Aktuelle Literaturszene

Aktuelle Literaturszene © Goethe-Institut │Foto: Loredana La Rocca

Was gibt es Neues in der deutschen Literaturszene? Wir informieren Sie über aktuelle Ereignisse, zu entdeckende Autoren, Neuerscheinungen und Übersetzungen ins Französische.

Sie möchten sich per Mail über die aktuelle Literaturszene auf dem Laufenden halten ? Abonnieren Sie unseren Newsletter!
ewsletter bestellen oder abbestellen

Pandemiebedingt fand die Frankfurter Buchmesse 2020 im Onlineformat statt. In diesem Jahr verlagerte sich der Schauplatz des Events größtenteils wieder zurück in die materielle Welt. Zwar war die Anzahl der zugelassenen Aussteller*innen und Besucher*innen stark reduziert, jedoch wurden die Präsenzveranstaltungen von Onlineevents flankiert, sodass Literaturfans aus der ganzen Welt an der Buchmesse teilnehmen konnten.

Jedes Jahr wird im Rahmen der Frankfurter Buchmesse der Deutsche Buchpreis verliehen. Im Jahr 2021 geht die Auszeichnung an Antje Rávik Strubel, die in ihrem Roman Blaue Frau (S. Fischer, August 2021) den Spuren einer traumatisierten jungen Frau quer durch Europa folgt.

In diesem Newsletter stellen wir Ihnen interessante Neuerscheinungen sowie einige lesenswerte Bücher vor, die vor kurzem ins Französische übersetzt worden sind. Außerdem erfahren Sie mehr über die Preisträgerin und die Finalist*innen des Deutschen Buchpreises.

Wenn Sie sich eingehender mit den sechs Büchern der Shortlist des Buchpreises auseinandersetzen wollen, empfehlen wir Ihnen unser frankreichweites Projekt Vidéolitté. Jedem der sechs Romane ist ein Video gewidmet, in dem ein*e Literaturexpert*in den Inhalt zusammenfasst und das Buch rezensiert.

Viel Spaß beim Lesen!

Fokus: Deutscher Buchpreis 2021

Antje Rávik Strubel bei der Verleihung des Deutschen Buchpreises 2021 Antje Rávik Strubel bei der Verleihung des Deutschen Buchpreises 2021 | © vntr media

Antje Rávik Strubel


Antje Rávik Strubel wurde 1974 in Potsdam geboren und wuchs in Ludwigsfelde auf. Nach einer Ausbildung zur Buchhändlerin studierte sie in Potsdam und New York Literaturwissenschaften, Amerikanistik und Psychologie. Neben ihrer Tätigkeit als Schriftstellerin übersetzt sie Bücher aus dem Englischen und aus dem Schwedischen. Für ihr Werk erhielt sie zahlreiche Literaturpreise: Ihr Roman Kältere Schichten der Luft war 2007 für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert und wurde mit dem Rheingau-Literaturpreis und dem Hermann-Hesse-Preis ausgezeichnet. 2011 stand sie mit dem Roman Sturz der Tage in die Nacht auf der Longlist des Deutschen Buchpreises.

Blaue Frau

Antje Rávik Strubel, S. Fischer, August 2021

Im Herbst 2006 verlässt Adina mit einer Gürteltasche gesparter Euro, einem großen Wanderrucksack und jeder Menge Hoffnung ihr kleines Heimatdorf in Tschechien. Nach Deutschland soll es gehen, in jenes Land, in dem gerade mit Angela Merkel zum ersten Mal eine Frau zur Bundeskanzlerin gewählt wurde und das auch in anderen Belangen als Land des Fortschritts gilt. Doch der Auslandsaufenthalt verwandelt sich für Adina schnell in einen Albtraum, denn während eines Praktikums wird sie von ihrem Vorgesetzten vergewaltigt. Der Versuch ihrem Trauma zu entfliehen führt Adina quer durch Europa bis nach Helsinki. Ein fesselnder Roman, der im Zeitalter von Identitätsdebatten und #MeToo auch eine politische Dimension besitzt.
 
„Mit existenzieller Wucht und poetischer Präzision schildert Antje Rávik Strubel die Flucht einer jungen Frau vor ihren Erinnerungen an eine Vergewaltigung. Schicht um Schicht legt der aufwühlende Roman das Geschehene frei. Die Geschichte einer weiblichen Selbstermächtigung weitet sich zu einer Reflexion über rivalisierende Erinnerungskulturen in Ost- und Westeuropa und Machtgefälle zwischen den Geschlechtern. In einer tastenden Erzählbewegung gelingt es Antje Rávik Strubel, das eigentlich Unaussprechliche einer traumatischen Erfahrung zur Sprache zu bringen. Im Dialog mit der mythischen Figur der Blauen Frau verdichtet die Erzählerin ihre eingreifende Poetik: Literatur als fragile Gegenmacht, die sich Unrecht und Gewalt aller Verzweiflung zum Trotz entgegenstellt.”
Begründung der Jury
 
Präsentation des Romans von Katja Petrovic (auf Französisch, 3 Min.)

Neuerscheinungen

Der zweite Jakob © Hanser Literaturverlage

Der zweite Jakob

Norbert Gstrein, Carl Hanser, Februar 2021

Norbert Gstreins neuer Roman erzählt von einem Schauspieler, dessen wichtigste Rolle die eines Frauenmörders war. Bei einem Dreh an der texanischen Grenze spitzen sich die Dinge zu. Liest man Der zweite Jakob, wird man Zeuge der Tragödie eines alternden Mannes.


Vati © Hanser Literaturverlage

Vati

Monika Helfer, Carl Hanser, Januar 2021

In ihrem neuen Roman erzählt Monika Helfer vom Leben ihres Vaters und von ihrer eigenen Jugend. Entstanden ist ein Roman über das Aufwachsen unter schwierigen Bedingungen in der Nachkriegszeit, der sanft von Existenziellem berichtet und schmerzhaft im Erinnern bleibt.


Eurotrash © Kiepenheuer & Witsch

Eurotrash

Christian Kracht, Kiepenheuer & Witsch, März 2021

In Eurotrash geht ein namenloser Erzähler auf eine Reise – nicht nur ins Innere des eigenen Ichs, sondern in die Abgründe der eigenen Familie, deren Geschichte sich auf tragische, komische und bisweilen spektakuläre Weise immer wieder mit der Geschichte dieses Landes kreuzt.


Zandschower Klinken © Suhrkamp

Zandschower Klinken

Thomas Kunst, Suhrkamp, Februar 2021

Bengt Claasen steigt einfach ins Auto und fährt seinem alten Leben davon. Auf dem Armaturenbrett liegt das Halsband seiner verstorbenen Hündin. Dort, wo es herunterfällt, will er anhalten und weiterleben. In einem Kaff im Nirgendwo steigt Claasen aus.


Identitti © Hanser Literaturverlage

Identitti

Mithu Sanyal, Carl Hanser, Februar 2021

In ihrem Debütroman Identitti geht die Kulturwissenschaftlerin und Journalistin Mithu Sanyal auf satirische Art und Weise der Frage nach, was der Kern von kultureller und sexueller Identität ist. Ein Buch auf Höhe der Zeit und auf Höhe so ziemlich aller gegenwärtigen Diskurse.


Die Nibelungen © S. Fischer

Die Nibelungen

Felicitas Hoppe, S. Fischer, September 2021

Was für eine Geschichte – ein Bad in Drachenblut, Gold, Liebe und Mord: Das Nibelungenlied, die Sage von Siegfried, der schönen Kriemhild und dem düsteren Gegenspieler Hagen. Schriftstellerin Felicitas Hoppe erzählt den alten Stoff spielerisch ganz neu – in einem sprachmächtigen und assoziationsreichen Roman.


Der versperrte Weg © Wallstein Verlag

Der versperrte Weg

Georges-Arthur Goldschmidt, Wallstein, Juli 2021

Jürgen Arthur, später Georges-Arthur Goldschmidt, wurde 1928 geboren und erweckt Autobiografisches und den Schrecken unserer Geschichte in seiner Literatur zu neuem Leben. In seinem neuen Roman schließt er eine empfindsame Lücke seiner persönlichen Reflektionen und begibt sich auf den Pfad seines Bruders.


Vater und ich © Verbrecher Verlag

Vater und ich

Dilek Güngör, Verbrecher Verlag, Juli 2021

Ein ganzes Wochenende verbringt Ipek allein mit ihrem Vater. Das Problem: Die beiden haben keine gemeinsame Sprache mehr und kein gemeinsames Leben. Dilek Güngör beschreibt in ihrem neuen Roman Vater und ich eindringlich die Distanz zweier Menschen, die sich einmal nahe waren.


Übersetzungen ins Französische

Les dents de lait © Gallmeister

Les dents de lait

Helene Bukowski, Gallmeister, August 2021
Übersetzt von Sarah Raquillet und Elisa Crabeil
Originaltitel: Milchzähne

In dieser bedrückenden Dystopie entwickelt sich Skalde, ein starkes junges Mädchen mit einem großen Herzen, in einer sterbenden Welt, die von Angst und Aberglauben beherrscht wird. Sie beschließt, sich über die Verbote hinwegzusetzen und ihr Schicksal in die Hand zu nehmen.


Les occasions manquées © Le Quartanier

Les occasions manquées

Lucy Fricke, Le Quartanier, September 2021
Übersetzt von Isabelle Liber
Originaltitel: Töchter

Zwei Frauen brechen auf zu einer Reise in die Schweiz, mit einem todkranken Vater auf der Rückbank. Eine letzte, finale Fahrt soll es werden, doch nichts endet, wie man es sich vorgestellt hat, schon gar nicht das Leben.


Le chat, le Général et la Corneille © Belfond

Le chat, le Général et la Corneille

Nino Haratischwili, Belfond, August 2021
Übersetzt von Rose Labourie
Originaltitel: Die Katze und der General

Die Katze und der General beginnt in einer Nacht im Dezember 1994, während des ersten Tschetschenienkriegs. Eine Geschichte von Gewalt, Leidenschaft und Schuld, die untrennbar mit der Geschichte des heutigen Europas verbunden ist.


 Lilas rouge © Verdier

Lilas rouge

Reinhard Kaiser-Mühlecker, Verdier, März 2021
Übersetzt von Olivier Le Lay
Originaltitel: Roter Flieder

Roter Flieder ist eine Familiensaga, in der sich die Geschichte des zwanzigsten Jahrhundert spiegelt. Sie erzählt das traurige Schicksal der Familie eines NS-Politikers, auf der ein unausgesprochener Fluch lastet, dem sie nicht entfliehen kann.


QualityLand © Actes Sud

QualityLand

Marc Uwe-Kling, Actes Sud, September 2021
Übersetzt von Juliette Aubert
Originaltitel: QualityLand

In QualityLand wird alles von Algorithmen optimiert. Trotzdem hat der Maschinenverschrotter Peter Arbeitsloser immer mehr das Gefühl, dass mit seinem Leben etwas nicht stimmt. Warum werden die Maschinen immer menschlicher, aber die Menschen immer maschineller?


Le Grand Rire des hommes assis au bord du monde © Seuil

Le Grand Rire des hommes assis au bord du monde

Philipp Weiss, Seuil, August 2021
Übersetzt von Olivier Mannoni
Originaltitel: Am Weltenrand sitzen die Menschen und lachen

In seinem neuen Roman erzählt Philipp Weiss vom Wandel der Welt im Anthropozän. Zwischen Frankreich und Japan, zwischen dem 19. und dem 21. Jahrhundert, in Form von Enzyklopädie, Audiotranskription, Erzählung, Notizheft, und Comic entwirft dieser kühne Roman ein Panoptikum unserer fliehenden Wirklichkeit.


Le père. Un règlement de compte © Plein Jour

Le père. Un règlement de comptes

Niklas Frank, Plein Jour, Oktober 2021
Übersetzt von Corinna Gepner
Originaltitel: Der Vater. Eine Abrechnung

Bei Erscheinen des Buches 1987 stieß Niklas Frank, Sohn des NS-Politikers Hans Frank, auf ungeheuren Widerstand. Darf man so über seinen Vater sprechen? In seiner Recherche rekonstruierte Frank das Leben seines Vaters und erkannte, von welch ungeheurem Ausmaß seine Verbrechen waren.


Monsieur Faustini part en voyage © Verdier

Monsieur Faustini part en voyage

Wolfgang Hermann, Verdier, August 2021
Übersetzt von Olivier Le Lay
Originaltitel: Herr Faustini verreist

Herr Faustini lebt allein in einem kleinen Dorf nahe der schweizerischen Grenze. Er verbringt viel Zeit in öffentlichen Verkehrsmitteln. Als seine Schwester, die im Süden lebt, ihn zu ihrem Geburtstag einlädt, macht er sich auf eine Reise, die ihn weit aus seinem gewohnten Leben entführt.


Empfehlungen zum Weiterlesen

Übersetzungen Belletristik

Hier finden Sie Übersetzungen von Werken deutschsprachiger Literatur, die vor kurzem auf dem französischen Markt erschienen sind oder in den kommenden Monaten erscheinen werden.





Kontakt

Sie haben Fragen oder Anregungen zu diesem Angebot? Kontaktieren Sie uns gern! Aurelie.Marquer@goethe.de

Top