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Band des Monats
Wilhelmine

Frau mit gelbem Pulli sitzend
© Kayra Aslan

Die Künstlerin Wilhelmine macht fröhliche Popmusik – und behandelt damit ernste Themen. Die 30-jährige Berlinerin veröffentlichte im Oktober 2019 ihr erstes Lied mit dem Titel Meine Liebe, womit ihr der musikalische Durchbruch gelang.

Von Lola Berg

Jugend in Kreuzberg und im Wendland

Während ihrer frühen Kindheit Anfang der 1990er Jahre lebt die Sängerin Wilhelmine auf dem ausgebauten Dachboden eines besetzten Hauses in Berlin-Kreuzberg. Als sie sechs Jahre alt ist, ziehen ihre Eltern aus Protest gegen die Atommüll-Transporte mit ihr ins Wendland, ein Gebiet in Niedersachsen, wo sie ihre Jugend verbringt. Hier entdeckt sie schon früh ihr Gesangstalent – im Rahmen des schulischen Musikunterrichts. Mit ihrer ersten Band "Direkt", die sie mit vier anderen Mädchen gründet, macht die Sängerin Straßenmusik, covert bekannte Lieder und erkundet, „wie es sich anfühlt, vor Menschen aufzutreten“.

Karriere in Berlin

Bald nach dem Abitur geht es zurück nach Berlin, wo der Traum, von der Musik leben zu können, nach und nach Gestalt annimmt. Der Anfang ist nicht leicht; während sie ihre ersten Lieder schreibt und sich musikalisch weiterentwickelt, finanziert Wilhelmine ihr Leben mit Teilzeitjobs. Schließlich wird sie von dem Major-Label Warner Music Group unter Vertrag genommen. Dies scheint ihr der beste Weg zu ihrem Ziel zu sein: Erfolg zu haben, ohne ihre Identität und Originalität als Künstlerin aufgeben zu müssen. Am 11. Oktober 2019 veröffentlicht die Sängerin ihre erste Single Meine Liebe und gibt ein Konzert im Berliner Admiralspalast – vor einem Publikum von 2000 Menschen.

"Selbsterkundungs-Pop"

Auf den ersten Blick und beim ersten Hören erinnert Wilhelmines Musik an Mainstream-Hits; meist leicht und fröhlich laden die Lieder zum Mitsingen und Mittanzen ein. Die Videoclips mit ihren intensiven Farben und starken Kontrasten unterstreichen diesen Eindruck. Doch die Texte behandeln eine Bandbreite von ernsten, teils sehr persönlichen Themen, die zu diesem Image scheinbar im Gegensatz stehen. Diskriminierung, Drogensucht, die Suche nach der eigenen Identität: all dies beschäftigt die Sängerin.

Dieser Unterschied zwischen Text und Melodie ermöglicht es ihr, mit ihren Themen auch bei einem Publikum Anklang zu finden, das ansonsten für solche Inhalte weniger empfänglich ist. Dieser Effekt war jedoch kein von Anfang an festgesetztes Ziel, denn für Wilhelmine ist Authentizität entscheidend: Sie schreibt, was sich für sie gut anfühlt, ihre Emotionen transportiert und ihre Geschichten erzählt. Die Sängerin selber bezeichnet ihre Musik als „Selbsterkundungs-Pop“ oder „Selbstliebe-Pop“, als „Popmusik [...], die etwas sagen möchte“.

COMING-OUT MIT DER DEBÜT-SINGLE MEINE LIEBE

Dies gilt auch für Wilhelmines Debüt-Single Meine Liebe, die gleichzeitig ihr Coming-Out-Lied ist. Vor dem Hintergrund eines grünen Feldes, das am Horizont mit dem leicht bewölkten Himmel verschmilzt, singt Wilhelmine mit vom Wind zerzaustem Haar: „Ich verlieb mich viel zu gern / um mich dafür zu erklären / wie es ist für mich / mit einer Frau an meiner Hand / warum ist meine Liebe deine Rede wert? / ohne wären wir doch alleine“.
 

Der Text behandelt ihre Liebe zu einer Frau und die Tatsache, dass sie diese Liebe, dort wo sie ist, nämlich auf dem Land, nicht frei ausleben kann. Der Wut und der Traurigkeit angesichts der fehlenden Akzeptanz der Außenwelt ist jedoch auch die Entschlossenheit beigemischt, sich und ihre Liebe nicht weiter verstecken zu wollen. Das Lied ist stark autobiographisch geprägt – die offen lesbische Sängerin erfuhr bereits in ihrer Jugend Homophobie und Diskriminierung. Doch lässt sie sich nicht davon abhalten, zu sich selbst zu stehen und zu sagen, wer sie ist: „Ich positioniere mich, bin mit einer Frau zusammen, gehe damit offen um und möchte gern andere Künstlerinnen ermutigen, sich zu outen. Und ich werde auf jeden Fall auf CSDs spielen!“ –  erklärt sie in einem Interview.

Drip und was danach kommt

Ihr neuester Song Drip, den sie während des Lockdowns erarbeitete, behandelt eine für das Instagram-Zeitalter zentrale Fragestellung: Inwieweit entspricht der nach außen vermittelte Eindruck der tatsächlichen Lebensrealität? Der Text basiert auf den eigenen Erfahrungen der Sängerin in den sozialen Netzwerken. Auch in diesem Fall steht Wilhelmine für Ehrlichkeit und Authentizität und transportiert mit ihrem Lied eine wichtige Botschaft: Das, was Menschen von ihrem Leben preisgeben, ist meist nur ein treffend gewählter Ausschnitt des Gesamtbildes, wohinter sich oft eine viel ambivalentere, dafür aber auch menschlichere, Realität verbirgt.
 

Wie geht es nun weiter? Während der letzten zwei Jahre hat Wilhelmine zahlreiche Lieder geschrieben, alleine während des Lockdowns kamen 15 neue dazu. Ein neues Album ist schon in Bearbeitung und im März 2021 soll ihre erste Tour Komm wie du bist starten. Wir bleiben gespannt!

 

DISKOGRAPHIE:

EP: Komm wie die bist (2020)

Singles:
Meine Liebe (2019)
Du (2019)
Komm wie du bist (2020)
Solange du dich bewegst (2020)
Das Mädchen mit der Latzhose (2020)
Drip (2020)
 

Band des Monats auf Spotify

Hände und Gitarre © Colourbox.com, ldutko Jeden Monat stellen wir euch eine Band oder eine*n Sänger*in aus einem deutschsprachigen Land vor – den Musikstilen sind keine Grenzen gesetzt. Mit dieser Playlist könnt ihr in die Musik der vorgestellten Künstler*innen hineinschnuppern.

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