Porträt Su Tong (苏童)

Su Tong
Su Tong | © Su Tong

Der Schriftsteller Su Tong ist in Deutschland durch mehrere Romane und Erzählungen bekannt. Im August 2008 erschien Die Tränenfrau. Zu seinen liebsten Erinnerungen an Deutschland gehören drei Monate in Leizpig, die ihm genügend Gelegenheit boten, deutsches Bier zu kosten.

Su Tong, einer der wichtigsten zeitgenössischen Autoren Chinas, wurde 1963 in Suzhou geboren. Mit 20 Jahren veröffentlichte er seine ersten literarischen Werke. Zu seinen bekanntesten Veröffentlichungen zählen unter anderem die Werke Reis, Rouge und Eine Scheidungsanleitung. Für die Verfilmung des Romans Eine Schar von Frauen und Nebenfrauen unter dem Filmtitel Rote Laterne erhielt Su Tong eine Auszeichnung der Venediger Filmfestspiele. Die gleichnamige Verfilmung des Romans Rouge wurde 1995 auf der Berlinale mit dem silbernen Bären für die visuelle Gestaltung ausgezeichnet. Mehrere Romane von Su Tong sind auf Deutsch erschienen, zuletzt Die Tränenfrau im August 2008. Su Tong besuchte Deutschland bereits mehrere Male, im Jahr 2007 nahm er im Rahmen der Veranstaltungsreihe Deutschland und China – Gemeinsam in Bewegung an einem deutsch–chinesischen Autorenaustausch teil und lebte 3 Monate in Leipzig.

1) Womit haben Sie sich in der letzten Zeit beschäftigt?

Derzeit bin ich mit der Überarbeitung eines Romans beschäftigt, den ich, wie es der Zufall so will, 2007 in Leipzig begonnen habe. Sollte ich mit diesem Roman Erfolg haben, so ist dieser sicherlich der Ruhe und der guten Luft in Leipzig zu verdanken.

2) Wo und wie kamen Sie zum ersten Mal in Berührung mit Deutschland?

Meine erste Auslandsreise im Jahr 1993 führte mich nach Deutschland. Mit zwei weiteren Kollegen, Liu Zhenyun und Yi Lin, nahm ich an einem vom Goethe-Institut organisierten Treffen chinesischer Autoren teil. Die Hauptveranstaltungen fanden in Berlin statt. Wir drei wohnten in einer Wohnung, die uns jemand für diese Zeit zur Verfügung gestellt hatte. Ich kann mich noch genau erinnern, die Wohnung befand sich in der Feldgartenstraße. Damals besuchten wir außerdem Schwerin im ehemaligen Osten Deutschlands sowie Frankfurt im Westen. Bis heute ist mir diese Reise in lebhafter und schöner Erinnerung geblieben.

3) In welcher Weise hat die Begegnung mit Deutschland Ihr Schaffen oder Ihr Leben beeinflusst?

Das ist eine sehr umfangreiche Frage, es fällt mir schwer, sie hier zu beantworten.

4) Was war Ihr schönstes Erlebnis in Deutschland?

Ich war bereits vier Mal in Deutschland. Am schönsten empfand ich bisher die drei Monate, die ich alleine in Leipzig verbracht habe. Ich probierte mit Begeisterung jede deutsche Biersorte, die ich im Supermarkt finden konnte. Sie schmecken fast alle ausgezeichnet. Ich erinnere mich wie ich im Zug sitze und bei einem Glas deutschen Bier die vorbeiziehende Landschaft beobachte, das waren für mich die schönsten Erlebnisse in Deutschland.

5) Was war Ihr unerfreulichstes Erlebnis in Deutschland?

Daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Sicherlich gab es auch weniger Erfreuliches, aber ich erinnere mich nur an die schönen Dinge, die Schlechten habe ich vergessen.

6) Haben Sie eine deutsche Lieblingsspeise?

Einige Wurstsorten sind sehr lecker. Und gebratene Pilze.

7) Was ist für Sie typisch deutsch?

Sehr typisch finde ich die deutschen Küchengeräte. Sie halten ewig, sind praktisch und leicht zu bedienen, sind solide und stabil und vor allem technisch sehr raffiniert.

8) Welche Kulturleistung aus Deutschland beeindruckt Sie am meisten?

Die deutsche Kultur ist in der Tat sehr reichhaltig und vielfältig. Philosophie, Religion, Musik, Literatur, Architektur, Kunst, all das verdient unsere größte Bewunderung. Aber wenn Sie einen wie mich nach der deutschen Kultur fragen, können wir auch genauso gut über das Meer sprechen. Jemand, der wie ich kein Deutsch versteht, kann die deutsche Kultur nur sehr schwer richtig beurteilen.

9) Mit wem in Deutschland würden Sie gerne einen Tag tauschen?

Schwer zu sagen. Vielleicht mit Goethe – zumindest hypothetisch.

10) Welche Gewohnheit oder Idee aus Deutschland würden Sie gerne in China übernehmen?

Das will ich gar nicht. So etwas lässt sich nicht mitnehmen.