Aktuelle Literaturszene

Aktuelle Literaturszene © Goethe-Institut │Foto: Loredana La Rocca

Was gibt es Neues in der deutschen Literaturszene? Wir informieren Sie über aktuelle Ereignisse, zu entdeckende Autoren, Neuerscheinungen und Übersetzungen ins Französische.

Seit 2005 wird der Preis der Leipziger Buchmesse an die besten deutschsprachigen Bücher in drei Kategorien vergeben: Belletristik, Sachbuch und Übersetzung. Der mit 60.000 Euro dotierte Preis wird vom Bundesland Sachsen und der Stadt Leipzig unterstützt. Die Leipziger Buchmesse, nach der Frankfurter Buchmesse die zweitwichtigste Literaturmesse Deutschlands, fand in diesem Jahr vom 21. März bis 24. März statt.

Fünf Autoren befanden sich in der Kategorie Belletristik im Wettbewerb:
Kenah Cusanit mit ihrem Roman Babel (Carl Hanser Verlag), der 1913 in Bagdad spielt, Matthias Nawrats Roman Der traurige Gast (Rowohlt Verlag), der in eindringlichen Bildern nach dem Sinn unseres Daseins fragt, Winterbergs letzte Reise (Luchterhand Literaturverlag), Jaroslav Rudiš erster auf Deutsch verfasster Roman, in dem es um die Geschichte Mitteleuropas des 19. und 20. Jahrhunderts geht,  Anke Stellings Roman Schäfchen im Trockenen (Verbrecher Verlag), in der mit präziser Wut die Wohnungsfrage zum Romanmotiv wird, in dem sich gesellschaftliche Fragen brechen, und Feridun Zaimoglus neuester Roman Die Geschichte der Frau (Kiepenheuer & Witsch), in dem zehn Frauen zu Wort kommen, die die Menschheitsgeschichte neu erzählen.

Der Roman von Anke Stelling hat die Jury überzeugt: „Schäfchen im Trockenen ist ein scharfkantiger, harscher Roman, der wehtun will und wehtun muss, der protestiert gegen den beständigen Versuch des besänftigt Werdens, der etwas aufreißt in unserem sicher geglaubten Selbstverständnis und dadurch den Kopf frei macht zum hoffentlich klareren Denken“.

In diesem Newsletter erfahren Sie mehr über den Preisträger sowie die anderen Finalisten - und  wir stellen Ihnen eine Auswahl an Neuerscheinungen und aktuellen Übersetzungen ins Französische vor.

Fokus: Preis der Leipziger Buchmesse - 2019

  • Anke Stelling erhält den Preis der Leipziger Buchmesse © Leipziger Messe/Stefan Hoyer
    Anke Stelling erhält den Preis der Leipziger Buchmesse
  • Schäfchen im Trockenen © Verbrecher-Verlag
    Schäfchen im Trockenen

Anke Stelling

1971 in Ulm geboren und in Stuttgart aufgewachsen, zog es Anke Stelling zuerst nach Berlin, und dann nach Leipzig, wo sie ein Studium am Deutschen Literaturinstitut absolvierte. Inzwischen lebt sie wieder in Berlin und schreibt sowohl Romane, als auch Prosa und Drehbücher. Die Schriftstellerin stand mit ihrem Roman Bodentiefe Fenster (Verbrecher Verlag) auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2015 und wurde mit dem Melusine-Huss-Preis 2015 ausgezeichnet.

Werk (Auswahl) :
Gisela (mit Robby Dannenberg, Ammann, 1999)
Nimm mich mit (mit Robby Dannenberg, S. Fischer, 2002)
Glückliche Fügung (S. Fischer, 2004)
Horchen (S. Fischer, 2010)
Bodentiefe Fenster (Verbrecher Verlag, 2015)
Erna und die drei Wahrheiten (cbt, 2017)
Fürsorge (Verbrecher Verlag, 2017)
Schäfchen im Trockenen (Verbrecher Verlag, 2018

« Schäfchen im Trockenen »

Verbrecher Verlag, August 2018

Resi hätte wissen können, dass ein Untermietverhältnis unter Freunden nicht die sicherste Wohnform darstellt, denn Freundschaft hört bekanntlich beim Geld auf. Die ist im Fall von Resis alter Clique mit den Jahren brüchig geworden. Sie hätte wissen können, dass spätestens mit der Familiengründung der erbfähige Teil der Clique abbiegt Richtung Eigenheim und sie zusehen muss, wie sie da mithält. Noch in den Achtzigern hieß es, alle Menschen wären gleich. Nun sieht sich die Schriftstellerin angesichts einer Wohnungskündigung mit der harten und enttäuschenden Wirklichkeit konfrontiert.


Leipziger Buchmesse
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Rezensionen (Perlentaucher)

Onleihe

Neuerscheinungen

Wo wir zu Hause sind © KiWi

Wo wir zu Hause sind

Maxim Leo, Kiepenheuer & Witsch, Februar 2019

Maxim Leo begibt sich auf die Suche nach seinen Familienmitgliedern, die in den 30er Jahren aus Deutschland flohen, und nun über dem ganzen Erdball verstreut sind. Er trifft zum ersten Mal seine Tanten und Onkel, findet Briefe, Fotos und Tagebücher, und entdeckt eine Zusammengehörigkeit, die keine Grenzen kennt. Aber die Spurensuche findet auch in der Gegenwart statt, denn seine Cousins und Cousinen zieht es zurück nach Berlin, in die Stadt ihrer Vorfahren.

 

Georg © Hanser

Georg

Barbara Honigmann, Hanser, Januar 2019

Der autobiographisch grundierte Roman von Barbara Honigmann ist eine Annäherung an ihren Vater und eine nachträgliche Liebeserklärung an einen außergewöhnlichen Mann. Seine Lebensgeschichte führt den Leser um die halbe Welt: Frankfurt, Odenwaldschule, Paris, London, Berlin, Internierung in Kanada, später der Weg in die DDR. Witzig, traurig und mitreißend erzählt die Autorin von ihrer deutsch-jüdisch-kommunistischen Familie. Ein Buch, das zeigt, wie Eltern unser Leben bestimmen.

Der Trost runder Dinge © Suhrkamp

Der Trost runder Dinge

Clemens J. Setz, Suhrkamp, Februar 2019

Ein elsässischer Soldat im Ersten Weltkrieg entdeckt das Sternbild des Großen Burschen, das so schauderhaft ist, dass er niemandem davon erzählen kann. Ein junger Mann, der sich in die blinde Anja verliebt hat, muss feststellen, dass ihr Apartment mit Beschimpfungen bekritzelt ist. Marcel, sechzehn Jahre alt, hinterlässt auf der Toilettenwand eines Erotiklokals seine Handynummer und den Namen Suzy. Ein Buch voller Irrlichter und doppelter Böden – radikal erzählt und aufregend bis ins Detail.

Enteignung © Fischerverlag

Enteignung

Reinhard Kaiser-Mühlecker, S. Fischer,  Februar 2019

Ein Journalist kehrt Jahre später an den Ort seiner Kindheit zurück und schreibt für ein kriselndes Lokalblatt. Dann beginnt er eine Affäre und arbeitet auf dem Hof eines Mastbauern, dessen Land enteignet wurde. Aber was passiert, wenn man Menschen begegnet, die jeden Tag um ihre Existenz, ihre Liebe und ihr Leben kämpfen? Ein aufwühlender Roman über gesellschaftliche Umbrüche, der von einer Zeit tiefer Verunsicherung erzählt – unserer Gegenwart.
 

Babel © Hanserverlag

Babel

Kenah Cusanit, Carl Hanser Verlag, Januar 2019

Ein Roman, der uns über 100 Jahre zurückführt. Das deutsche Kaiserreich ist als Spätling im kolonialen Wettlauf um Einfluss und schnell sichtbare Trophäen bemüht. Im Jahr 1913, unweit von Bagdad, verfolgt der von einer Blinddarmentzündung gequälte Archäologe Robert Koldewey eine biblische Aufgabe: die Ausgrabung Babylons. Doch kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs ist auch das Feld der Archäologie politisch aufgeladen. Babel ist Abenteuer- und Geschichtsroman zugleich.

Der traurige Gast © Rowohl

Der traurige Gast

Matthias Nawrat, Rowohlt Verlag, Januar 2019

Es ist der Winter des Anschlags auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche. Ein Mann ohne Namen begegnet den Menschen in seiner Umgebung mit neuer Aufmerksamkeit: Dariusz, dem Tankwart, der einmal Chirurg war und einen Sohn hatte. Eli, dem polternden Überlebenskünstler. Oder Dorota, der alten polnischen Architektin, deren intellektuelle Energie auf ihn genauso verwirrend wie ansteckend wirkt. Ein Buch vom Überleben, in aller Schönheit, trotz allem Schrecken.

Winterbergs letzte Reise © Luchterhand

Winterbergs letzte Reise

Jaroslav Rudiš, Luchterhand Literaturverlag, Januar 2019

Ein biersüchtiger Altenpfleger und ein uralter Sudetendeutscher reisen per Eisenbahn durch Mitteleuropa. Jan Kraus begleitet in Berlin Schwerkranke in den letzten Tagen ihres Lebens. Seine Erzählungen wecken die Sehnsucht seines Patienten Wenzel Winterberg, sich auf die Suche nach einer verlorenen Liebe zu begeben. Über die Stationen hinweg kommen bei beiden Geheimnisse und Traumata zum Vorschein, die sie eng an die Geschichte Mitteleuropas binden und nicht loslassen.
 

Die Geschichte der Frau © KiWi

Die Geschichte der Frau

Feridun Zaimoglu, Kiepenheuer & Witsch, Februar 2019

Dieses Buch lässt zehn außerordentliche Frauen zur Sprache kommen vom Zeitalter der Heroen bis in die Gegenwart. Es sind Menschen, deren Sicht auf die Dinge nicht überliefert wurde. Weil Männer geboten, die Wahrheit tilgten und die Lüge zur Sage verdichteten. Diesen Frauen war es vorbehalten, schweigend unsichtbar zu bleiben oder dekorativ im Bild zu stehen. Doch nun sprechen sie – klar und laut, wie eine abgefeuerte Kugel.

Übersetzungen ins Französische

Die Hauptstadt © Verdier

Die Hauptstadt

Robert Menasse, Verdier, Januar 2019
- übers. Olivier Mannoni

Ein verrücktes Schwein verbreitet Panik im Zentrum Brüssels. Im selben Viertel, in dem ein Mann durch eine Kugel stirbt. Diese Ereignisse setzen eine unglaubliche Achterbahn in Gange, ihre Fahrt geht quer durch die Europäische Union. Mit dem Deutschen Buchpreis 2017 ausgezeichnet, wird Die Hauptstadt von der Jury gelobt: „Das Buch von Menasse macht unmissverständlich klar: Die Ökonomie allein, sie wird uns keine friedliche Zukunft sichern können“.

Olga © Gallimard

Olga

Bernhard Schlink, Gallimard, Januar 2019
- übers. Bernhard Lortholary

Olga lebt bei ihrer Großmutter. Herbert, Sohn eines Gutsbesitzers, wohnt in einem Herrenhaus. Ihre Liebe widersetzt sich der Ablehnung seiner Familie und seiner zahlreichen Reisen. Während einer Arktisexpedition, gibt er Olga, die Lehrerin geworden ist, kein Lebenszeichen mehr. Am Ende ihres Lebens erzählt sie ihre Geschichte einem jungen Mann, der sehr viel später die Wahrheit über diese scheinbar bescheidene Frau herausfinden wird.

Außer sich © Grasset

Außer sich

Sasha Marianna Salzmann, Grasset, Januar 2019
- übers. Claire de Oliveira

Alissa macht sich auf die Suche nach Anton, ihrem vermissten Zwillingsbruder. Ihr einziger Hinweis: eine Postkarte aus Istanbul. Dort beginnt sie ihre Ermittlungen, und sucht sich selbst, ebenso wie ihren Bruder, mit dem sie zusammen in Moskau aufgewachsen ist, kurz nach dem Sturz des Sowjetregimes. In einer weitläufigen Stadt, die von einer beispiellosen politischen Gewalt erschüttert wird, taucht Alissa in die Vergangenheit ihrer Familie ein. Familienchronik und Bildungsroman, Finalist des Deutschen Buchpreises 2017.

Glückskind mit Vater © Métailié

Glückskind mit Vater

Christoph Hein, Métailié, Januar 2019
- übers. Nicole Bary

Konstantin Boggosch hat seinen Vater nie gekannt, einen notorischen Nazi und Kriegsverbrecher. Sein ganzes Leben versucht er, vor diesem schweren Erbe davonzulaufen. Sein Bruder Gunthard hingegen ist stolz darauf, er fühlt sich von seinem Land verraten. Trotz ihrer Bemühungen wird es keinem von beiden gelingen, sich der Geschichte zu entziehen. In diesem großartigen Bildungs-und Abenteuerroman, schildert der Schriftsteller und Intellektuelle Christoph Hein 60 Jahre deutsche Geschichte.

Whiteout © Slatkine & Cie

Whiteout

Anne von Canal, Slatkine & Co, Februar 2019
- übers. Isabelle Liber

Hanna ist Glaziologin und auf einer Antarktisexpedition. Die Spannungen im Team sind deutlich spürbar, als ein Schneesturm angesagt wird, ein sogenannter Whiteout, ein beängstigendes Phänomen, bei dem Himmel und Boden zu einer einzigen weißen Fläche verschmelzen. Ausgerechnet dann erhält Hanna von ihrem Bruder eine E-Mail mit nur einer Zeile: ihre einst beste Jugendfreundin, die vor zwanzig Jahren spurlos verschwand, ist tot.  Ein poetischer Roman über Verlust, Einsamkeit und Erinnerung.

Berlin... Endstation © Le Tripode

Berlin... Endstation

Edgar Hilsenrath, Le Tripode, Februar 2019
- übers. Chantal Philippe

Der jüdische Autor Joseph Leschinsky, genannt Lesche, kehrt 1975 nach über dreißig Jahren Aufenthalt in den USA nach Westberlin zurück. Zurück in das Land der Täter, und zurück in die Sprache, die er über alles liebt. Nach und nach knüpft Lesche Kontakte zur Literaturszene und sein Roman „Der Jude und der SS-Mann“ wird nun auch in Deutschland zum Erfolg. Doch die Schrecken der Vergangenheit sind nicht vorbei.
 

Die Kieferninseln © Stock

Die Kieferninseln

Marion Poschmann, Stock, März 2019
- übers. Bernard Lortholary

Gilbert Silvester, anthropologischer Forscher, reist in einer Kurzschlussreaktion nach Tokyo. Inspiriert durch seine Lektüre, möchte er den Mond über den Kieferninseln betrachten. Dann begegnet er Yosa, einem japanischen Studenten, den er versucht von seinem Suizidvorhaben abzubringen. Schon sind die beiden unterwegs, auf einer unerwarteten Reise quer durch Japan. Ein Roman von meisterhafter Leichtigkeit, bewegend und humorvoll, Finalist des Deutschen Buchpreises 2017.

Was gewesen wäre © Quidam éditeur

Was gewesen wäre

Gregor Sander, Quidam éditeur, Januar 2019
- übers. Nicole Thiers

Zu ihrem vierundvierzigsten Geburtstag bekommt Astrid von ihrer neuen Liebe einen Kurzurlaub geschenkt, der sie nach Budapest, in ein heruntergekommenes Luxushotel führt. Aber ausgerechnet hier hat Astrid vor fünfundzwanzig Jahren ihre erste große Liebe getroffen, den Musiker Julius. Gekonnt verschränkt der Autor Vergangenheit und Gegenwart und liefert dabei einen faszinierenden Blick in den Alltag der DDR. Dabei ist nichts so, wie es auf den ersten Blick scheint.