Band des Monats Wanda

5 junge Männer auf der Bank sitzend, die trinken und rauchen
Wanda 2015 | ©Florian Senekowitsch

Die Wiener Band Wanda hat Mut zum Dialekt bewiesen und feiert damit seit ihrem ersten Album Amore (2014) große Erfolge. Nach einem weiteren Studio- und einem Livealbum kam der Durchbruch im deutschsprachigen Raum. Nun folgt der nächste Streich – mit Niente melden sich Wanda im Oktober zurück.

"POPMUSIK MIT AMORE"

Die Texte der Band Wanda handeln von rauschhaften Nächten und von Herz- und Weltschmerz. Das Ganze ist vorgetragen in breitem Wienerisch und mit ironischem Pathos.
Dem entgegengesetzt ist die Musik selbst: Raue und doch eingängige Popmusik wird hier vermischt mit einem schnellen Schlagzeug und krächzenden Gitarren. Besonders ist vor allem der selbstbewusst in Szene gesetzte Dialekt, das Wienerische, der Schmäh. So schaffen es Wanda als erste österreichische Band seit langer Zeit, ihr Land wieder in den Fokus deutschsprachiger Musik zu rücken und die Bezeichnung Austropop wiederzubeleben. Wanda selbst bezeichnen ihren Stil jedoch ganz mottogetreu als „Popmusik mit Amore“.

Schließlich geht es um große Themen, um Leidenschaft und den Durst nach Liebe und Leben.
In ihren Texten werden etwa Rom, Bologna oder Kairo zu Sehnsuchtsorten dafür. Im Song Bleib wo du warst wird allerdings betont: „Sterben wirst du leider in Wien!“. Denn auch das Morbide, die Faszination für das Abgründige und den Verfall gehören zu Wanda, immer mit einer gewissen ironischen Melodramatik.
Das zeigt auch die Geschichte hinter dem Bandnamen: Wanda Kuchwalek, eine Rotlichtgröße der 70er Jahre und die einzige bekannte weibliche Zuhälterin, hat in Wien den Status einer Kultfigur.
So haben die Musiker Michael Marco Fitzthum, Manuel Christoph Poppe, Christian Hummer, Reinhold Weber und Lukas Hasitschka einer ambivalenten Ikone der Wiener Halbwelt ein Denkmal gesetzt.
 
 

"WENN JEMAND FRAGT WOFÜR DU STEHST..."

Die fünfköpfige Band blickt auf eine kurze und doch erfolgreiche Geschichte zurück.
Wanda veröffentlichten zwei Jahre nach der Gründung 2012 ihr erstes Album mit dem Titel Amore - schlicht und ergreifend.
Schlag auf Schlag folgten ein weiteres Studioalbum und das Live-Album Amore, meine Stadt. Am 6. Oktober 2017 erscheint nun ihr drittes Werk, wieder mit einem italienischsprachigen Titel – Niente.

Das Debütalbum begeistert und irritiert gleichermaßen mit dem Ohrwurm Bologna, einer schrägen Liebeserklärung an die italienische Stadt, die von der ominösen Tante Chicarelli erzählt, die auch „einmal in Bologna Amore gehabt“ hat.
Auch die zweite Singleauskopplung Auseinandergehn ist schwer wird ein tragikomischer Hit, in dem es herrlich Wienerisch heißt: „Wenn'st b'soffn wirst, red'st immer nur von ihr“.
Schon im ersten Album findet Wanda ihren Tenor und räkelt sich genüsslich in Tragödie, Tristesse und Rausch. Die dekadente, obskure und immer leicht ironische Attitüde gehört von Beginn an zu den Markenzeichen der Band.

Kein Jahr später geht es weiter mit dem zweiten Album, über dessen Titel man nur schmunzeln kann. Bussi bedeutet den Durchbruch für die Wiener und erreicht auf Anhieb Platz 1 in den österreichischen Albumcharts. Viel verändert sich nicht – die meisten Songs sind zur selben Zeit entstanden wie die von Amore.
Dies macht das zweite Album jedoch weder musikalisch noch textlich uninteressant, da textliche Motive und Figuren teilweise wieder auftauchen und musikalische Themen neu integriert werden.
So trifft man wieder auf das Schlüsselwort Amore vom ersten Album, es wird so gewissermaßen zum Motto der Band. Im Song Nimm sie wenn du’s brauchst geht es noch einmal nach Bologna, dem Sehnsuchtsort des ersten Albums, und um Wien, den Ort der tristen Realität, wobei diese Zuschreibungen diesmal vertauscht werden.
„Enchanté, es tut weh“, bleibt der Tenor, abgründig, derb und divenhaft.

 
 


„Niente“ – Nichts Neues?

Am 6. Oktober diesen Jahres ist es nun so weit, das dritte Album der Wiener erscheint. Als erster Vorgeschmack wurde bereits die Single 0043 veröffentlicht, und man staunt nicht schlecht: Hier werden andere Töne angeschlagen - ob sie auch getroffen werden, ist eine Frage der Erwartungen. Kindheitserinnerungen und Sommertage sind das Thema, und auch die Musik überrascht mit Melodien in Zeitlupe und überirdischen Klängen - selbst Sänger Michael Marco Fitzthum klingt wie aus einer anderen Sphäre.

All denen jedoch, die sich einfach noch mehr Amore wünschen, dürfte die zweite Singleauskopplung Columbo schon mehr zusagen. Das Rezept ist einfach: Nur wir zwei, wie im Traum und Columbo schaun, und fertig ist der Ohrwurm.
Nach diesen zwei ersten Eindrücken darf man also gespannt sein auf das, was nun kommt.
Doch die Auswahl macht Hoffnung, dass der ja eigentlich noch jungen Band der Spagat gelingt:
Etwa Neues zu schaffen, sich zu entwickeln und dabei die Amore nicht zu vergessen. Oder den Schnaps.

Diskographie:

2014: Amore                               
2015: Bussi                                    
2016: Amore, meine Stadt     
2017: Niente