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Band des Monats
Danger Dan

Danger Dan und ein Hund schauen in die Kamera.
Danger Dan | © Jaro Suffner

Brachte man Danger Dan alias Daniel Pongratz bisher meist in Verbindung mit der Hip-Hop Gruppe Antilopen-Gang, überraschte der Aachener Künstler in diesem Jahr die deutschsprachige Musikwelt mit einem weiteren Solo-Album. Statt Beats und Hip-Hop wagte der Musiker diesmal jedoch den Spagat zu Gesang und Klavier und erreichte damit millionenfache Klicks auf You Tube und Spotify.
 

Von Helena Kappes

Vom Anzugverkäufer zum Hip-Hop Musiker

Danger Dan war in seinem Leben schon vieles: Als Anzugverkäufer, Inkassomann, Zeitungskurier, Lehrer für Zirkuskinder, Statist und mit weiteren Jobs finanzierte er sich seinen Lebensunterhalt. Ein Studium im Bereich der Musiktherapie in den Niederlanden, welches er dank seiner bravourösen Aufnahmeprüfung beginnen konnte, gab er nach der Bekanntschaft mit der Reggae-Band Jin Jin aus Aachen zu Gunsten der Musik auf. Nach sieben gemeinsamen Jahren zog Pongratz weiter und führte im Auftrag des Goethe-Instituts weltweit Theater- und Musikprojekte durch.
2009 gründete er gemeinsam mit seinem Bruder Panik Panzer (Tobias Pongratz), Koljah (Kolja Podkowik) sowie dem bereits verstorbenen NMZ (Jakob Wich) die Hip-Hop Gruppe Antilopen-Gang. Bereits 2014 warnten sie in ihrem Song „Beate Zschäpe hört U2“ vor der wachsenden Gefahr von rechts. Ein Jahr später sicherten sich die Musiker den New Music Award sowie den VIA Award in der Kategorie „Bester Newcomer“ und bekamen im Rahmen ihres politischen Engagements gegen Rechtsextremismus den Amadeu-Antonio-Preis verliehen.
 

„Ich wär nicht wirklich Danger Dan/ Wenn ich nicht Lust hätte auf ein Experiment…“

Neben Alben und Konzerten mit der Antilopen-Gang hat Danger Dan aber auch immer eigene Projekte verfolgt. Im Corona-Lockdown 2020 entdeckte der Künstler sein Kindheitsinstrument, das Klavier für sich wieder. Zwar kamen seine Spielfähigkeiten auch bei Live-Auftritten der Antilopen-Gang immer wieder zum Einsatz, nun aber wagte er sich an die Komposition ganzer Klavierstücke. Daraus entstanden sind Lieder, die so ganz anders klingen als die vorherigen. Statt als Rapper tritt Danger Dan auf dem Album mit dem Titel „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ als Liedermacher mit Klavierbegleitung in Erscheinung. Gegenüber der Zeit gestand er aber, dass er sich „dieses Klavierding auch tatsächlich einfacher vorgestellt“ habe. Schnell könne man in beliebige Melodien und kitschige Phrasen abrutschen. Der Balanceakt ist ihm jedoch gelungen. Der Musikjournalist Alex Barbian beschreibt das Endergebnis als „balladenartig-kabarettistische Form der Kunstperformance“, in der Pongratz als eine Mischung aus „Hannes Wader und Comedian Harmonists“ auftrete.

„Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt…“

Die zuvor ausgekoppelte Single „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“, die namensgebend für das Album ist, hatte bereits bei ihrer Veröffentlichung große Aufmerksamkeit erregt und polarisiert. In Metaphern und unter zahlreicher Verwendung des Konjunktivs teilt Danger Dan namentlich gegen Vertreter der rechten deutschen Szene aus. „Juristisch wär die Grauzone erreicht / Doch vor Gericht machte ich es mir wieder leicht“, singt er provokativ „Zeig mich an und ich öffne einen Sekt / Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt.“

In der Melodieführung sehr einfach gehalten, findet der Künstler deutliche Worte gegen die Verschiebung des Sagbaren nach rechts. Dabei entlarvt er die manipulative Methoden der Rechtsextremen, indem er diese mit ihren eigenen Waffen schlägt. In den Zeilen „Und man vertraut auch nicht auf Staat und Polizeiapparat / Weil der Verfassungsschutz den NSU mit aufgebaut hat“ prangert er reale Probleme wie rassistische Polizeigewalt sowie die Verstrickungen zwischen der rechten Szene sowie Polizeiapparat und Sicherheitsbehörden an.
Das Album selbst ist voll musikalischer Erzählungen. In dem Lied „Ingloria Victoria“ rechnet Danger Dan in einer Art offenen Brief mit seiner ehemaligen Schule ab. Diese schmückt sich Medienberichten zu folge auf Wikipedia mit seinem Namen. Das Gymnasium hatte ihn jedoch verwiesen, weil er „nicht arbeitsam und tugendhaft“ gewesen sei und nicht „Im preußischen Sinne ähnlich 'nem Roboter, der Ja und Amen sagt / Und die Vokabeln lernt und andere verpfeift“. Der rhythmisch gehaltene Song „Das schreckliche Buch“ setzt sich mit einem Verleger auseinander, der ein Manuskript aufgrund von Realitätsferne als Romanidee ablehnt. Der springende Punkt ist jedoch, dass in dem Buch lediglich politische Ereignisse und Gegebenheiten auf Querdenkerdemonstrationen in den letzten Jahren beschrieben werden. Der Musiker kommentiert, dass „die schlimmsten Geschichten das Leben wohl selbst“ schreibe. Leise Töne dagegen werden in „Trotzdem“ angeschlagen. In der Ballade reflektiert Danger Dan selbstkritisch, dass es immer jemanden geben werde, der die eigenen Fähigkeiten übertreffe. Jedoch stellt er den individuellen Wert eines jeden Menschen in den Vordergrund: „aber meine Freundin wollte trotzdem lieber mich.“ Abgerundet wird das Album durch den Titel „Beginne jeden Tag mit einem Lächeln.“ Darin trägt der Künstler Kalenderweisheiten vor, ehe das Lied sich in Chaos und Krawall auflöst und die floskelhaften Botschaften ironisiert.
 

„Und ich fürchte, von der Fachzeitschrift/ Kriegt dieses Lied hier eine sehr schlechte Kritik…“

Diese auf dem aktuellen Album geäußerte Befürchtung sollte sich nicht als wahr erweisen. Das Solo-Werk kommt nicht nur im Internet gut an, auch Musikkritiker*innen konnte Danger Dan mit seinem Ausflug überzeugen. Bei der Verleihung des Preises für Popkultur räumte der Musiker in mehreren Kategorien ab. Auch einen der wichtigsten Kritikerpreise der deutschen Musikszene sicherte sich der Künstler. Beim Hamburger Reeperbahn-Festival gewann er den „VIA–VUT Indie Award“ der unabhängigen Musikszene als „Bester Act“ und durfte sich mit seiner Band außerdem über die Auszeichnung als „Best New Music Business“ für ihr neu gegründetes Label Antilopen Geldwäsche freuen. In der Fernsehendung ZDF Magazin Royale gab Danger Dan in Begleitung des Pianisten Igor Levit seine Ode an die Kunstfreiheit zum Besten. Eine für 2022 vorgesehene Tour durch Spielhäuser war innerhalb kürzester Zeit restlos ausverkauft. Spätestens mit diesem Album ist man auch außerhalb der Hip-Hop Szene auf Danger Dan aufmerksam geworden.
 

Diskographie:

Alben
Danger Dan – Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt (2021)
Danger Dan: Reflexionen aus dem beschönigten Leben Cover-Design (2018)
NMZS & Danger Dan: Aschenbecher (2012 )                      

EPs
Danger Dan: Dinkelbrot & Ölsardinen (2012)
Koljah (2) & Danger Dan: Traurige Clowns (2010)
Anti Alles Aktion : Coming Out EP (2008)
 

Band des Monats auf Spotify

Hände und Gitarre © Colourbox.com, ldutko Jeden Monat stellen wir euch eine Band oder eine*n Sänger*in aus einem deutschsprachigen Land vor – den Musikstilen sind keine Grenzen gesetzt. Mit dieser Playlist könnt ihr in die Musik der vorgestellten Künstler*innen hineinschnuppern.

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