Band des Monats
June Cocó

Frau mit Hut schaut schräg nach oben, Kinn auf Hand gestützt
June Cocó | © Marcus Engler

„I'm diving deep and leave all doubts behind me. On the ground I hear a distant melody…”
(Neptune’s Daughter)

Eintauchen, vergessen und genießen. Wenn June Cocó die ersten Töne anstimmt, ist es leicht, sich ganz der Welt hinzugeben, die sie mit ihrer facettenreichen Stimme und ihren märchenhaften Songs kreiert. Sorgen verlieren an Bedeutung und all die Schwere des Alltags scheint leicht und vergänglich. Die Leipziger Musikerin, Sängerin und Songwriterin verzaubert mit schillernder Zeitlosigkeit.
 

Von Lisa Ehrenburg

Als „aufregende deutsche Wiedergängerin von Florence & The Machine [mit einer] Prise Tori Amos und Kate Bush“ bezeichnet (Müller Magazin), zieht June ein vielfältiges Klangspektrum auf, wodurch sich ihre Musik einer festen Kategorisierung entzieht. Auf der Bühne umhüllt June eine geheimnisvolle Aura und auch in persona verzaubert sie mit ihrer einnehmenden Art.

Eine musikalische Verwandlungskünstlerin

Ihr Debütalbum The Road bringt sie 2015 heraus. Dieses verbindet Elemente von Country und Trip-Hop zu einem atmosphärischen bluesy Mix inspiriert von den Black Keys, der ein bisschen an Norah Jones‘ Album Little Broken Hearts erinnert. Für das Album erhält sie viel Aufmerksamkeit und Einladungen ins ZDF-Morgenmagazin und weitere Fernsehformate. Mehrere von Junes Songs sind im Film Leif in Concert zu hören, z.B. Amoureux Éperdus.

Eine musikalisch etwas andere Richtung schlägt ihr zweites Album Fantasies & Fine Lines von 2019 ein, welches sie mit ihrem eigenen Label Flashback Records herausbringt. Während The Road ein Bandalbum ist, besinnt sich ihr zweites Album zurück auf ihre musikalischen Wurzeln - das Klavier und ihre Stimme. In Fantasies & Fine Lines lenken sparsame Arrangements, gesprenkelt mit Streicherarrangements, elektronischen Elementen und Naturklängen die Aufmerksamkeit auf Junes funkelnde, starke und gleichzeitig magisch verletzlich klingende Stimme. In den Songtexten entdeckt man ihr Auge fürs Detail - wie gekonnt sie die kleinen Dinge hervorhebt und mit ihnen eine Parallelwelt zeichnet, die einen ins Wunderland voller absurd fantastischer Dinge entführt. „You are captivating / I walk in fields of gold / I’m illuminated / you elevate my soul / your eyes are like diamonds an overwhelming glow / we are slowly dancing / in circles of our own.“ (Circles)

Die Songs sind Hymnen der Entschleunigung. Selbstliebe, zu sich finden, sich erden - das sind die zentralen Themen des Albums. Für Fantasies & Fine Lines arbeitet sie unter anderem mit Gordon Raphael, dem Produzenten von Regina Spektor (für den Song Heroine) oder Carolina Eyck, einer der bekanntesten Theremin-Spielerinnen und -Komponistinnen der Klassikwelt (für den Song Circles). Den Hidden Track des Albums Happy Song, welcher zum Soundtrack einer Facebook-Werbekampagne wird, teilt Mark Zuckerberg an seinem Geburtstag auf seiner Facebook-Timeline.

Mit dem Album tourt sie durch Europa und spielt unter anderem als einzige deutsche Künstlerin auf dem wichtigsten Showcase-Festival Frankreichs, dem MaMa-Festival in Paris. Während die Corona-Pandemie einige ihrer Pläne durchkreuzt, so zum Beispiel eine Tour durch Japan zur Kirschblütenzeit, öffnet sie andere wunderbare Türen… 

Metamorphosen und andere Träume

Aus einer Bekanntschaft auf dem MaMa-Festival mit Ravages, einem französischen 80s-Elektropop-Duo, entsteht im Corona-Lockdown ihr neues Album Métamorphoses. June verliebt sich auf Anhieb in Ravages‘ Song Métamorphoses und covert die 80er-Upbeat-Nummer in Form einer elegischen Klavierballade. Ravages sind begeistert und schicken ihr eine eigene Version von Junes Song Heavy Heart. So entstehen die ersten zwei Songmetamorphosen - die ersten zwei Songs des Albums Métamorphoses. Zum Konzept des Albums wird es, die Songs von Fantasies & Fine Lines durch die musikalischen Wahrnehmungsfilter unterschiedlicher Künstler*innen zu brechen und auf diese Weise zu verwandeln. Das Album ist also ein kaleidoskopisches „Rework-Album“, das in Kooperation mit zum Beispiel Arden, Max Ashner, Phonique oder Jake Nicks entsteht. Remixe und Neubearbeitungen mit Elementen von Folk über Elektro bis hin zu Neoklassik kreieren mit der musikalischen Essenz von Junes Songs eine spannende Symbiose.

Momentan arbeitet June an ihrem nächsten Album. Dieses entfernt sich thematisch von der Entschleunigung von Fantasies & Fine Lines und wendet sich hin zu Euphorie und Aufbruchsstimmung. Die Songs haben einen urbaneren Touch, werden wieder etwas poppiger und die Arrangements etwas opulenter. Für die Videos der nächsten beiden Singles erwartet uns ein besonderes Konzept - aber psst, worum es sich genau handelt, verrät June noch nicht.

Wie auch ihre Musik sich in ständigem Fluss befindet, so mangelt es June nicht an Projektideen. Im September 2021 organisiert sie in Leipzig das eintägige Lovers and Dreamers Festival, auf welchem Emma Elisabeth, Asia Imbiss, Max Ashner und sie selbst die Bühne bespielen. Ende dieses Jahres möchte sie in einem kleinen Nebenprojekt ihre deutschsprachigen Songs aufnehmen - vielleicht bekommt ihr allererster Song, den sie mit sieben Jahren für ihren Dackel geschrieben hat, dort auch eine Bühne. In Berlin, ihrer aktuellen Heimat, richtet sie sich gerade ein Homestudio ein, erweitert ihre Skills als Produzentin und trifft sich mit Künstlerkolleg*innen zu Co-Writings - wenn sie nicht gerade live spielt, wie zuletzt auf dem Nürnberg Pop-Festival oder Ende dieses Jahres in Dubai. 

„Es gibt ‚magische‘ Songs, das merke ich schon beim Schreiben”

June ist eine außergewöhnliche Künstlerin, die überragendes musikalisches Können mit leidenschaftlicher Hingabe verbindet. Manchmal komponiert sie ihre Songs sogar im Traum und setzt sich morgens direkt an ihren Flügel, um diese einzufangen…

Es macht mich wirklich wahnsinnig glücklich, wenn ich mit meinen Songs etwas mehr geben kann als einen Ohrwurm. Ich glaube, Musik hat eine besondere Kraft, es gibt ‚magische‘ Songs, das merke ich schon beim Schreiben. Und natürlich dann auch, wenn ich sie live für andere spiele. Da kann man etwas senden, eine bestimmte Energie. Ich glaube fest daran, dass Musik auch heilsam sein kann. Wenn mir Menschen erzählen, dass sie tief berührt und bewegt sind oder was ein Konzert oder Song von mir für sie bedeutet hat.

 

Diskographie:

Alben:
Métamorphoses (2021)
Fantasies & Fine Lines (2019)
The Road (2015)

Singles/EPs:
Amoureux éperdus (2021)
If Only (2021)
979 (2020)
Lovers and Losers (2018)
Paperskin (2018)

Band des Monats auf Spotify

Hände und Gitarre © Colourbox.com, ldutko Jeden Monat stellen wir euch eine Band oder eine*n Sänger*in aus einem deutschsprachigen Land vor – den Musikstilen sind keine Grenzen gesetzt. Mit dieser Playlist könnt ihr in die Musik der vorgestellten Künstler*innen hineinschnuppern.

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