht unwesentlichen Quelle des Kulturaustausches. 

3) In welcher Weise hat die Begegnung mit China Ihr Schaffen oder Ihr Leben beeinflusst? 

Mit China habe ich mittlerweile seit einem Drittel meines Lebens und seit der Hälfte meines bewussten Lebens zu tun. China empfinde ich also eher als einen Teil von mir, nicht wie Deutschland als einen, in den ich hineingeboren wurde, sondern als einen – wenn auch mehr durch Zufall – gewählten. Beide, Deutschland besonders auch durch den Abstand, sind zu zwei Polen geworden, es sind zwei ineinandergreifende Ebenen, in denen ich mich aufhalte, die mich prägen, den Horizont zu verwalten. 

4) Was war Ihr schönstes Erlebnis in China? 

Ich freue mich über kleine Sachen. Schön finde ich, wenn ich auf der Straße von Chinesen nach dem Weg gefragt werde. Oder jetzt gerade als ich nach einem längeren Sommeraufenthalt wieder nach Hause kam und von meinem Obstverkäufer oder von Nachbarn im Fahrstuhl freudig mit „Du bist zurück!“ begrüßt wurde. 

5) Was war Ihr unerfreulichstes Erlebnis in China? 

Allgemein das leider immer noch präsente Kolonialismusdenken mancher Ausländer hier. Aber es wird besser. 

6) Haben Sie eine chinesische Lieblingsspeise? 

Maodou, die eingelegten Bohnen, die man hier hauptsächlich im Sommer als Snack zum Bier reicht. 

7) Was ist für Sie „typisch chinesisch“? 

Gelassenheit. 

8) Welche Kulturleistung aus China beeindruckt Sie am meisten? 

Die literarische Leistung der 5 chinesischen Klassiker, insbesondere des Hongloumeng (Traum der roten Kammer) und des Xiyouji (Reise in den Westen) und deren enorme Kosmen über alle dies- und jenseitigen Lebensbereiche hinaus. 

9) Mit wem in China würden Sie gerne einen Tag tauschen? 

Die Abgebrühtheit eines der Herren der 500 Familien, die das Land regieren, würde mich schon reizen. 

10) Welche Gewohnheit oder Idee aus China würden Sie gerne in Deutschland übernehmen? 

Wiederum Gelassenheit und ein gelegentliches Mei banfa-Sinnen – wenn auch gerne in Maßen. Die kleinkrämerische Selbstjustiz mit in den Bart genuschelten Vorwürfen in Deutschland macht mich wahnsinnig.

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