Die verlorene Avantgarde
Fortschreibung des Unvollendeten

Fotos der beteiligten Autoren © Peter Hassiepen, Helie Gallimard, Jacques Henric, Mathias Bothor, Gianni Plescia, Thomas Dorn, Yann Diener, Wikimedia, William Ropp

Ein literarisches Projekt

Neun deutsche und französische Autorinnen und Autoren, Nora Bossong, Philippe Claudel, Marie Darrieussecq, Mathias Enard, Philippe Forest, Helene Hegemann, Alexis Jenni, Ilija Trojanow und Frank Witzel, spüren jeweils einem Künstler nach, der im Ersten Weltkrieg getötet wurde oder an den Kriegsfolgen verstarb. Die deutsch-französische Gesamtausgabe der Texte wurde am 11. Oktober 2017 bei der Frankfurter Buchmesse vorgestellt.

Wie kein Konflikt zuvor forderte der Erste Weltkrieg zu Beginn des 20. Jahrhunderts seine Opfer unter den Geistesgrößen der Zeit. Eine im Aufschwung begriffene Avantgarde fand mit dem Ausbruch des „Grande Guerre“ ihr jähes Ende. Französische und deutsche Autoren und Künstler wie Guillaume Apollinaire, Ernst Stadler, Jacques Vaché, August Macke und Franz Marc fielen dem „großen Morden“ – so der Expressionist Alfred Liechtenstein – zum Opfer.

Eine andere Kulturgeschichte Europas

Mit dem deutsch-französischen Projekt Die verlorene Avantgarde (L’avant-garde perdue) spürt das Goethe-Institut Nancy der Frage nach, welchen anderen Verlauf die Kulturgeschichte Europas ohne die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ hätte nehmen können. Welche Motive hätte der „Brücke“-Künstler Franz Marc auf die Leinwand gebannt? Welche gesellschaftliche Strahlkraft hätte diese europäische Avantgarde entwickelt?
 
Neun französische und deutsche Autorinnen und Autoren widmen sich in literarischen, essayistischen oder dokumentarischen Texten jeweils einem dieser unvollendeten Werke. Unter anderem begibt sich Ilija Trojanow auf die Spuren von August Macke. Alexis Jenni widmet sich dem Bildhauer Henri Gaudier-Brzeska. Nora Bossong schreibt über den Lyriker Ernst Stadler. Frank Witzel nimmt den Intellektuellen Jacques Vaché in den Fokus, der einen maßgeblichen Einfluss auf zahlreiche Surrealisten ausübte, insbesondere auf André Breton.

Beteiligte Autorinnen und Autoren

  • Nora Bossong: Ernst Stadler
  • Philippe Claudel: Franz Marc
  • Marie Darrieussecq: Guillaume Apollinaire
  • Mathias Enard: Georg Trakl
  • Philippe Forest: Robert Gregory
  • Helene Hegemann: Alfred Lichtenstein
  • Alexis Jenni: Henri Gaudier-Brzeska
  • Ilija Trojanow: August Macke
  • Frank Witzel: Jacques Vaché
© Goethe-Institut

Die Autoren

Marie Darrieussecq / Guillaume Apollinaire © Yann Diener / Wikimedia

Guillaume Apollinaire
Marie Darrieussecq

Marie Darrieussecq, 1969 in Bayonne geboren, ist Schriftstellerin und Psychoanalytikerin und lebt in Paris. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen für ihr Werk.
Sie schreibt einen Text über Guillaume Apollinaire.

Philippe Claudel / Franz Marc © William Ropp / Wikimedia

Franz Marc
Philippe Claudel

Philippe Claudel, 1962 in Dombasle-sur-Meurthe in Lothringen geboren, ist Lehrer, Drehbuchautor und Autor.  Er lehrt an der Universität Nancy und am Institut européen du cinéma et de l'audiovisuel. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen für sein literarisches Werk sowie einen César für seinen ersten Film. 
Philippe Claudel schreibt über Franz Marc.

Foto Frank Witzel / Jacques Vaché © Gianni Plescia / Wikimedia

Jacques Vaché
Frank Witzel

Frank Witzel, 1955 in Wiesbaden geboren, ist deutscher Schriftsteller, Illustrator, Radiomoderator und Musiker. Er lebt in Offenbach am Main. Einer seiner Romane wurde 2015 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet.
Er beschäftigt sich mit dem Intellektuellen Jacques Vaché.

Alexis Jenni | Henri Gaudier-Brzeska © Helie-Gallimard | Wikimedia

Henri Gaudier-Brzeska
Alexis Jenni

Alexis Jenni wurde 1963 geboren und verbrachte seine Kindheit in Belley im Département Ain. Er ist Preisträger des Prix Goncourt.
Alexis Jenni schreibt über den Bildhauer Henri Gaudier-Brzeska.

Helene Hegemann | Alfred Lichtenstein © Mathias Bothor | Wikimedia

Alfred Lichtenstein
Helene Hegemann

Helene Hegemann wird 1992 in Freiburg im Breisgau geboren. Im Alter von 17 Jahren veröffentlicht sie ihren ersten Roman Axolotl Roadkill, der eine Diskussion über Original und Plagiat in der Medienlandschaft auslöst.
Sie schreibt über Alfred Lichtenstein.
 

Mathias Enard | Georg Trakl © Wikimedia

Georg Trakl
Mathias Enard

Mathias Énard, 1972 in Niort ist ein französischer Schriftsteller und Übersetzer. Nach längeren Aufenthalten im mittleren Osten lebt er seit 2000 in Barcelona. Neben mehreren Auszeichnungen für seine Romane erhielt Énard für Boussole (dt.: Kompass) 2015 mit dem Prix Goncourt den renommiertesten französischen Literaturpreis.
Mathias Énard schreibt über Georg Trakl.

Nora Bossong | Ernst Stadler © Hassiepen | DLA/Thea Sternheim mit Genehmigung der Heinrich Enrique Beck-Stiftung, Basel

Ernst Stadler
Nora Bossong

Nora Bossong, 1982 in Bremen geboren, hat in Leipzig und Berlin Kulturwissenschaft, Philosophie und Komparatistik studiert. Sie wurde mehrfach für ihr literarisches Werk ausgezeichnet.
Sie schreibt über Ernst Stadler.

Philippe Forest | Robert Gregory © Jacques Henric | unbekannt / www.findagrave.com

Robert Gregory
Philippe Forest

Philippe Forest wurde 1962 in Paris geboren. Als Doktor der Literatur lehrt er sieben Jahre lang an englischen Universitäten, unter anderem Cambrige und Saint-Adrews. Er ist Autor zahlreicher Essays über Literatur und die Geschichte der Avantgarde, als Mitarbeiter der Zeitschrift Art press aber auch Literatur-, Kino- als auch Kunstkritiker.
Er schreibt über Robert Gregory.

Ilija Trojanow | August Macke © Alle Rechte vorbehalten | Wikimedia

August Macke
Ilija Trojanow

Ilija Trojanow, 1965 in Sofia geboren, emigrierte 1971 aus politischen Gründen mit seiner Familie nach Deutschland und anschließend nach Kenia. Trojanow studiert den Islam, pilgert nach Saudi-Arabien und lebt eine Zeit lang in Indien. Seine Werke sind Manifeste gegen Angriffe auf die Freiheit und für Verständigung zwischen den Kulturen.
Er schreibt über August Macke.