Aktuelle Literaturszene

Aktuelle Literaturszene © Goethe-Institut │Foto: Loredana La Rocca

Was gibt es Neues in der deutschen Literaturszene? Wir informieren Sie über aktuelle Ereignisse, zu entdeckende Autoren, Neuerscheinungen und Übersetzungen ins Französische.

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In einer Zeit, in der die großen literarischen Veranstaltungen des Frühjahrs abgesagt werden und das kulturelle Leben im Allgemeinen auf Eis gelegt wird, ist es wichtiger denn je, die Bedeutung von Kunst und Literatur zu schätzen. Die Flucht, die Weltoffenheit, die Hoffnung, die sie uns bieten, können ein wertvoller Motor sein, um den Rückzug und die Angst zu überwinden, die unsere unruhigen Zeiten uns auferlegen.

Aus diesem Grund möchten wir Ihnen diesmal einen Newsletter anbieten, der sich der Poesie widmet. Die deutschsprachige Gegenwartslyrik ist lebendig, vielfältig, kontemplativ, engagiert, urban oder naturverbunden und bietet eine enorme Vielfalt.
Wenden wir uns zunächst dem Dichter Nico Bleutge zu, dessen Werk in Frankreich noch wenig bekannt ist und es verdient, hervorgehoben zu werden. Eine Auswahl von in Deutschland neu erschienenen Werken und kürzlich in Frankreich veröffentlichten Übersetzungen gibt Ihnen einen Überblick über das poetische Leben auf der anderen Seite des Rheins.

Viel Spaß beim Lesen und bis bald!

Fokus: Nico Bleutge

Nico Bleutge wurde 1972 in München geboren. Er studierte von 1993 bis 1998 Neuere Deutsche Literatur, Allgemeine Rhetorik und Philosophie in Tübingen. Heute lebt er in Berlin. Seit 2001 ist er freier Literaturkritiker, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung, die Neue Zürcher Zeitung und die Stuttgarter Zeitung. Er zählt zu den wichtigsten und einfallsreichsten Stimmen der zeitgenössischen deutschen Poesie. Sein Werk vereint verbale und akustische Kraft mit einer fokussierten, komplexen und mehrdeutigen Beschreibung der heutigen Wirklichkeit. Seit 2006 hat er vier Gedichtsammlungen und mehrere Essays veröffentlicht. 

In seinem neusten Essay Drei fliegen. Über Gedichte (C.H.Beck 2020) taucht Bleutge in die Sprachwelten anderer Dichterinnen und Dichter ein und bringt dabei zugleich Gedanken über das eigene Schreiben an die Oberfläche. Obwohl er in Deutschland mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde, ist er in Frankreich noch wenig bekannt.

C.H. Beck
Lyrikline – Nico Bleutge liest
„Nachts leuchten die Schiffe“ in der Onleihe ausleihen
„Drei fliegen. Über Gedichte“ in der Onleihe ausleihen

Klicken Sie die Bildergalerie durch und entdecken sie die Gedichtsammlungen von Nico Bleutge!

  • Nico Bleutge Foto (Ausschnitt): EkkovonSchwichow

    Nico Bleutge

  • klare konturen. gedichte (C.H.Beck, 2006) © C.H.Beck

    klare konturen. gedichte
    (C.H.Beck, 2006)


    Das scheinbar Selbstverständliche, unsere Wahrnehmung, ist im täglichen Leben durch den Gebrauch gleichsam verschattet. Gedichte öffnen unsere Sinne. In seinem ersten Gedichtband widmet sich der junge Lyriker dem Sehen, Hören, Betasten, Sprechen, der „Peilung“ der Blicke und dem Körperlichwerden der Worte.

  • fallstreifen. gedichte (C.H.Beck, 2008) © C.H.Beck

    fallstreifen. gedichte
    (C.H.Beck, 2008)


    In seinem zweiten Band erkundet der junge Lyriker zwischen eigener Geschichte und Landschaften das Terrain der Erinnerung. Seine neuen Gedichte führen in die Vergangenheit hinein, machen historische Schichten und Stimmen lesbar, von der Zeit des Barock bis zu den Resten des Zweiten Weltkriegs auf der Insel Sylt.

  • verdecktes gelände. gedichte (C.H.Beck, 2013) © C.H.Beck

    verdecktes gelände. gedichte
    (C.H.Beck, 2013)


    Traum und Schlaf, Dämmerung und Dunkelheit – Umrisse verschwimmen, Bilder überlagern sich, Orte und Szenen ändern ihre Form. In seinem dritten Gedichtband spürt Nico Bleutge den Übergängen zwischen Wach- und Traumzuständen nach. Diese Gedichte sind aufregende Expeditionen ins Sprachgelände und in die Grenzzonen von Bewusstsein und Welt.

  • nachts leuchten die schiffe. gedichte (C.H.Beck, 2017) © C.H.Beck

    nachts leuchten die schiffe. gedichte
    (C.H.Beck, 2017)


    Den Kern seines neuen Bandes bildet ein Zyklus aus zehn längeren Gedichten, die sprachlich und motivisch eng verzahnt sind. Mit großer rhythmischer Kraft zeigt uns Nico Bleutge die Zeitschichten und Mehrdeutigkeiten, die in der Sprache versteckt sind – aber auch die Verknüpfungen, Gemeinsamkeiten, die das Gedicht immer wieder aufspüren kann.

Nico Bleuge Foto: © Ekko von Schwichow

​Nico Bleutge: Nachts Leuchten die Schiffe

Nico Bleutge wurde in Deutschland mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und zählt zu den wichtigsten und einfallsreichsten Stimmen der zeitgenössischen deutschen Poesie. Im Gespräch mit Guillaume Métayer stellt er seinen neuesten Gedichtband vor. In Kooperation mit der Universität Paris-Sorbonne und dem Master MEGEN.

Neuerscheinungen

Kreuzzug mit Hund © Suhrkamp

Kreuzzug mit Hund

Nora Bossong, Suhrkamp, 2018

Nora Bossong reist in ihrem Gedichtband von der deutschen Provinz übers Mittelmeer ins Heilige Land und weiter. Erfahrungshungrig spürt sie poetische Szenen zwischen jahrhundertealter Vergangenheit und konzentrierter Gegenwart auf. Fast beiläufig nimmt sie Menschen, Orte, Traditionen in den Blick und beschreibt sie mit subtilem Humor und Feingefühl, ohne ihnen ihre Geheimnisse zu nehmen.


Mein Europa © Haymon

Mein Europa

Michael Krüger, Haymon Verlag, 2019

Über den Zeitraum von eineinhalb Jahren hat Michael Krüger an all den Orten, die er bereiste, Gedichte verfasst. Es sind die Orte der Peripherie, an denen er mehr über sich und das Leben vernimmt als im Trubel der großen Städte. Entstanden ist ein sehr persönlicher Atlas Europas, in dem man mit dem Blick des Autors in die Welt ebenso wie in seine ganz private Umgebung schaut.


Nimbus © Suhrkamp

Nimbus

Marion Poschmann, Suhrkamp, 2020

Mit festem Griff und Subtilität, Witz und Zärtlichkeit unternimmt Marion Poschmann in ihren Gedichten den Versuch, Nähe und Ferne zusammenzudenken und die maßlosen Kräfte der äußeren Gegenwart in einen Raum der Innigkeit zu verwandeln. Nimbus ist eine Feier des Sublimen und des Schönen, mitreißend und formbewusst, unverwechselbar im Ton, lustvoll und philosophisch.


Beileibe und Zumute © Jung und Jung

Beileibe und Zumute

Ursula Krechel, Jung und Jung, 2021

Ursula Krechel ist in vielen Genres zu Hause. Für ihren Roman Landgericht wurde sie mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Begonnen aber hat ihre Karriere am Theater – und nicht zuletzt ist sie seit Jahrzehnten eine der wichtigen Stimmen deutschsprachiger Lyrik. In ihrem neuen Band bildet sie die Gegenwart in ebenso versierter wie humorvoller Poesie ab. Für Alltagsphänomene wie auch persönliche und kollektive Erinnerungen findet sie eine wache, ausbalancierte Sprache.


sommerschaumsernte © Kiepenheuer und Witsch

sommerschaums ernte

Kathrin Schmidt, Kiepenheuer und Witsch, 2020

Kathrin Schmidts Gedichte erzählen vom Älterwerden, von Abschieden, von der Vergänglichkeit. Und doch sind sie das Gegenteil von Stillleben. Alles bewegt sich – getrieben von großer Lebensliebe, Klugheit und scharfem Humor. Gesprochen und nachgedacht wird über den Körper, über das Vergehen der Natur ringsum, über die Familie. Über alles, was bleibt, und über die Dinge, die verschwinden.


Dämonenräumdienst © Suhrkamp

Dämonenräumdienst

Marcel Beyer, Suhrkamp, 2020

In jedem einzelnen der exakt vierzig Verszeilen langen Poeme nimmt sich eine andere Figur jede Freiheit, die die strenge Begrenzung ihr lässt, erzählt Geschichten, paraphrasiert Übersetzungen, stellt Reihungen an - kurz: Sie treiben es bunt, manchmal auch wild, so dass am Ende gesagt werden muss: Es wird ernst! Es wird Zeit, den Dämonenräumdienst zu rufen.


Schiefern © Suhrkamp

Schiefern

Esther Kinsky, Suhrkamp, 2020

Schiefer, dem vielgestaltigen, wandlungsfähigen Sedimentgestein, und den schottischen Slate Islands, ist Esther Kinskys Buch gewidmet. Die Gedichte dieses Bandes erkunden Fragen der geologischen Frühgeschichte und der Definitionen des metamorphischen Gesteins der Inseln, widmen sich der Flora und den Vögeln und streifen die Geschichte der in die harte Arbeit des Schieferabbaus eingebundenen Menschen.


Im Glasberg © Schöffling & Co.

Im Glasberg

Nadja Küchenmeister, Schöffling & Co, 2020

In der jungen Lyrikgeneration ist Nadja Küchenmeister längst etabliert. In ihrem dritten Gedichtband hat sie ihren ganz eigenen Ton gefunden. Die Gedichte sind zart und schonungslos zugleich. Nadja Küchenmeister versteht es, Stimmungsbilder zu erzeugen, die uns nicht mehr loslassen. Dabei erneuern ihre Texte stets unseren Blick auf die Welt und öffnen Türen, wo wir keine vermuten.


Übersetzungen ins Französische

Les variations de la citerne © Actes Sud

Les variations de la citerne

Jan Wagner, Actes Sud, 2019
Übersetzung: Julien Lapeyre de Cabanes und Alexandre Pateau
Originaltitel: Regentonnenvariationen

In diesem Lyrikband geht es in die Natur mit all ihren kunstvollen Variationen des Lebens. Jan Wagner lässt den Giersch schäumen, dass einem weiß vor Augen wird, nimmt Weidenkätzchen und Würgefeige ins poetische Visier, zoomt ran, überblendet assoziativ, bis der Blick sich weitet und man weiß, für einen Augenblick zum Wesen der Dinge vorgedrungen zu sein – bis längst Vergessenes oder nie Gesehenes vor Augen steht.


Presque un chant © Gallimard

Presque un chant

Durs Grünbein, Gallimard, 2019
Übersetzung: Jean-Yves Masson und Fedora Wesseler
Originaltitel: Gedichte

Das Werk von Durs Grünbein, das sich damit auseinandersetzt, wie Wissenschaft und Technologie unsere Wahrnehmung der Welt und des Menschen beeinflussen, revidiert das gesamte Erbe der westlichen Poesie mit einer wissenschaftlichen Distanz und Ironie, die ihm eigen sind. Aber auch der Sinn für das Staunen und eine tiefe Treue gegenüber der Eindrücke aus der Kindheit zeigen sich in den etwa hundert Gedichten in diesem Band.


Khlebnikov pleure © Editions Unes

Khlebnikov pleure

Anne Seidel, Unes, 2020
Übersetzung: Laurent Cassagnau
Originaltitel: Chlebnikov weint
 
Schon der Titel von Anne Seidels Debütroman zeichnet eine gewisse Nähe zum wirkungsmächtigen russischen Dichter Velimir Chlebnikov an. Zwei zentrale Elemente von Seidels Gedichten sind die Deterritorialisierung der Worte und eine Art Aneignung des Futurismus. „In einem gewissen Sinne wirken Anne Seidels Gedichte kryptisch. In ihrem assoziativen Verfahren gleichen Worte Schlaglichtern, die punktuell eine Szenerie erhellen oder aufscheinen lassen, osteuropäisch anmutende Kultur- und Stadtlandschaften etwa, wie es zum Beispiel in dem bei aller Reduktion wunderbar atmosphärischen Gedicht Sankt Petersburg zu beobachten ist.“ Jayne-Ann Igel.


Crayons combustibles © Éditions Unes

Crayons combustibles

Thomas Kling, Unes, 2020
Übersetzung: Laurent Cassagnau
Originaltitel: Brennstabm

Mehr als 15 Jahre nach seinem Tod gehört Thomas Kling zu den sprachmächtigsten Dichtern seiner Generation. Wohl kaum ein anderer Lyriker deutscher Zunge hat sich im Verlauf der achtziger Jahre so durch seine Kunst des Vortrags, die eine Lesung in eine sprachartistische Aufführung verwandelt, bemerkbar gemacht wie Thomas Kling. Endlich übersetzt der Verlag Unes dieses Monument deutscher Poesie.


Attraction terrestre © La Dogana

Attraction terrestre

Wulf Kirsten, Dogana, 2020
Übersetzung: Stéphane Michaud
Originaltitel: Erdanziehung

Wulf Kirstens Gedichte entziehen sich jeder Strömung, sie strömen selbst wie die Elbe durch das Gebirge und bahnen sich ihren Weg in das Empfinden der Leser, erzählen von der Sehnsucht, evozieren längst vergangene Kindheitstage, sind erdverbunden und haben zugleich Worte für die Leere, für die Stille, für die Gegenden, wo nur noch die Erinnerung haust und die Natur übernimmt.


Poèmes © Vagabonde

Poèmes

Hans-Magnus Enzensberger, Vagabonde, 2021
Übersetzung: Patrick Charbonneau
Originaltitel: Gedichte

Surtout connu en France pour ses romans et ses essais politiques et sociologiques, Hans Magnus Enzensberger n'en est pas moins un immense poète, reconnu comme tel outre-Rhin depuis toujours; Cette anthologie rassemble 78 poèmes issus de plusieurs recueils depuis les années 1980, offrant ainsi une superbe sélection de son œuvre poétique.


Foliesophie © érès

Foliesophie

Urs Jaeggi, Erès, 2019
Übersetzung: Alain Jadot
Originaltitel: Folliesophie

Wenn alles sich wandelt, wandeln sich die Sprachen. Immer im Fluss, immer unkontrollierbarer. Darum in immer kürzeren Abständen Materialprüfung: Infragestellen, Herantasten an Gesehenes, Geschehenes, Gespürtes, Gedachtes. … Tanzen. Bis Worte auftauchen und bis keine Worte mehr. Im Absurden, in dem wir leben, neu ansetzen, immer offener und verletzlicher.


Plier une hirondelle © Les inaperçus

Plier une hirondelle

Margret Kreidl, Les inaperçus, 2020
Übersetzung: François Mathieu
Originaltitel: Eine Schwalbe falten

Eine Schwalbe falten ist ein Album der Träume, Alpträume und Märchen, die wahr werden. Die Frauen singen, die Hasen springen, die Männer schießen, die Kinder müssen. Die Grenzen zwischen Prosa und Gedicht sind genauso fließend wie die Grenzen zwischen Kindheit und Erwachsensein, Gesundheit und Kranksein, Schlafen und Wachen. Und Vögel ziehen durch das Buch, als Seelen- und Nachttiere.


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Übersetzungen Belletristik

Hier finden Sie Übersetzungen von Werken deutschsprachiger Literatur, die vor kurzem auf dem französischen Markt erschienen sind oder in den kommenden Monaten erscheinen werden.





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