Aktuelle Literaturszene

Aktuelle Literaturszene © Goethe-Institut │Foto: Loredana La Rocca

Was gibt es Neues in der deutschen Literaturszene? Wir informieren Sie über aktuelle Ereignisse, zu entdeckende Autoren, Neuerscheinungen und Übersetzungen ins Französische.

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Während die Pandemie weltweit um sich greift, nahm die Frankfurter Buchmesse die Herausforderung an, und setzte in diesem Jahr eine fast vollständig digitale Version um, mit zahlreichen virtuellen Veranstaltungen und Animationen. 

In diesem ganz besonderen Kontext wurde die Autorin Anne Weber für ihr Buch Annette, ein Heldinnenepos (Matthes & Seitz Berlin, Februar 2020) mit dem Deutschen Buchpreis 2020 ausgezeichnet – eine tolle Ehrung für die Schriftstellerin, die seit mehreren Jahrzehnten in Paris lebt. Die französische Version ihres Buches erschien in Frankreich im März 2020 unter dem Titel Annette. Une épopée (Seuil).

In diesem Newsletter erfahren Sie mehr über die Preisträgerin sowie die anderen Finalist*innen – und wir stellen Ihnen wie immer eine Auswahl an Neuerscheinungen und aktuellen Übersetzungen ins Französische vor.

Bei dieser Gelegenheit möchten wir Sie darüber informieren, dass der Nerval-Goethe-Preis für literarische Übersetzung 2020 im September an die Übersetzerin Stéphanie Lux für ihre Übersetzung des Romans Katie von Christine Wunnicke verliehen wurde. 

Abschließend möchten wir Ihre Aufmerksamkeit auf das literarische Online-Angebot des Goethe-Instituts lenken:

  • Die virtuelle Bibliothek des Goethe-Instituts in Frankreich, die Onleihe, ermöglicht Ihnen die kostenlose Ausleihe von Büchern, Hörbüchern, Zeitungen und Zeitschriften im digitalen Format.
  • Der literarische Podcast des Goethe-Instituts in Paris, Audiolitté, ermöglicht es Ihnen, literarische Begegnungen und Debatten nachzuhören, an denen Sie nicht teilnehmen konnten.
  • Vidéolittéstellt Ihnen in Video-Interviews und -Debatten Neuheiten und literarische Highlights vor.
Viel Spaß beim Lesen und bis bald!

Fokus: Deutscher Buchpreis 2020

  • Anne Weber vor dem Plakat des Deutschen Buchpreises 2020 Foto (Ausschnitt): vntr.media

    Anne Weber erhält den Deutschen Buchpreis 2020

  • Buchcover von Annette, ein Heldinnenepos / Annette, une épopée Fotos: Matthes & Seitz Berlin / Seuil

    Annette, ein Heldinnenepos / Annette, une épopée

Anne Weber

1964 in Offenbach geboren, lebt Anne Weber seit 1983 in Paris. Ihr Oeuvre umfasst unterschiedliche Werke: Das Spektrum reicht von dem „mythologischen Roman“ Tal der Herrlichkeiten bis zu dem autobiografischen Essay Ahnen, in dem sie sich in Form eines Zeitreisetagebuchs mit ihrer eigenen Familiengeschichte auseinandersetzt. Als Übersetzerin schreibt Anne Weber ihre Bücher stets in einer deutschen und französischen Version. 
 

Annette, ein Heldinnenepos

Matthes und Seitz, 2020

Was für ein Leben! 1923 in der Bretagne geboren, aufgewachsen in einfachen Verhältnissen, schon als Jugendliche Mitglied der kommunistischen Résistance, Retterin zweier jüdischer Jugendlicher, nach dem Krieg, Neurophysiologin in Marseille, 1959 zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt wegen ihres Engagements auf Seiten der algerischen Unabhängigkeitsbewegung… und noch heute an Schulen ein lebendiges Beispiel für die Wichtigkeit des Ungehorsams. Anne Weber erzählt das unwahrscheinliche Leben der Anne Beaumanoir in einem brillanten biografischen Heldinnenepos.

Begründung der Jury:

„Die Kraft von Anne Webers Erzählung kann sich mit der Kraft ihrer Heldin messen: Es ist atemberaubend, wie frisch hier die alte Form des Epos klingt und mit welcher Leichtigkeit Weber die Lebensgeschichte der französischen Widerstandskämpferin Anne Beaumanoir zu einem Roman über Mut, Widerstandskraft und den Kampf um Freiheit verdichtet. Annette, ein Heldinnenepos ist eine Geschichte voller Härten, die Weber aber mit souveräner Dezenz und feiner Ironie erzählt. Dabei geht es um nichts weniger als die deutsch-französische Geschichte als eine der Grundlagen unseres heutigen Europas. Wir sind dankbar, dass Anne Weber Annette für uns entdeckt hat und von ihr erzählt.“

Anne Webers Dankesrede bei der PreisverleihungMatthes & Seitz Berlin
Rezensionen (Perlentaucher)
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Neuerscheinungen

Aus der Zuckerfabrik © Carl Hanser

Aus der Zuckerfabrik

Dorothee Elmiger, Carl Hanser, August 2020

Dieser Roman, in dem alles und nichts miteinander in Verbindung steht, beginnt mit einem Arbeiter, der gerade seinen Lohn ausbezahlt bekommt, und dem ersten Lottomillionär am Strand einer karibischen Insel, der aufs Meer hinausblickt. Die Biografien eines Mischmaschs an Mystikerinnen, Unersättlichen, Spielern, Orgiastinnen und Kolonialisten wird erzählt anhand von Beobachtungen, Befragungen und Ermittlungen, die die Komplexität dieser Welt in all ihren Facetten aufzeichnen.


Serpentinen © Ullstein Buchverlage

Serpentinen

Bov Bjerg, Ullstein/Claassen, Januar 2020
 
Ein Vater unterwegs mit seinem Sohn. Ihre Reise führt zurück zur Kindheit des Vaters. Ständiger Reisebegleiter ist das Schicksal der männlichen Vorfahren, die sich allesamt das Leben nahmen. Der Vater erkennt, dass sein Weg keine Erlösung gebracht hat. Vielleicht helfen die Rückkehr und das Erinnern. Genau, mutig und lang nachwirkend erzählt Bov Bjerg vom Kampf eines Vaters gegen die Dämonen der Vergangenheit. Nur wenn er seinen Sohn so liebt, wie er selbst nie geliebt wurde, kann die Reise glücken.


Herzfaden © Kiepenheuer & Witsch

Herzfaden

Thomas Hettche, Kiepenheuer & Witsch, September 2020

Nach einer Vorstellung der Augsburger Puppenkiste gerät ein zwölfjähriges Mädchen auf einen märchenhaften Dachboden, wo sie eine Frau kennenlernt und sich mit ihren Marionetten befreundet. Diese Frau erzählt ihr die Geschichte eines einmaligen Theaters und der Familie, die sie während des Zweiten Weltkriegs gegründet und berühmt gemacht hat. Herzfaden erzählt von der Kraft der Fantasie in dunklen Zeiten und von der Wiedergeburt des Theaters.


Streulicht © Suhrkamp

Streulicht

Deniz Ohde, Suhrkamp, August 2020

Industrieschnee markiert die Grenzen des Orts. Hier ist die Ich-Erzählerin aufgewachsen, hierher kommt sie zurück und erinnert sich: an den Vater, der nichts wegwerfen konnte, bis nicht nur der Hausrat, sondern auch die verdrängten Erinnerungen hervorquollen. An die Mutter, die in der Enge der Arbeiterwohnung erstickte, bis sie die Koffer packte und die Tochter beim trinkenden Vater ließ. An den Schulabbruch, die Anstrengung, Versäumtes nachzuholen und an die Angst, als Aufsteigerin auf ihren Platz zurückverwiesen zu werden.


Die Dame mit der bemalten Hand © Berenberg

Die Dame mit der bemalten Hand

Christine Wunnicke, Berenberg, August 2020
 
1764. Indien stand nicht auf dem Reiseplan und die Insel Elephanta schon gar nicht. Der Forschungsreisende Carsten Niebuhr aus dem Bremischen ist hier gestrandet, obwohl er in Arabien sein sollte. Ebenso Meister Musa, Astrolabienbauer aus Jaipur, obwohl er in Mekka sein wollte. Man spricht leidlich Arabisch miteinander, genug, um die Tage bis zur Rettung herumzubekommen. Um sich öst-westlich misszuverstehen und freundlich über Sternbilder zu streiten.


Ein Mann der Kunst © Antje Kunstmann

Ein Mann der Kunst

Kristof Magnusson, Antje Kunstmann,
August 2020
 
Ein berühmter Maler, der zurückgezogen auf einer Burg am Rhein lebt, Kunstfreunde, die ihn verehren und ihm ein Museum bauen wollen: Wie die Kunstfreunde bei dieser Begegnung mit ihrem Idol nach und nach die Contenance verlieren, als der Meister ihnen die Unvollkommenheit der Welt und ihre eigene um die Ohren haut und dabei subtil die eigene Größe inszeniert – davon erzählt Kristof Magnusson mit großer Meisterschaft und leuchtet die Untiefen unseres Kulturbetriebs aus.


Monster wie wir © Schöffling & Co.

Monster wie wir

Ulrike Almut Sandig, Schöffling und Co.,
Juli 2020
 
Ruth spielt Geige und hat Angst vor Vampiren. Sie wächst in einem Pfarrhaus in der ostdeutschen Pampa auf. Ihr bester Freund Viktor hat einen Mondglobus und Falten im Gesicht. Er fürchtet sich nur vor seinem Scheißschwager. Was Gewalt bedeutet, wissen sie beide. Hier, wo der Braunkohleabbau ganze Dörfer und Wälder verschlingt, hilft man sich am besten selbst. In ihrem ersten Roman schildert die gefeierte Dichterin ihre Generation, geprägt von Identitätsverlust und der Suche nach Selbstbestimmung.


Der letzte Satz © Hanser Berlin

Der letzte Satz

Robert Seethaler, Hanser Berlin, August 2020
 
An Deck eines Schiffes auf dem Weg von New York nach Europa sitzt Gustav Mahler. Er ist berühmt, der größte Musiker der Welt, doch sein Körper schmerzt, hat immer schon geschmerzt. Während ihn der Schiffsjunge umsorgt, denkt er zurück an die letzten Jahre, die Sommer in den Bergen, den Tod seiner Tochter Maria, an Anna, die andere Tochter, die gerade unten beim Frühstück sitzt, und an Alma, die Liebe seines Lebens, die er längst verloren hat. Es ist seine letzte Reise. 


Übersetzungen ins Französische

Le pommier © Fayard

Der Apfelbaum

Christian Berkel, Fayard, September 2019
̶  Übers. Laurence Richard

Otto stammt aus der Arbeiterklasse, Sala aus einer intellektuellen jüdischen Familie. 1938 muss Sala ihre deutsche Heimat und ihre große Liebe verlassen. Während Otto als Sanitätsarzt in den Krieg zieht, wird Sala bei einem Fluchtversuch verraten und interniert. Nach dem Krieg werden sie wieder zueinander finden. Um den Roman seiner Familie zu schreiben, kehrte der Schauspieler zu seinen Wurzeln zurück. Er liefert uns „einen großen Roman über Liebe und Familie, der mit Brillanz erzählt wird“ (FAZ).


Plus jamais nuit © Les éditions du Typhon

Nie mehr Nacht

Mirko Bonné, Les éditions du Typhon,
Oktober 2020  ̶  Übers. Juliette Aubert
 
Markus Lee reist in den Herbstferien in die Normandie, um für ein Hamburger Kunstmagazin Brücken zu zeichnen, die bei der Landung der Alliierten im Sommer 1944 eine entscheidende Rolle spielten. Lee nimmt seinen fünfzehnjährigen Neffen Jesse mit, dessen bester Freund mit seiner Familie in Nordfrankreich ein verlassenes Strandhotel hütet. Überschattet wird die Reise von der Trauer um Jesses Mutter Ira, deren Suizid der Bruder und der Sohn jeder für sich verwinden müssen. In der verwunschenen Atmosphäre des Hotels L’Angleterre entwickelt sich der geplante einwöchige Aufenthalt zu einer monatelangen Auszeit, die nicht nur für Markus Lee einen Wendepunkt im Leben markiert.


Elle venait de Marioupol © Métailié

Sie kam aus Mariupol

Natascha Wodin, Métailié, Oktober 2020
̶  Übers. Alban Lefranc
 
Natascha Wodin erzählt die Geschichte ihrer Mutter, die aus der ukrainischen Hafenstadt Mariupol stammte und in die Fänge zweier Diktaturen geriet: Als junge Frau erlebt sie den Untergang ihrer Adelsfamilie im stalinistischen Terror, wird 1944 von den Nazis als „Ostarbeiterin“ nach Deutschland verschleppt, überlebt die Zwangsarbeit und zerbricht daran. Historisch aufschlussreich, fesselnd und plastisch bringt Wodin dem Leser ein Schicksal nahe, das beispielhaft für Millionen andere stehen kann.


Khlebnikov pleure © Editions Unes

Chlebnikov weint

Anne Seidel, Editions Unes, September 2020
̶  Übers. Laurent Cassagnau
 
Schon der Titel von Anne Seidels Debütroman zeichnet eine gewisse Nähe zum wirkungsmächtigen russischen Dichter Velimir Chlebnikov an. Zwei zentrale Elemente von Seidels Gedichten sind die Deterritorialisierung der Worte und eine Art Aneignung des Futurismus. „In einem gewissen Sinne wirken Anne Seidels Gedichte kryptisch. In ihrem assoziativen Verfahren gleichen Worte Schlaglichtern, die punktuell eine Szenerie erhellen oder aufscheinen lassen, osteuropäisch anmutende Kultur- und Stadtlandschaften etwa, wie es zum Beispiel in dem bei aller Reduktion wunderbar atmosphärischen Gedicht Sankt Petersburg zu beobachten ist.“ Jayne-Ann Igel.


La consolation des choses rondes © Chambon

Der Trost runder Dinge

Clemens J. Setz, Chambon, Oktober 2020
̶  Übers. Stéphanie Lux
 
Ein elsässischer Soldat im Ersten Weltkrieg entdeckt das Sternbild des Großen Burschen, das so schauderhaft ist, dass er niemandem davon erzählen kann. Ein junger Mann, der sich in die blinde Anja verliebt hat, muss feststellen, dass ihr Apartment mit Beschimpfungen bekritzelt ist. Marcel, 16 Jahre alt, hinterlässt auf der Toilettenwand eines Erotiklokals seine Handynummer und den Namen Suzy. Ein Buch voller Irrlichter und doppelter Böden – radikal erzählt und aufregend bis ins Detail.


Sous la lumière des vitrines © Éditions Actes Sud

Unhaltbare Zustände

Alain C. Sulzer, Éditions Actes Sud,
September 2020  ̶  Übers. Johannes Honigmann
 
Seit mehreren Jahrzehnten arbeitet der Schaufensterdekorateur Stettler im größten Kaufhaus der Stadt. Nun, mit knapp sechzig, wird ihm überraschend ein jüngerer Kollege zur Seite gestellt. Stettlers Welt beginnt zu bröckeln. Es ist das Jahr 1968, und es bröckelt auch sonst alles, die jungen Leute tragen Bluejeans und wissen nicht mehr, was sich gehört. Am Münsterturm hängt auf einmal eine Vietcong-Fahne. Ein Roman über einen, der sich gegen den Wandel der Zeiten auflehnt und dabei ins Wanken gerät.


Presque génial © Slatkine et Cie

Fast genial

Benedict Wells, Slatkine et Cie, August 2020
̶  Übers. Dominique Autrand
 
„Ich hab das Gefühl, ich muss meinen Vater nur einmal anschauen, nur einmal kurz mit ihm sprechen, und schon wird sich mein ganzes Leben verändern.“ Die unglaubliche, aber wahre Geschichte über einen mittellosen Jungen aus dem Trailerpark, der eines Tages erfährt, dass sein ihm unbekannter Vater ein Genie ist. Gemeinsam mit seinen Freunden macht er sich in einem alten Chevy auf die Suche nach ihm. Eine Reise quer durch die USA – das Abenteuer seines Lebens.


L’heure des spécialistes © Belfond

Die Stunde der Spezialisten

Barbara Zoeke, Belfond, September 2020

​1940. Professor Max Koenig bekommt die Diagnose eines vererbten Nervenleidens und kommt in die Wittenauer Heilstätten. Um zukünftige Deutsche vor einem „lebensunwerten Leben“ zu schützen, wird den beteiligten Ärzten freie Hand gelassen. Barbara Zoeke schildert das Geschehen aus unterschiedlichen Perspektiven – empathisch und erschütternd klar. Es gelingt ihr, dieses Verbrechen der Nationalsozialisten zu vergegenwärtigen und den Opfern, Angehörigen und Tätern eine literarische Stimme zu geben.


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