Ausstellung Hanns ZISCHLER – TOURS ET DÉTOURS

Feuertaufe / We Got Ignition II, Loire Valley, 2015 Hanns Zischler (Ausschnitt)
© Hanns Zischler

Hanns Zischler (1947 in Nürnberg geboren, lebt in Berlin) ist vor allem als Schauspieler, Schriftsteller und Verleger bekannt.
 

Hanns Zischler (1947 in Nürnberg geboren, lebt in Berlin) ist vor allem als Schauspieler, Schriftsteller und Verleger bekannt.
Darüber hinaus arbeitet er seit 1970 im Bereich der Fotografie, seit etwa 20 Jahren verstärkt mit der Lochbildfotografie (Rigby Pinhole Camera).
Seine Fotografien wurden u.a. im Rahmen der photokina Köln (2008), in der Alfred Ehrhardt-Stiftung Berlin (2013), in der Galerie f 5,6 in München und in der Domaine de Chaumont-sur-Loire (2014) ausgestellt.
 
Von Vintage-Prints aus dem Jahr 1970 (Blicke aus dem Fenster auf eine Berliner Straßenkreuzung) bis zu Sténopés (Lochbildern) aus dem Jahr 2015 (Aufnahmen aus einer Montgolfière über dem Loire-Tal), konzentriert sich die Ausstellung auf zwei Aspekte seiner fotografischen Arbeit: (Stadt) – Landschaften und Innenräume. Während manche Landschaftsmotive an Bilder romantischer Maler erinnern, erzeugen die Licht/Schatten-Effekte der Intérieurs eine rätselhaft-unheimliche Atmosphäre.
 
Vernissage: 7. September 2016, 19 Uhr
In Anwesenheit des Künstlers

 
Man könnte Hanns Zischler als „kontemplativen“ Fotografen bezeichnen. Die Zeit spielt eine wichtige Rolle in seiner Arbeit, sei es die Zeit vor dem Motiv (lange Minuten, um die wechselnden Aspekte einer Berliner Straßenkreuzung einzufangen) oder die Zeit der Aufnahme selbst (die Lochbildtechnik erfordert oft extreme Belichtungszeiten, die dazu führen, dass Konturen verwischt und bewegte Objekte nur noch als schemenhafte Schatten wahrgenommen werden).
 
Mitte der 1990er Jahre hat Hanns Zischler seine erste Rigby-Pinhole-Kamera erworben, die ihm damals ganz neue Perspektiven der fotografischen Arbeit eröffnete. Zu seinen ersten Aufnahmen mit dieser camera obscura gehören die beiden Sténopés der Türme der Bibliothèque Nationale de France, die er 1996 kurz nach der Eröffnung der BNF realisiert hat, und auf denen die viel kritisierte Architektur fast schon poetisch wirkt, wenn auch mit einem deutlich melancholischen Anstrich.
 
Weniger melancholisch, eher phantasmagorisch sind die Sténopés, die der Fotograf fast zwei Jahrzehnte später während Ballonfahrten über dem Loire-Tal zwischen Blois und Amboise aufgenommen hat. Sie erzielen in großem Format und auf lose hängenden Stoffbahnen gedruckt eine ganz besondere Wirkung (im Erdgeschoss-Ausstellungsraum).
 
Trotz seiner Vorliebe für die Lochbildtechnik fotografiert Hanns Zischler auch weiterhin mit einer „klassischen“ Digital-Kamera, wie die Berliner Stadtlandschaften und die Berliner und Pariser Intérieurs (im Untergeschossraum) aus den Jahren 2004 bis 2014 zeigen. Sie bestechen durch ihre enigmatische Atmosphäre, seien es Ansichten von U- und S-Bahnhöfen, Blicke auf den Teufelsberg oder Licht-und Schattenspiele im Observatoire de Paris, im Berliner Naturkunde-Museum oder im Keller des eigenen Hauses. Menschen treten hier nur gelegentlich in Erscheinung. Man könnte glauben, sie würden den Blick des Fotografen nur zufällig kreuzen.
 
Die Ausstellung wird ergänzt durch eine Projektion des ersten Kurzfilms mit Hanns Zischler (Same Player Shoots Again, Wim Wenders, 1967) und Vitrinen mit Büchern und Archivalien aus seinen Sammlungen:


Berlin est trop grand pour Berlin (im April im Verlag Macula erschienen) mit Fotodokumenten und Fundstücken vom Teufelsberg


La fille aux papiers d’agrumes (im April im Verlag Christian Bourgois erschienen) mit einer Auswahl seiner Orangenpapier-Sammlung
 
 
PROGRAMM : FILME UND LESUNGEN
Donnerstag, 8. September | 19.30 Uhr im Goethe-Institut
Hanns Zischler liest aus dem Roman Veit von Thomas Harlan 
Der Lesung folgt die Vorführung des Films: Die Hetzjagd
Regie: Laurent Jaoui, D/FR/B, 2008, Farbe, 110 Min. mit Franka Potente, Yvan Attal, Hanns Zischler
 
Freitag, 9. September | 19.30 Uhr im Goethe-Institut
Hanns Zischler liest Auszüge aus zwei seiner Bücher Das Mädchen mit den Orangenpapieren und Berlin ist zu groß für Berlin
Moderation durch Jean-Philippe Rossignol, Schriftsteller und Literaturkritiker
 
Samstag, 10. September | 11 Uhr im Cinéma L’Arlequin
Berlin Chamissoplatz, Regie: Rudolf Thome, Deutschland, 1980, Farbe, OmU., 112 Min., Mit Hanns Zischler, Sabine Bach, Wolfgang Kinder
Präsentiert von Hanns Zischler
 
Mittwoch, 14. September | 19.30 Uhr im Goethe-Institut
Kafka geht ins Kino, Regie: Hanns Zischler, Deutschland, 2002, Farbe, OmU, 52 Min.