Susan Schädlich, illustriert von Gesine Grotrian
Fragen an Europa. Was lieben wir? Was fürchten wir?

Susan Schädlich, Fragen an Europa. Was lieben wir? Was fürchten wir?, BELTZ & Gelberg 2019 © Beltz Klug, kritisch, kreativ – ein Buch für Menschen, die Europa mitgestalten wollen. Bereits die erste Grafik ist Programm: Die Weltkarte auf den Kopf gestellt. Europa? Plötzlich nicht mehr Nabel der Welt, sondern ein Randgebiet im Südosten von Afrika. „Stellen wir die Welt also mal auf den Kopf“, heißt es im Text dazu, „und damit auch unsere üblichen Bilder von ihr.“ Und genau das tut dieser absolut großartige Band, der in keiner Bücherei, in keinem Haushalt, keinem Café und in keinem Backpack fehlen sollte (da wohl am besten als e-book im pdf-Format). Ein wahres Vademecum für junge Europäer, die sich ein eigenes Bild von Europa machen wollen jenseits von glänzenden Werbebroschüren für die Europawahl oder populistischer Miesmacherei. Die Flaggen der europäischen Länder kennt man ja und schaut kaum mehr hin. Aber erscheinen sie kreisförmig nach Farben geordnet, ergeben sich plötzlich unerwartete Nachbarschaften, die zum Nachdenken anregen. Oder wie wäre es mit einem Bilderrätsel, in dem Länder aus ihrem geografischen Kontext herausgerissen und nach Einwohnerzahlen aufgelistet sind? Welches Land ist das beste in Fußball? Was tun gegen Jugendarbeitslosigkeit? Wie ungleich leben Frauen & Männer? 60 Fragen hat das Team Grotrian-Schädlich von Jugendlichen gesammelt. Sie kreisen um Identität, Geschichte, Visionen, Hoffnungen und Ängste. „Was lieben wir? Was fürchten wir?“ heißt der Untertitel und macht deutlich, dass es hier um mehr als reine Fakten geht und der Jugendbeirat fleißig mitgemischt hat. Einfache Antworten gibt es dementsprechend nicht. Manche fallen ganz individuell aus – z.B. die zu Identität – bei anderen gibt es Zahlen, die aber mehr Fragen aufwerfen als beantworten. Jede der 60 grafisch genial gestalteten Doppelseiten gibt Anlass zum Überdenken, Hinterfragen, Träumen, vielleicht auch Handeln. Ein Anhang „Weiterlesen“ (auch online auf www.beltz.de/fragenaneuropa) liefert Hintergrundinformation zu einigen Fragen, gibt Quellen an und klärt über ihre Nutzung auf und schließt mit einer ganzen Seite Danksagungen ab – ein letzter Beweis, dass dieses Projekt durch und durch weltoffen und kollaborativ ist. Nachhaltig produziert ist es natürlich auch! 

Nikola von Merfeldt, Pinselfisch