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Band des Monats
Die Goldenen Zitronen

Fünf männer mit bunten Umhängen
Die Goldenen Zitronen | Foto: Frank Egel

Musik, Politik, Chaos und das tägliche Leben. Wirft man all dies zusammen in einen Topf, so erhält man: Die Goldenen Zitronen. Mit ihren chaotischen Auftritten, ihrer dauerhaften Kritik an Politik und Gesellschaft und einem einprägsamen Musikstil des Fun-Punks wurde die Hamburger Band in Deutschland bekannt.

 

Gegründet wurde die Band im Jahre 1984 von Schorsch Kamerun (Gesang), Ale Sexfeind (Schlagzeug), Aldo Moro (Gitarre/Bass) und Ted Gaier (Bass/Gitarre). Alle vier waren Teil der damaligen Punkszene in Hamburg, die sie durch ihre Philosophie des „Punks im Punk“ weiter aufwirbelten, um der Humorlosigkeit der Szene entgegenzuwirken. Im Laufe der Jahre hat sich ihr Musikstil verändert. Aus dem anfänglichen Fun-Punk wurde ein nicht leicht einzuordnender Musikstil, der eines aber auf jeden Fall behalten hat: seine Kritik…
 

„Ich gebe mich selbst als stark in einzelnen
In einer Feindbild-Produktion
Zünde lustvoll Nebelkerzen
Mit der sich Hektik erzeugen lässt
Pausenlose Sensationsmeldungen
Die jene Wahrnehmung zerstäuben sollten
Ich gebe Katastrophenberichte
Für permanente Aufgewühltheit
Epische Terrorwarnungen
Die in Panik versetzen müssten…“
(Nützliche Katastrophen – Album: More than a feeling – 2019)


Dabei werden aktuelle Themen und Ängste der Gesellschaft aufgegriffen, wie Migration oder die neuen rechtspopulistischen Präsidenten einiger Länder. Mit einer großen Portion Sarkasmus und Gesellschaftskenntnis verbauen sie in ihren Liedern sehr viel Inhalt in wenigen Zeilen. Dadurch sind ihre Lieder keine einfache Kost, wohl aber eine wertvolle.

Die Presse über die Goldenen Zitronen

„35 Jahre Bandgeschichte. Die Goldenen Zitronen sind nimmermüde im Aufbegehren gegen Widrigkeiten und Manipulationen“ schrieb der Deutschlandfunk am 02.02.2019. „Ob man es mit Frank-Walter Steinmeiers ‚Deutschland-Plan‘ vergleicht oder der Agenda von Schwarz-Gelb: Das aktuelle ‚Krisenpapier‘ der Goldenen Zitronen ist ein Produkt von bestrickendem Charme“ (Die Zeit, 2009). Die Goldenen Zitronen sind eine der wohl ältesten linken Bands Deutschlands und dementsprechend auch in den Medien nicht unbekannt. Insbesondere in ihren Jubiläumsjahren werden sie auf ihre Alterstauglichkeit überprüft. Das Resultat der meisten Zeitungen: Die Band wird zwar älter, aber nicht ruhiger.

Auch ihr zu jeder Zeit ausgefallener Kleidungsstil macht auf sich aufmerksam. Waren es zu Beginn ihrer Karriere noch zu dieser Zeit uncoole Klamotten wie Schlafanzüge und Schlaghosen, so sind es heute nicht weniger ungewöhnliche Kleidungsstücke: „Seidenhaft glänzen die Stoffe, verschnörkelt schimmern die bedruckten Arabesken: Farbenprächtige Kostüme haben sie sich übergeworfen, die betagten Herren der seit 35 Jahren unbequem diskursiven Punk-Band Die Goldenen Zitronen“ (Deutschlandfunk, 02.02.2019). Die Band möchte eben nicht nur durch ihre Musik Kontroversen schaffen, sondern auch durch ihr Aussehen.

Bei all dem Wirbel um die Goldenen Zitronen stellt sich abseits der Musik noch eine Frage: Was ist eigentlich die Geschichte hinter den Personen, die die Goldenen Zitronen gegründet haben?

Schorsch Kamerun, Ale Sexfeind, Aldo Moro und Ted Gaier

Schorsch Kamerun wurde 1963 in Timmendorfer Strand als Thomas Sehl geboren. Neben seiner Tätigkeit in der Band Die Goldenen Zitronen betrieb er zusammen mit Rocko Schamoni (Tobias Albrecht) den Golden Pudel Club in Hamburg, der als Szeneclub bekannt ist, und ist als Solokünstler tätig. Des Weiteren arbeitet er seit einigen Jahren als Theaterregisseur und Autor.

Ale Sexfeind (auch Ale Dumbsky) gründete sowohl die Goldenen Zitronen als auch zusammen mit Ted Gaier das Musiklabel Buback, welches er bis 2004 weiter ausbaute. Er verließ die Goldenen Zitronen bereits im Jahre 1990 und war danach in weiteren Bands sowie dem Projekt Naked Navy beschäftigt. Sein Künstlername Ale Sexfeind ist eine Hommage an die britische Band Alien Sex Fiend.  

Aldo Moro stammt genauso wie Schorsch Kamerun aus Timmendorfer Strand und zog in den 1980er Jahren nach Hamburg. Dort war er einer der Mitbegründer der Goldenen Zitronen, bei denen er bis 1994 Bass und Gitarre spielte.     

Ted Gaier wurde 1964 in Stuttgart geboren und gründete sowohl die Goldenen Zitronen als auch das Musiklabel Buback. Bei den Goldenen Zitronen ist er Texter, Bassist, Gitarrist und Keyboarder gleichzeitig. Neben seinem Musikerdasein bei den Goldenen Zitronen ist er auch als Regisseur und Darsteller tätig.

Sie alle verbindet neben der früheren Wohnung in der Buttstrasse in der Nähe des Hamburger Fischmarkts vor allem ihre politische Sichtweise und natürlich ihr Faible für die Musik.

Musik, Politik und deren Konsequenzen

Im Laufe der Jahre waren die Musiker aufgrund ihrer offensichtlichen politischen Einstellung Angriffen durch die rechte Szene ausgesetzt. Im Rahmen eines Konzertes in Hoyerswerda kam es zu tätlichen Angriffen durch Neonazis. Dabei wurde die Band mit ihrem Tourbus in einen Hinterhalt gelockt und ihr Fahrer durch Neonazis verletzt. Laut der Band wurde eine schlimmere Eskalation der Ereignisse nur durch das geistesgegenwärtige Handeln von Bandmitglied Aldo Moro verhindert, welcher trotz fehlenden Führerscheins den Bus aus der Gefahrenzone fuhr.

Trotz dieser Ereignisse ließ die Band sich nicht davon abhalten, ihren politischen Punk weiter zu verbreiten. Dies geschah nach dem Vorfall zunächst drei Jahre lang nur im Rahmen von Solidaritätskonzerten, bald aber auch wieder auf eigenen Konzerten. Eine Antwort nach Hoyerswerda gab es am Ende ebenfalls durch den Song “80 Millionen Hooligans/die Bürger von Hoyerswerda”. Grund für das Lied war ein vorausgegangener Pogrom gegen Asylbewerber in der Stadt.

Fast 36 Jahre und immer noch kein Ende in Sicht…

Seit fast 36 Jahren sind die Goldenen Zitronen nun im Musikgeschäft, ein Ende ist noch lange nicht in Sicht. Mit nie endender Energie und dem ständigen Willen zu kritisieren werden sie uns wohl auch die nächsten Jahre mit ihrer Musik bereichern. Die Themen für ihre Songs werden ihnen aufgrund der ständigen politischen und gesellschaftlichen Krisen in Zukunft ebenfalls nicht ausgehen. Aus diesem Grund: Ohren auf für die Goldenen Zitronen…

„…Das bisschen Totschlag bringt uns nicht gleich um, sagt mein Mann
Ich kann den ganzen Scheiß einfach nicht mehr hör’n, sagt mein Mann
Ist ja gut jetzt, altes Haus, wir haben schon Schlimmeres geseh’n
Und ich sag noch: ‚Lass uns endlich mal zur Tagesordnung übergeh’n‘
Right!“

(Das bißchen Totschlag – Album: Das bißchen Totschlag – 1994)

DISKOGRAPHIE:

1987: Porsche, Genscher, Hallo HSV
1988: Kampfstern Mallorca dockt an
1990: Fuck you
1991: Punkrock
1994: Das bisschen Totschlag
1996: Economy Class
1998: Dead school Hamburg
2001: Schafott zum Fahrstuhl
2002: Aussage gegen Aussage (Best Of)
2006: Lenin
2009: Die Entstehung der Nacht
2013: Who’s Bad
2015: Flogging a Dead Frog
2019: More Than a Feeling

 

Band des Monats auf Spotify

Hände und Gitarre © Colourbox.com, ldutko Jeden Monat stellen wir euch eine Band oder eine*n Sänger*in aus einem deutschsprachigen Land vor – den Musikstilen sind keine Grenzen gesetzt. Mit dieser Playlist könnt ihr in die Musik der vorgestellten Künstler*innen hineinschnuppern.

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