Niki Glattauer und Verena Hochleitner Flucht

„Flucht“ von Niki Glattauer und Verena Hochleitner © Verlag Tyrolia Noch ein Buch zum Thema Flucht - aber was für eins: die Katze E.T., die einzig aus dem Grund mitdarf, dass sie 7 zusätzliche Leben hat, berichtet von der Flucht einer 4-köpfigen Familie. Der Versprecher eines italienischen Nachrichtensprechers gab offensichtlich den Anlass für einen Rollentausch: die Familie flüchtet von Europa nach Afrika. Schon alleine für diesen Kunstgriff möchte man Herrn Glattauer küssen, denn sofort stellt sich bei erwachsenen Lesern Irritation ein. Es ist nicht mehr weit weg, was wir immer noch, immer wieder nach „weit weg“ verschieben. Es könnte uns auch betreffen... Aber dieses Randszenario ist für die eigentliche Geschichte nicht wichtig, sowohl Glattauer als vor allem auch Hochleitner gelingt es ganz ausgezeichnet, die Gedanken und Hintergründe, die Umstände und Ängste zu schildern, die jede Flucht begleiten.

Die Katze schildert das Treiben und Tun „ihrer“ Menschen mit natürlicher Distanz, aber ohne Wertung. Sie berichtet vom Schrecken der Überfahrt übers offenen Meer, bei dem die Wassergeister besänftigt werden müssen, sie blickt zurück auf die Verhältnisse, aus denen die Flucht der einzige Ausweg war.

Die Bildsprache ist klar und beinahe sachlich und konzentriert sich auf die Wiedergabe der Umstände und der Zusammenhänge. Kein falsches Pathos (Danke! Frau Hochleitner!) aber dennoch von überzeugender Eingängigkeit. Mein Favorit für die Arbeit mit jungen Grundschulkindern!

Jule Pfeiffer-Spiekermann, „Pinselfisch“