123 KLASSE GURSKY

Rote Kugel auf einer Stahlplatte
Foto (Ausschnitt): © Felix Beidenbrach

Die Entwicklung der zeitgenössischen Fotografie ist mit Düsseldorf ganz wesentlich verbunden. Die Kunstakademie in Düsseldorf kann auf eine lange fotografische Tradition zurückblicken, an deren Beginn Bernd und Hilla Becher stehen. Neben Künstlerpersönlichkeiten wie Thomas Struth, Candida Höfer und Thomas Ruff ist Andreas Gursky der wohl bekannteste Vertreter der Düsseldorfer Photoschule. Seit 2010 lehrt er als Professor für freie Kunst an der Kunstakademie. Im Rahmen des Mois de la Photo zeigt das Goethe-Institut Paris in der Ausstellung „123 KLASSE GURSKY“ die verschiedenen Positionen der Klasse Gursky, die sich aus 18 Studenten zusammensetzt.
 

Vernissage am Mittwoch, 12. April 2017 | 19 Uhr

In Anwesenheit der Künstler und Andreas Gursky

Ausstellung vom 13. April bis 4. Junis 2017
 
Die Kunstakademie Düsseldorf organisiert sich in Künstlerklassen, wobei deren Ausrichtung maßgeblich durch den Professor bestimmt wird. Zum Antritt seiner Professur entschied sich der Andreas Gursky bewusst für eine medienübergreifende Ausrichtung seiner Klasse. So finden in der Klasse für freie Kunst vielfältige künstlerische Positionen Platz. Die Qualität der von den Studenten selbstverantworteten Arbeiten wird in Einzelgesprächen mit dem Professor, sowie in gemeinsamen Kolloquien besprochen. Durch die räumliche Nähe der studentischen Arbeitsplätze in drei großen Atelierräumen findet ein ständiger, über die Arbeiten hinausgehender, Austausch statt. Den Studenten wird Vertrauen in sich selbst sowie in die eigene Arbeit geschenkt. Hierdurch entsteht eine einzigartige produktive Atmosphäre, die sich wechselseitig beeinflusst und von Andreas Gursky maßgeblich mitgestaltet wird.
 
Die Ausstellung 123 KLASSE GURSKY zeigt die verschiedenen Positionen der Klasse Gursky, die sich aus 18 Studenten zusammensetzt. Dabei soll der Fokus nicht auf der Etikettierung als Gursky Schüler/in liegen, sondern auf der Vielfalt der entwickelten Themen, der unterschiedlichen Nutzung von Medien und Darstellungsweisen.

Künstlerbiografien

Felix Breidenbach, geboren 1986 in Langen bei Frankfurt, studiert seit 2014 Freie Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf bei Andreas Gursky. In seiner Arbeit übertritt er gezielt die Grenzen zu Architektur und Design. Der Konflikt zwischen Natur und Kultur spielt in seiner Arbeit eine zentrale Rolle.
 
Raphael Brunk
geboren in 1987, lebt und arbeitet in Düsseldorf. In seiner Arbeit sucht er mit einer speziell für ihn entwickelten Technologie nach einer neuen Form der Landschafts- und Architekturfotografie im virtuellen Raum. Neben den abbildhaften Arbeiten entstehen eine ganze Reihe weiterer, teils gänzlich abstrakt anmutender Werke, die auf dem gleichen softwarebasierten Entstehungsprozess fußen – einzig die Daten werden vermischt und bilden so einen neuen fotografischen Zustand.
 
Peter Vincent Causemann, geboren 1982 in Bergisch Gladbach, lebt und arbeitet in Düsseldorf. Seine Medien sind Fotografie sowie digitale und analoge Bildnerei und Video. Neben der Untersuchung von Form und Farbe und ihren konkreten, psychologischen und soziokulturellen Bedeutungen thematisiert seine Arbeit Themen wie Identity, Heraldik, Tribalismus, Werbung, Archaik und Gewalt in einer sinnlichen, wohnlichen und humorvollen Weise.
 
Rike Dröscher, geboren 1990 in Stuttgart, lebt und arbeitet in Düsseldorf. In ihrer künstlerischen Arbeit setzt sie sich vorwiegend mit dem Material Textil auseinander und widmet sich insbesondere dem engen Körperbezug und der hohen Taktilität des Materials.
 
Alexander Föllenz, 1986 geboren in Düsseldorf, lebt und arbeitet in Düsseldorf. Nachdem er zunächst in der Klasse von Prof. Lucy McKenzie in Düsseldorf studierte, ist er seit 2012 in der Klasse von Prof. Andreas Gursky, seit 2016 Meisterschüler. Seit 2011 erhält er ein Stipendium des Begabtenförderwerks Cusanuswerk und 2013 bekam er ein Akademie Stipendium für Bildhauerei von der Kunstakademie Düsseldorf.
 
Isabella Fürnkäs
, geboren 1988 in Tokyo, studiert seit 2011 Freie Kunst bei Andreas Gursky und Keren Cytter in Düsseldorf und ist seit 2015 Gaststudentin an der Universität der Künste Berlin bei Hito Steyerl. Die mehrfache Stipendiatin verwendet in ihrer Arbeit die unterschiedlichsten Medien wie Zeichnung und Video und kombiniert diese zu Installationen mit Performances.
 
Lukas Heerich, geboren 1989 in Düsseldorf, lebt und arbeitet in Paris. In seiner Arbeit beschäftigt sich Lukas Heerich mit diversen Versionen des Schutzgedankens. Im Mittelpunkt steht dabei die Aktion und das Medium des Schutzes selbst: Die Schichten, die diesen Schutz ausüben, sowie deren Muster und Strukturen, wie Häute, die den verletzlichen Körper schützen. Sie sind Bühne für die fragile Beziehung zwischen Stärke und Schwäche, aber auch Gewalt und Verletzlichkeit. 
 
Paul Hempt, geboren 1986 in Wien (Österreich), lebt und arbeitet in Düsseldorf und Wien. Mit einem anfangs fotografischen Schwerpunkt entwickelte Hempt im Laufe seines Akademiestudiums, vor dem Hintergrund der ‚glatten‘ Formensprache heutiger Industrieprodukte und der Digitalisierung des Alltags, einen assoziativ, objektbezogenen Ansatz, welcher gegenwärtig seinen Ausdruck in architektur-bezogenen Installationen und technischen Apparaturen findet.
 
Jens Kothe, geboren 1985 in Bochum, lebt und arbeitet in Bochum und Düsseldorf. Bei seinen Wandarbeiten beschäftigt er sich mit einfachen, industriellen Materialien des privaten, alltäglichen Lebensbereichs. Diese werden mit figürlichen Details auf Glasscheiben, im Direktdruckverfahren, zu Objekten oder haptischen Bildern.

Tim Löhde, geboren 1990 in Radevormwald, lebt und arbeitet in Düsseldorf. Sein Arbeitsschwerpunkt liegt auf Klanginstallationen, die musikalische Erzählstrukturen erforschen, er arbeitet aber auch mit Fotografie und Video. 2016 stellte er im Rahmen von "Mur Brut 07" in der Kunsthalle Düsseldorf aus. 2015 nahm er mit Jens Kothe an der RUHRTRIENNALE teil.
 
Philippe Nilles, geboren 1995 in Luxemburg, lebt und arbeitet in Düsseldorf. Für seine Installationen benutzt er häufig Materialien wie Ton, Gips, Styropor oder gefundene Objekte. Oft werden dabei die Sockel der Installationen selbst zu Skulpturen.
 
Alexander Romey, geboren 1985 in Düsseldorf, lebt und arbeitet in Düsseldorf. Für seine Installationen greift er auf ein Inventar aus Bildern zurück. Dabei bedient er sich verschiedenen fotografischen Genres und deren Attribute um einen sich immer wieder ändernden Prozess von Bildzusammenstellungen zu kreieren, die verschiedenste Interessen zusammenbringen, und somit zu einer eigenen Erzählung werden lassen.
 
Hedda Schattanik, geboren 1992 in Westerstede, und
Roman Szczesny, geboren 1987 in Bensberg, leben und arbeiten Düsseldorf. Das Künstlerduo generiert virtuelle Landschaften und Sound und verknüpft diese mit Zeichnungen, Kulissen und Kostümen.
Dabei sind sie selbst Darsteller und verschmelzen so mit allen Ebenen der Filmproduktion.
 
Peter Schlegel, geboren 1992 in Engelskirchen, lebt und arbeitet in Düsseldorf. In seinen fotografischen Arbeiten widmet sich Peter Schlegel Themen wie Ordentlichkeit, Werteorientierung oder Regeln. Der ironische Moment nimmt hierin einen besonderen Stellenwert ein. Neben seiner künstlerischen Tätigkeit engagiert sich Schlegel auch kunstpädagogisch.
 
Berit Schneidereit, geboren 1988 in Frankfurt am Main, lebt und arbeitet in Düsseldorf. Die Künstlerin untersucht in ihrem Schaffen die diversen Ausdrucksformen der Fotografie und hinterfragt den Bildraum immer wieder neu. Ihre Arbeiten entstehen sowohl beim Experimentieren in der Dunkelkammer als auch digital und verfremden Offensichtliches auf eine poetische, fast malerische Art und Weise.
 
Lucia Sotnikova, geboren im 1986 in Wolgograd, USSR, lebt und arbeitet in Düsseldorf. Die fotografische Arbeit von Lucia Sotnikova ist in radikaler Weise auf einem Mikro- und Makrorhythmus aufgebaut, auf ihrem Gegensatz und ihren Dialog.
Die Werke verknüpfen sich mit dem Betrachter und leiten einen Synchronisationsprozess unseres Unbewusstseins mit dem Abgebildeten ein.
 
Katharina Stadler, geboren 1995 in Oberhausen, lebt und arbeitet in Düsseldorf. Ihre Bildwelt entsteht durch die Technik des Automatismus wobei abstrakte Formen, verwaschene Farben und Symbolik eine übergeordnete Rolle spielen. Perfektion, Vernunft und Reglementierung werden in ihrem Arbeitsprozess kategorisch abgelehnt, wodurch ein großer Anteil an Natürlichkeit erhalten wird.
Stadlers Arbeit wird von der Frage geleitet: Welche Hierarchien umgeben mich, konsumieren mich?
 
Georg Veith, geboren 1991 in Düsseldorf, ist seit 2016 in der Klasse von Andreas Gursky. In seiner Arbeit geht es um die „generelle Beschäftigung, um das Sortieren und Aussortieren“, darum „Rhythmen nachzugehen und die Frage nach der Betonung zu stellen“.

HD-Abbildungen auf Anfrage: Katharina.Scriba@goethe.de