Underdox
Dokument und Experiment

Eine Videoinstallation beim Festival Underdox Foto (Ausschnitt): © Agnes Jänsch

Im Rahmen des Fokusprogramms Munich Unique präsentiert das Goethe-Institut Paris seit dem 28. Februar das internationale Filmfestival „UNDERDOX – Dokument und Experiment“. Spezialisiert auf Grenzgänger zwischen Dokumentar-, Spiel- und Experimentalfilm präsentiert das Münchner Festival seit 15 Jahren hochkarätige Filme, die in keine Schublade passen. Das Filmprogramm wird ergänzt durch VIDEODOX, die Biennale für Videokunst aus München und Oberbayern. Im Goethe-Institut Paris zeigt das Festival ein „Best of“ der letzten Jahre, darunter die Gewinner des VIDEODOX Förderpreises und eine Auswahl an UNDERDOX-Kurzfilmen. In der von Dunja Bialas, Bernd Brehmer und Matthias von Tesmar kuratierten Gruppenausstellung setzen sich die neun audiovisuellen Werke in besonderer Weise mit den filmischen Aspekten von Videokunst auseinander.

Mit Arbeiten von Ivan Paskalev, Narges Kalhor, Yulia Lokshina, Angela Stiegler, Karen Irmer, Agnes Jänsch, Camille Tricaud, Franziska Unger, Ulu Braun, Franz Wanner und Roman Wörndl.
 

Yulia Lokshina & Angela Stiegler Foto: © Alle rechte vorbehalten

Yulia Lokshina & Angela Stiegler
Yulia Lokshina & Angela Stiegler

In einer Simulation kombinieren die Künstlerinnen Perzeption und Projektion, um den Ausgang einer Situation vorherzusagen oder einer Eskalation vorzubeugen. Die Frage ist: Was ist der Unterschied zwischen realer und drohender Gefahr? Der Fokus der Videoinstallation Subjective Hill liegt auf dem Einsatz und der Erforschung simulierter Konfliktszenarien in Bezug auf Emotion- und Stressregulierung, in virtueller Realität und physischer Konfrontation. Ausgehend von polizeilichen Techniken der Überwachung und Deeskalation macht sich die Arbeit die autonome Kraft der BodyCam (am Körper getragene Kamera) zunutze.  

Franz Wanner

Franz Wanner

Der Kurzfilm from camp to campus setzt die Begriffe Camp und Campus in Beziehung. Unter der Bezeichnung Luftfahrtforschungsanstalt installierte das NS-Regime südlich von München ein Rüstungszentrum, zu dessen Bau Zwangsarbeiter eingesetzt wurden. Bis heute wird dort militärisch produziert. 2013 wurde der Komplex nach dem NS-Ingenieur Ludwig-Bölkow benannt und als Campus ausgewiesen. Während die baulichen Dokumente des früheren Gefangenenlagers bereinigt werden, etabliert die bayerische Staatsregierung am Ort der früheren Zwangsarbeit ihre Luft- und Raumfahrtstrategie „Bava One“.

Karen Irmer Karen Irmer

Hauch / Breath, 2014
Karen Irmer

Die Videoinstallation Hauch/Breath zeigt den Ausschnitt eines dunklen Waldes. Der Blick ist durch dichten Nebel verschleiert. Die einzig wahrnehmbaren Veränderungen sind die Zweige, die sich lautlos im Wind bewegen und die Veränderung des Nebels, der mal dünner und mal dichter zu sein scheint. Gebannt folgt der Betrachter dem Atmen dieser geheimnisvollen Welt, bangend, ob etwas Unerwartetes eintritt.

Ulu Braun Foto: © alle Rechte vorbehalten

Die Herberge, 2017
Ulu Braun

Die Videocollage Die Herberge zeigt einen Ort, an dem biblische Landschaft und westliche Mythen aufeinandertreffen. Das Haus dient teilweise als Biker-Treffpunkt, teilweise als Bergbauernhof. Hier verschmelzen Vergangenheit und Zukunft zu einem Ort, an dem tiefstes Elend und Erholung sich nicht ausschließen.

ivan Paskalev Foto (Ausschnitt): © Alle rechte vorbehalten

​17:43, 2017
Ivan Paskalev

Bei seiner Arbeit, eine Material- und Mediums-Dekonstruktion, werden unsichtbare Bilder auf bearbeiteten Bildschirmen durch spezielle Folien sichtbar gemacht, die als Mobiles, angetrieben von Quartz-Uhrwerken vor den industriellen Objekten hängen. Sie geben prismatische Einblicke auf Videocollagen alltäglicher visueller Eindrücke, Lichter, Formen und Farben, die in Fotos, Videos und digitale Grafiken gebannt wurden.
 

Roman Wörndl Foto: © Alle rechte vorbehalten

Hinter dem Vorhang, 2017
Roman Wörndl

In der Videoinstallation Hinter dem Vorhang werden auf den wechselnden Bühnen des Welttheaters vier Episoden aus dem Privatleben bekannter Politiker gezeigt.

Jovana Reisinger Foto: © Alle Rechte vorbehalten

Pretty girls don’t lie
Jovana Reisinger

Warum willst du Superblondine 3000 werden? Um deine innere Leere mit der Aufmerksamkeit fremder Männer zu füllen? Jovana Reisinger dreht modische Kurzfilme, die den schlechten Geschmack in den Mittelpunkt rücken. Wo ein armseliger Typ unterm Fenster onaniert und ein schmieriger Kerl einen Schönheitswettbewerb entscheidet. Von wegen Empowerment: Auch in pretty girls don’t lie zeigt sich Reisinger selbst, wirft sich in Schale, wird zum Objekt der Begierde und zum Opfer, gleichzeitig aber auch zur Täterin. Ein Film, der zwischen Lustspiel, Märchen, Parodie und Drama wandelt.