Porträt Peter Ruzicka

Peter Ruzicka
Peter Ruzicka | 攝影:Anne Kirchbach

Im Oktober 2010 dirigiert er das China Philharmonic Orchestra in Peking anlässlich der Uraufführung seines Werkes Hölderlin Symphonie.

Peter Ruzicka, 1948 in Düsseldorf geboren, studierte am Hamburger Konservatorium zunächst Klavier, Oboe und Kompositionstheorie, bevor er im Anschluss daran seine Kompositionsstudien bei Hans Werner Henze und Hans Otte aufnahm. Sein darauffolgendes Studium der Rechts- und Musikwissenschaften in München, Hamburg und Berlin schloss er 1977 mit der Promotion ab. Für seine kompositorische Tätigkeit erhielt Ruzicka zahlreiche Preise und Ehrungen wie z. B. den Louis Spohr Musikpreis. Seine Werke werden von führenden Orchestern und Ensembles aufgeführt.

Nach Tätigkeiten als Intendant des Radio-Symphonie-Orchesters Berlin, der Staatsoper Hamburg sowie der Hamburger Philharmoniker übernahm er 1996 die künstlerische Leitung der Münchener Biennale. Darüberhinaus ist er seit 1990 Professor an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Als Intendant hatte er von 2001 bis 2006 die künstlerische Leitung der Salzburger Festspiele inne.

Als Dirigent leitete Ruzicka zahlreiche Orchester im In- und Ausland. Im Oktober 2010 dirigiert er das China Philharmonic Orchestra in Peking anlässlich der Uraufführung seines Werkes Hölderlin Symphonie im Rahmen des Beijing Music Festival.

1) Womit haben Sie sich in der letzten Zeit beschäftigt?

Als Komponist war ich mit einem größeren neuen Orchesterwerk befasst. Als Dirigent bereite ich die Programme für meine bevorstehenden Konzerte in China vor, am 8. Oktober in Guangzhou und am 17. Oktober in Peking. Und als Intendant der Münchener Biennale habe ich in diesem Jahr die Uraufführung der Oper Die Quelle von Can Xue (残雪) und Wang Lin (王琳) herausbringen dürfen.

2) Wann und wie kamen Sie zum ersten Mal in Berührung mit China?

Nach mehreren touristischen Besuchen in den neunziger Jahren war ich in den Jahren 2006 und 2008 zwei Mal als Komponist und Dirigent beim Beijing Music Festival vertreten und habe das China Philharmonic Orchestra geleitet.

3) In welcher Weise hat die Begegnung mit China Ihr Schaffen oder Ihr Leben beeinflusst?

Ich denke gerne an Kompositionskurse und Seminare zurück, zu denen ich an das Central Conservatory of Music in Peking eingeladen war. Der künstlerische und persönliche Kontakt mit den chinesischen Studentinnen und Studenten hat mich sehr inspiriert und bereichert.

4) Was war Ihr schönstes Erlebnis in China?

Natürlich zum ersten Mal in meinem Leben auf der chinesischen Mauer – bei Badaling – stehen zu dürfen…

5) Was war Ihr unerfreulichstes Erlebnis in China?

Ein großes Unwetter auf Hainan.

6) Haben Sie eine chinesische Lieblingsspeise?

Peking-Ente – übrigens auch in Hamburg, wo es hierfür ein berühmtes Lokal gibt.

7) Was ist für Sie „typisch Chinesisch“?

Aufgeschlossenheit, Neugier, Freundlichkeit, Fleiß…

8) Welche Kulturleistung aus China beeindruckt Sie am meisten?

Die Öffnung zu einer modernen Gesellschaft und der enorme Fortschritt der Produktivität.

9) Mit wem in China würden Sie gerne einen Tag tauschen?

Mit dem chinesischen Kulturminister.

10) Welche Gewohnheit oder Idee aus China würden Sie gerne in Deutschland übernehmen?

Mich berührt sehr die besondere chinesische Höflichkeit bei persönlichen Begegnungen, etwa bereits bei der „zeremoniellen“ beidhändigen Übergabe von Visitenkarten. Ich wünschte mir eine solchermaßen „persönliche“ Gestik auch in Europa.