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Chinesischer Pavillon zu Dresden
Chinesischer Pavillon zu Dresden: Ein Dach für Begegnungen

Dresden Weisser Hirsch Lesehalle
Dresden Weisser Hirsch Lesehalle | ©Verein „Chinesischer Pavillon zu Dresden“

Ein deutscher Verein begeht seinen dreijährigen Geburtstag: Im Januar 2006 gründeten einige Dresdner Bürger den Verein „Chinesischer Pavillon zu Dresden“. Und schickten sich damit an, ein Stück deutsch-chinesischer Geschichte dem Vergessen zu entreißen.

Von Dr. Dagmar Lorenz

„Chinesische Pavillons“ gibt es in zahlreichen historischen Parkanlagen Deutschlands. Sie wurden von Europäern für Europäer gebaut: als Rokokophantasien über ein imaginäres China. Mit dem damaligen China selbst und seiner Architektur hatten diese meist rundförmigen Tempelchen so gut wie nichts gemein. Anders hingegen der Chinesische Pavillon im Stadtteil „Weißer Hirsch“ bei Dresden: Hier handelt es sich um das einzige wirklich originale Gebäude aus dem kaiserlichen China, das in Deutschland erhalten ist.

Chinesische Villa auf sächsischem Grund

Errichtet wurde die chinesische Villa im Jahre 1911 von der – damals noch kaiserlichen – chinesischen Regierung. In Shanghai gefertigt und in hölzernen Einzelteilen nach Deutschland verschifft, diente die traditionelle Hallenkonstruktion als Ausstellungspavillon, mit dem sich das chinesische Kaiserreich kurz vor seinem Untergang auf der Ersten Internationalen Hygiene-Ausstellung in Dresden präsentierte. Damals reiste außerdem ein hochrangiger kaiserlicher Beamter nach Dresden, der sich – mit ausdrücklicher Empfehlung der deutschen Behörden versehen – über moderne Verwaltungstechniken in Sachsen informierte. 

Desolater Zustand

So weiß es jedenfalls Dr. Malte von Bargen zu berichten. Gemeinsam mit anderen Bürgern aus Dresden beschloss der Jurist vor drei Jahren, den chinesischen Pavillon „aus seinem desolaten Zustand zu befreien“. In einem ziemlich heruntergekommenen Zustand war das Gebäude tatsächlich. Ein Brand, der 1997 in dem dort untergebrachten Chinarestaurant ausbrach, hatte das Innere der Villa fast vollständig zerstört. Die noch verwertbaren Teile wurden gestohlen, das Haus selbst drohte zu verfallen. Es war der Tiefpunkt in der wechselvollen Geschichte des ehemaligen Ausstellungspavillons. Nach dem Ende der Internationalen Hygieneausstellung 1912 hatte ihn zunächst die Gemeinde „Weißer Hirsch“ gekauft und ihn im Rathausgarten neu errichtet. In den Jahrzehnten danach diente die chinesische Villa als Lesehalle und Kurcafé. Auch zu DDR-Zeiten wurde das Gebäude als Lesecafé genutzt. Nach der deutschen Wiedervereinigung eröffnete hier 1992 das erste chinesische Restaurant in Dresden. Dann – nach dem fatalen Brand des Jahres 1997 - schien der endgültige Verfall des Pavillons schon fast besiegelt.

Aufbaupläne

Doch inzwischen engagiert sich die Bürgerinitiative um Dr. Malte von Bargen für den originalgetreuen Wiederaufbau des Pavillons. Der Verein warb bei Stiftungen und Institutionen um Fördergelder, kaufte das Grundstück von der Stadt, entwickelte einen Wiederaufbauplan und schaltete die Denkmalpflege ein. Inzwischen liegt eine Baugenehmigung vor. Und man hat es sogar schon geschafft, die große Halle im klassischen Stil wiederherzustellen. Am 24. August 2007 fand hier eines jener Konzerte statt, mit deren Erlös die deutsche Stiftung Denkmalschutz und der Deutschlandfunk den Wiederaufbau von Baudenkmälern in den östlichen Bundesländern fördert. Im chinesischen Pavillon spielte die Slowakische Sinfonietta vor 140 Zuhörern. Von der „vorzüglichen Akustik“ des Raumes schwärmt Dr. Malte von Bargen noch heute. Dennoch sei natürlich noch „eine Menge zu tun“. Das Dach und die Holzkonstruktion seien inzwischen weitgehend saniert, nun hofft man, demnächst das Terrassendach und das Sockelgeschoss erneuern zu können. Und natürlich müsse man sich noch um den Einbau der Fenster kümmern: ein „schwieriger Prozess“ und eine anspruchsvolle Handwerksarbeit, denn es gelte, sie nach originalgetreuen Vorbildern und Maßstäben altchinesischer Architektur zu zimmern.

Ort für Begegnungen

Die Sanierung des chinesischen Pavillons ist kein Selbstzweck. Die Villa soll als Stätte deutsch-chinesischer Begegnung genutzt werden. Ein Unternehmerkolloquium zum Thema China hat bereits stattgefunden, das nächste Kolloquium dieser Art soll im Frühjahr veranstaltet werden. Eine Fotoausstellung China in Dresden und ein Lampionfest für alle Dresdner Bürger wurden ebenfalls schon organisiert. Da sich unter den Mitgliedern des Vereins auch Dresdner Hochschulen finden, die den Austausch mit chinesischen Bildungsinstitutionen pflegen, bieten sich weitere Projekte an. Außerdem soll das Haus nach der Fertigstellung auch gastronomisch bewirtschaftet werden. Aber so weit ist es noch nicht. Vorläufig hofft Dr. Malte von Bargen auf weitere finanzielle Mittel aus der Denkmalschutzförderung für den Weiterbau – damit Geschichte und Zukunft des Pavillons künftig auf sicherem Fundament ruhen.

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