Martina Wildner Finsterer Sommer

„Finsterer Sommer“ von Martina Wildner © Verlag Beltz & Gelberg Allein die Vorstellung daran lässt schaudern: ein Sommerurlaub am französischen Atlantik, von der Ferienwohnung aus bei Ebbe zu sehen ein Bunker, in dem vor kurzem eine Frau umgekommen ist. Damit fängt für den 13-jährigen, schlaksigen Konrad und seine gleichaltrige, superschlaue Cousine Lisbeth ein „Finsterer Sommer“ an. So gegensätzlich die beiden auch sind, so haben sie doch ein gemeinsames Ziel: das Geheimnis um das Bauwerk und die mysteriösen Geschehnisse darin zu lüften. Denen sind, wie sich herausstellt, nicht nur sie auf der Spur. Eine spannende Suche beginnt. Ganz nebenbei lernen sie dabei eine ganze Menge über den Nationalsozialismus – mehr, als ihnen lieb ist.

Grandios besetzt sind neben den beiden Protagonisten auch die Nebencharaktere, beispielsweise Konrads Mutter Anja, Unterwäsche-Designerin, „der Sixpack-Bademeister zum Verlieben“ Jean-Luc oder der sechsjährige, lispelnde „Nervzerg“ Nick. Martina Wildner liebt Überzeichnungen und Kontraste. Wie Konrads Vater die lebendigen Austern, kostet der Leser die überraschenden Pointen und das Wechselspiel aus nass-salzig und sandig-heißer Stimmung aus. „Finsterer Sommer“ ist ein Jugendkrimi mit kleinen Seitenhieben in die Magengegend der Gesellschaft. Empfehlenswert!

Katja Pfeiffer, „Pinselfisch“